Donnerstag, 4. Juni 2015

Flucht vor dem Winter

Die Fahrt nach Fiji war diesmal ein bisschen spannender, als die letzten Überfahrten, bei denen die Segelbedingungen jeweils perfekt waren. Dieses Jahr war das subtropische Wetter im Südwesten des Pazifiks uncharakteristisch unstet für die Jahreszeit. Die ersten Winterstürme waren bereits über Neuseeland hinweggezogen, ungewöhnlich früh im Jahr. Auch die Hochdruckgebiete zogen bereits winterlich schnell und in Folge der hohen Dynamik änderten sich die Vorhersagen fast täglich.
Es war also recht schwierig "passendes" Wetter zu finden, so dass auf der ganzen langen Überfahrt der Wind immer aus den richtigen Richtungen und in erträglicher Stärke weht. Das Wetterfenster für das wir uns schließlich entschieden, war nicht gerade eine große Panoramascheibe, sondern eher eine kleine Schießscharte. Ein befreundetes Boot wollte einen Tag nach uns aufbrechen, aber bereits zwölf Stunden nach unserer Abfahrt zeigten sich die Vorhersagen im Verlauf der Fahrt wieder ungünstig, so dass die Zögerlichen noch heute - zwei Wochen später - in Neuseeland sind.
Wir waren das einzige Boot, das am 23.5. im Rücken eines Wintersturms bei Windstärke 7 aus Opua auslief. Klar fällt es nie besonders leicht den ruhigen Hafen zu verlassen, wenn es draußen heftig bläst und die Wellen das Boot entern wollen. Aber wir waren ähnliche Bedingungen von der Südinsel Neuseelands bereits gewöhnt. Auch dort musste man im Rücken der Fronten auslaufen, wenn man sich segelnder Weise eine Stück nach Norden vorarbeiten wollte.
Unser Plan ging jedenfalls auf. Dank des kräftig ausgeprägten Rücken des Tiefdruckgebiets hatten wir zwei Tage Starkwind aus raumen Richtungen (von schräg hinten), mit dessen Hilfe wir uns rasend schnell nach Norden bewegten. Innerhalb von zwei Tagen hatten wir bereits die halbe Strecke nach Minerva zurück gelegt, waren den ungünstigen Wetterentwicklungen im Süden entkommen und unsere erwartete Ankunftszeit im relativ gut geschützten Nord Minerva Riff lag geschätzte zwölf Stunden vor einer unberechenbare tropische Störung, die uns von Norden entgegen zog.
Die tropischen Störungen sind für Segler besonders unangenehm, weil sie sich durch großflächige Flaute auszeichnen, im Inneren aber böse Überraschungen mit örtlichem Starkwind und heftigen Regengüssen bereit halten.
Aber wir hatten doppelt Glück. Zunächst erreichten wir unseren Ankerplatz in Minerva deutlich vor der tropischen Störung und außerdem war diese nicht annähernd so stark, wie vom Wetterdienst vorher gesagt. Letztlich hatten wir keinen einzigen Regenschauer und die Flaute bescherte uns eine besonders ruhige Nacht.
Drei ruhige Tage genossen wir in Minerva, kulinarisch durch einen 31kg schweren Thunfisch versüßt, den wir kurz vor der Einfahrt ins Riff gefangen hatten. Der einzige Rückschlag war die Weigerung des Wassermachers, seiner Aufgabe nachzukommen und Süßwasser zu produzieren. Aber auch dieser Mitarbeiter konnte in einer intensiven, dreistündigen Sitzung zur Mitarbeit überredet werden.
Die letzte Etappe nach Fiji war einfach zu planen. Bei konstanter Brise und Halbwind (seitlich), traumhaften Hochsee-Segelbedingungen, schossen wir in ruhiger See bei Rumpfgeschwindigkeit dahin und liefen zweieinhalb Tage später in Levuka auf der Insel Ovalau ein.
Wir haben uns absichtlich einen kleinen Ort zum Einklarieren in Fiji ausgesucht, weil die Formalitäten dort erfahrungsgemäß etwas schneller vonstattengehen. Die Wege zwischen den Behörden sind nicht so weit und die Schlangen vor den Schaltern sind nicht so lange, wie in großen Städten.
Es begann alles gut. Wir liefen um 09:30 morgens im Hafen ein, hatten gleich Funkkontakt mit der Hafenmeisterei und nach zwei Versuchen hatten wir uns auf einen geeigneten Quarantäne- Ankerplatz geeinigt, der einerseits weit genug aus den Wellen war, damit wir nicht arg durch geschaukelt werden, anderseits nah genug am Hafen, damit die Wege der Offiziellen nicht zu weit sind und zuletzt, weit genug vom Land entfernt, damit wir nichts unbemerkt nach Fiji einschleppen konnten.
Die Gesundheits- und die Bio-Security Behörden hatten innerhalb einer halben Stunde Mitarbeiter am Pier, die wir mit unserem Beiboot abholten und uns gegen 11:00 bestätigten, dass wir alle gesund sind und keine illegalen Lebensmittel an Bord haben. Natürlich hatten sie außerdem schon ihre Rechnungen ausgestellt.
Danach fuhren wir alle in den Hafen, denn die Einwanderungsbehörde und der Zoll dürfen aufgrund internationaler Regeln keine Rechnungen ausstellen und nehmen deswegen auch nicht den langen und beschwerlichen Weg zur Yacht auf sich. Sie warten lieber im klimatisierten Büro auf uns.
Zumindest wartet dort einer auf uns, doch der kann unseren Fall nicht bearbeiten. Der einzige Mitarbeiter, der hochrangig genug ist um uns einzuklarieren ist gerade auf der Bank und deswegen müssen wir erst einmal warten. Als er dann nach einer guten halben Stunde auftaucht, dürfen wir ganz viele Dokumente ausfüllen, die wir bereits in Neuseeland einmal ausgefüllt haben - und dann auf den Computer warten, der noch langsamer rechnet als der Beamte tippt. Kurz vor der Mittagspause haben wir dann die Genehmigung zum Verlassen der Yacht in der Hand.
