Montag, 29. September 2014

Facebook

Vor kurzem habe ich eine Untersuchung gelesen, die aufgrund wissenschaftlicher Daten behauptet, dass Facebook und soziale Netzwerke im Internet die Menschheit unglücklich und aggressiv macht. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich so entspannt und glücklich bin – ich bin nicht bei Facebook!
Die Begründung der Wissenschaftler zu dem nicht ganz überraschenden Ergebnis ihrer Studie war, dass Benutzer der Internetnetzwerke ihr „zweites Leben“ im Internet deutlich positiver darstellen, als es in der harten Wirklichkeit ist. Da man aber an die virtuellen Freunde nicht nah genug heran kommt, um an ihrem Oberflächenlack zu kratzen und hinter die Kulisse zu blicken, ist man in der internationalen Scheinwelt von glücklichen, erfolgreichen und hübschen Freunden umgeben, bei denen im Vergleich das eigene echte Leben nicht mithalten kann.

Also was macht man? Ganz klar! Man beginnt ebenfalls zu Lügen und stellt sich und sein Leben im Internet viel besser dar, als es in Wahrheit ist. Warum? Weil man damit immer mehr virtuelle, falsche Freunde anlockt, die mit ihren Lügen dafür sorgen, dass ich mich noch schlechter fühle. Die Menschen sind komisch!

Die Krönung des Ganzen war eine Pressemitteilung letzte Woche. Eine junge Holländerin hat ihren „Freunden“ bei Facebook vorgespielt, dass eine mehrmonatige, wunderbare Reise durch Asien macht. Die Fotos, die das dokumentieren sollten, hat sie im Internet geklaut und sich teilweise hinein retuschiert. Ich bin ganz sicher, dass sie nicht die Erste, die so etwas macht. Sie ist nur die Erste, die damit so medienwirksam auffliegt - offenbar wird aus ihr keine gute Fälscherin.

Das arme Mädchen kann einem Leid tun. Wie verzweifelt muss man sein, wenn man seiner Umwelt eine lange Reise vorspielen muss, nur um dann von der internationalen Presse an den Haaren an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden! Ich hoffe sie hat ein paar echte Freunde, oder alternativ einen guten Psychiater. Vielleicht ist sie aber auch geschickt und schlägt Kapital daraus. Es gibt einen großen Markt, auf dem man seine Peinlichkeiten vermarkten kann, um wie Naddl, Katzenberger und Konsorten die Gipfel des Trashfernsehens zu erklimmen.

Auf jeden Fall hat mich das Ganze zum Nachdenken gebracht. Wenn das alles wirklich so schlimm ist, wie die Wissenschaftler sagen, dann tragen wir auf Alita mit unserem Blog dazu bei, dass ihr daheim unglücklicher werdet! Das wollen wir nicht!

Wir lügen zwar keine Segelreisen vor, die wir nicht gemacht haben, aber wir lassen die langweiligen Teile immer und nervigen Teile häufig aus. Wir fotografieren auch nicht die hässlichen Orte und stellen die Bilder ins Netz. Mit unserer Auswahl von Geschichten und Fotos inszenieren wir also letztlich unser Leben schöner, als es wirklich ist. Das soll nicht heißen, dass wir hier draußen nicht total glücklich sind und alles echt phat großartig ist… Nein, Spaß beiseite: Natürlich ist nicht alles immer ganz so toll, wie es eventuell rüberkommt!

Damit ihr Euch also in Zukunft nicht ganz so schlecht fühlt, wenn ihr meine Beiträge lest, werde ich ab jetzt versuchen auch die schlechten Seiten einzubringen und ich werde Micha bitten, auch ein paar hässliche Orte zu fotografieren. Also fangen wir gleich an!

Wir haben Scheiß Wetter! Es ist nicht nur stark bewölkt und hat sogar ein wenig geregnet - aber leider bei Weitem nicht genug, dass es den Tonganern bei Ihrem Dürreproblem Linderung verschafft hätte. Wir haben Wind aus der falschen Richtung, der meinen Ankerplatz mit kurzen Wellen extrem ungemütlich macht. Außerdem ist ein Schwung kühler Luft angekommen, der dafür sorgt, dass sich die gesamte Luftfeuchtigkeit in eine Art Nebel verwandelt. Nun kann man keine hundert Meter weit sehen und die Feuchtigkeit setzt sich überall ab. Sogar im Inneren des Schiffes ist es inzwischen klamm und die Bettwäsche, die ich erst gestern gewechselt habe, fühlt sich an wie ein Waschlappen. Es erübrigt sich zu sagen, dass ich extrem schlecht geschlafen und geträumt habe!

Zu allem Übel quält mich tagsüber der örtliche Funktelefonbetreiber mit bis zu zwanzig Werbe SMSen täglich, die ich nicht abschalten kann. Hin und wieder sind sogar schlechte Witze drunter. Dieser hier kam gestern:

Facebook ist wie Gefängnis. Man verschwendet Zeit, spricht mit einer Wand und wird von wildfremden Menschen belästigt.

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