Donnerstag, 18. Juli 2013

Abschied auf Tahiti


Es war eine schöne, geruhsame Reise durch die Tuamotus von Französisch Polynesien. Nach meinem letzten Eintrag aus dem wunderschön einsamen Atoll Tahanea, wo wir mit diversen befreundeten Yachten insgesamt elf Tage verbrachten,  waren wir anschließend noch im Atoll Fakarava.

Fakarava ist sowohl touristisch erschlossen als auch Teil der internationalen Barfußroute und des amerikanischen Puddle Jumps (so etwas wie die ARC, nur für den Pazifik). Kein Wunder also, dass dort mehr Menschen und vor Allem viel mehr Segelboote anzutreffen sind. Eine gute Gelegenheit sich wieder an den Trubel zu gewöhnen, was uns nach ein paar Monaten Abgeschiedenheit relativ schwer fällt.

Ungünstige Wetterbedingungen zwangen uns dann fast eine Woche dort auszuharren, obwohl wir dort nur ein paar Tage bleiben wollten. Aber eine heftige Front machte uns einen Strich durch die Rechnung und führte erst zu Starkwind aus Nord und dann zu einer steifen Brise aus Süd, was wohl einige der  Barfußsegler völlig überrascht hat. Sie fühlten sich innerhalb des Atolls offenbar so sicher, dass sie die Wettervorhersage nicht verfolgten. Dummerweise erstreckt sich Fakarava über dreißig Meilen von Nord nach Süd, was bei stärkeren Winden entlang der Achse selbst innerhalb des Riffs auf der windabgewandten Seite zu hohen Wellen führt.

Während wir uns bei Nordwind im Schutz des nördlichen Riffs befanden und mit der Winddrehung nach Süden umzogen, um dort wieder optimal geschützt zu sein, fuhren einige Boote andersherum, bzw. bewegten sich gar nicht. Bei den Meisten führte das zum Glück nur zu einigen rauhen Stunden und intensiver Ankerwache. Bei zwei Booten jedoch, deren Kette sich in den Korallen verhängt hat, hat es die Ankerwinch herausgerissen und ein weiterer Unglücksrabe hat seinen Anker sogar ganz verloren und wurde auf das Riff gespült. Ein Loch mit einem halben Meter Durchmesser und diverse Risse in der Außenhülle waren die Folge. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Während jeweils am anderen Ende des Atolls das Drama tobte, verbrachten wir ein paar entspannte Tage zu zweit, nachdem unser Besuch nun wieder nach Deutschland abgereist ist, wo er nach acht Wochen Fisch gerade einen deftigen Schweinebraten geniest – wir sind hier nur ein bisschen neidisch, ein ganz klein bisschen!

Ich habe in dem Skipper einer befreundeten Yacht einen erfahrenen Tauchpartner gefunden, mit dem ich gemeinsam den Drifttauchgang in berühmten Süddurchfahrt von Fakarava wagen konnte, wo man in glasklarem Wasser die bunte Korallenvielfalt, viele große Fische und natürlich jede Menge der allgegenwärtigen Haie bewundern kann.

Als sich das Wetter endlich beruhigt hatte, sind wir weiter nach Tahiti, wo uns der „Stress“ nun gänzlich zurück hat. Hier auf der großen Insel ist das Leben fast europäisch hektisch, die Behörden wollen ihren Papierkram erledigt wissen, unsere leeren Proviantkammern wollen mit „erschwinglichen“ Lebensmitteln gefüllt werden und außerdem findet man in Papeete die einzigen Bootsbedarfsläden in mehr als eintausend Seemeilen Umkreis. Die Kombination dieser Umstände und die Tatsache, dass man die schöne Insel auch ein wenig besichtigen will, führt zu langen Tagen und wenig Schlaf.

Dabei hatten wir uns mit Port Phaeton, am abgelegenen Südende von Tahiti Nui noch die ruhigste Ankerbucht ausgesucht, weil wir dort mit allen unseren neuen Segelfreunden, denen wir auf den Gambier Inseln begegnet waren und die uns auf dem gemeinsamen Weg durch die Tuamotus immer wieder begleitet haben, auf ein letztes Treffen verabredet waren. Es waren tolle Wochen mit tollen Leuten und wir waren ein bisschen traurig, als wir uns gestern bei einer letzten abendlichen Zusammenkunft verabschieden mussten. Wir werden uns mit Alita in den nächsten Wochen wieder wesentlich schneller durch die Inselwelt bewegen, als unsere dümpelnden Freunde, so dass wir diese erst wieder kurz vor Neuseeland treffen werden.

Nun liegen wir am Ankerplatz vor der Marina Taina, in der Nähe von Papeete, zusammen mit über einhundert anderen Yachten, die sich auf engstem Raum quasi stapeln. Der Funkverkehr auf Kanal 16 ist ununterbrochen und jede Minute fährt ein Motorboot vorbei. Hilfe! Nur gut, dass wir morgen schon weiterfahren nach Moorea, wo es hoffentlich ein klein wenig ruhiger ist.

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