Nun dürfen wir aus dem Hafen hinaus in die Stadt und unser Auftrag ist klar: Auf die Bank und Landeswährung besorgen, damit wir die Rechnungen der Bio-Security und der Gesundheitsbehörde zahlen können. Dann zum Sitz des örtlichen Ältestenrates und eine "Cruising Permit" holen - das ist die Erlaubnis innerhalb von Fiji zu segeln. Mit diesem Papier sollen wir dann wieder zur Hafenbehörde, die uns die finale Auslaufgenehmigung aus dem Hafen in die Gewässer Fijis erteilt.
Hört sich eigentlich ganz leicht an und sollte in den verbleibenden 4 Stunden, bis die Behörden um 16:30 schließen, auch locker zu schaffen sein - aber wir sind in Fiji und deswegen kann man sich nie ganz sicher sein!
Der Geldautomat an der Bank ist "vorübergehend" außer Betrieb und die Schlange an der Kasse ist lang. Wen wundert es, ist schließlich auch die einzige Bank im Dorf! Die Gesundheitsbehörde ist am nördlichen Ende des Städtchens und nach einem kurzen Marsch dauert es dort nur fünfzehn Minuten eine Quittung auszustellen, dann aber fast eine halbe Stunde, bis das passende Wechselgeld aus den Geldbörsen aller Mitarbeiter zusammen gesammelt ist.
Das Gebäude des Ältestenrates ist - wie soll es auch anders sein - am südlichen Ende der Stadt. Aber nach einem etwas längeren Marsch bin ich dort der einzige Kunde und die Sekretärin ist sehr hilfsbereit und komptetet. Sie entschuldigt sich, dass ich ein paar Minuten warten muss, denn das Formular muss zur Unterschrift in die Hauptstadt geschickt werden. Kein Problem sage ich und lächle… und lächle auch noch eine knappe Stunde später, als des Fax aus der Hauptstadt immer noch nicht da ist.
Nach über einer Stunde erfahre ich die Frohe Kunde, dass das Fax da sei. Ich halte schon die Hand auf, muss aber dann erfahren dass das Fax meines Begehrens nicht in diesem Gebäude weilt, weil das Faxgerät hier kaputt ist, sondern im Büro des "High Comissioners" , ganz in der Nähe der Polizeistation, am nördlichen Ende der Stadt. Ahja!
Immer noch lächelnd finde ich mit Hilfe dreier Einheimischer nach einem längeren Fußmarsch das Büro, doch Elvis - der Mann, der mein Fax hat ist - ist, wie soll es auch anders sein, gerade bei der Bank. Mir läuft die Zeit davon, denn der Feierabend rückt bedrohlich Nahe.
Die Dame am Schreibtisch von Elvis hat keine Ahnung, aber sie ist so nett, dass sie mir einige streng geheime Dokumente von Elvis' Schreibtisch zeigt und beim dritten Versuch kann ich meine Cruising Permit ausmachen und bekomme diese auch ausgehändigt. Es bleibt jetzt noch eine Dreiviertelstunde und ein mittlerer Fußmarsch, um die Hafenbehörde zu erreichen und die Auslaufgenehmigung zu bekommen.
Letztlich wird es sehr, sehr knapp… denn der Mitarbeiter, der das normalerweise macht, ist natürlich nicht da, sondern auf dem Weg zum Flughafen und seine Vertretung, wie soll es auch anders sein, fährt ihn. Es dauert eine knappe halbe Stunde meiner kostbaren Zeit bis die Vertretung zurück ist - und sie bringt drei ihrer fünf Kinder mit, denn eigentlich hat sie ja jetzt frei und wäre nun im Bett, wenn ich nicht so dreist wäre, innerhalb der Geschäftszeiten Arbeit zu verursachen!
Während ich mich noch lächelnd entschuldige und versuche die Stimmung aufzuheitern, schafft die Dame es immer wieder in paar Buchstaben in die Eingabemasken auf ihrem Computer einzutragen, während eines ihrer Kinder nebendran wahllos Nummern auf dem Telefon wählt und dann den Hörer an seine Mutter weiterreicht, wenn tatsächlich jemand antwortet. Da die Insel klein ist, kennt die Dame natürlich jeden ihrer wahllosen Gesprächspartner und man amüsiert sich ausgiebig über die Art und Weise, wie das Gespräch zustande gekommen ist.
Die anderen Kinder machen sich inzwischen anderweitig nützlich und entführen Kugelschreiber, Heftklammergerät und weitere wichtige Utensilien vom Schreibtisch der Beamtin, die wir später noch suchen werden. Und ich lächle immer noch!
Kurz darauf vergeht mir das Lächeln kurz, als mir die Beamtin erklärt, dass ihr Computer nun irgendwie nicht mehr so richtig will und wir die Genehmigung manuell erstellen müssten. Sie reicht mir ein Formular, dass Sie von einer Kollegin telefonisch angefordert hat, damit die es per Email schickt… als das Formular endlich ausgedruckt ist, erkenne ich, dass es sich um das Selbe handelt, dass ich inzwischen schon zweimal ausgefüllt habe. Das Werk hat vier Seiten und ich weiß, dass ich ungefähr eine halbe Stunde brauche, diese Informationen erneut einzutragen - aber was hilft's! Ich hab es nun fast geschafft und will nicht auf der Zielgeraden schlapp machen.
Ich bin bereits auf Seite drei des Formulars, als mir die Beamtin freudig verkündet, dass es der Computer nun doch wieder tut und danach dauert es trotz der Störmanöver der Kinderschar nur noch zehn Minuten, bis ich das besiegelte und mehrfach vorne und hinten gestempelte Formular in der Hand halte und als freier Mann dem Hindernislauf im Behördendschungel beende. Möge der Urlaub beginnen!

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Dienstag, 26. Mai 2015

Alles prima an Bord

In drei Tagen konnten wir gut zwei Drittel der Strecke nach Minerva segeln, nun ist uns der Wind vorübergehend ausgegangen und wir motoren weiter in Richtung Ziel.
Die See ist flach, das Wetter ist gut und es wird langsam Sommer. Die Shorts sind schon im Einsatz und allen an Bord geht es prima.

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Sonntag, 24. Mai 2015

Schnell unterwegs

Wir haben fast 200 Seemeilen auf der Logge seit unserer Abfahrt gestern mittag in Opu. Wind weht kräftig aus SW und wir sind schnell unterwegs. Alles prima an Bord.
Positionsupdate wie immer auf der "Wo ist Alita"- Seite.

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Freitag, 22. Mai 2015

In den Startlöchern

Inzwischen sitzen wir in der Marina in Opua. Wir haben noch eine Woche in Neuseeland verbracht, nochmal die schönsten Flecken zwischen Whangarei und der Bay of Islands besucht. Draußen ist es gerade ungemütlich. Ein Tief zieht durch, es schüttet in Strömen, ein sturmstarker Wind weht aus Nordwest und die Crew scharrt mit den Hufen. Wir wollen nun mal endlich los!
Micha und ich müssen auch bald weg von hier. Unsere Besuchervisa für Neuseeland laufen heute aus und obwohl die Behörden hier bei Seglern kulant sind, würden sie uns schon gern bald loswerden.
Wenn das Tief durchgezogen ist, der Regen leichter wird und der Wind nicht mehr stürmisch sondern nur noch stark aus Südwest pustet, dann brechen wir auf - also morgen Vormittag, so ist der Plan.
Wir freuen uns schon auf den warmen Norden und natürlich werden wir Euch auch auf hoher See auf dem Laufenden halten - zumindest die Position auf der Seite "Wo ist Alita" wird regelmäßig aktualisiert werden. Bitte brecht aber nicht gleich in Panik aus, wenn ihr zwei Tage nichts von uns hört. Manchmal will die Technik nicht so recht.

Samstag, 16. Mai 2015

Ende der vorübergehenden Funkstille

Es gibt Zeiten, da hat man keine Zeit im Blog zu Schreiben. Und es gibt Zeiten, da hat man nicht mal Zeit zu Schreiben, dass man keine Zeit zum Schreiben hat. Es tut mir sehr leid, dass es in den letzten Wochen so still war, aber einerseits hab ich grad nicht viel mitzuteilen und anderseits waren wir in den letzten paar Wochen mit den üblichen Trockendockarbeiten mehr als voll beschäftigt.

Nun, nach drei Wochen harter Arbeit, ist Alita wieder bereit für die neue Saison und wir haben wieder ein paar freie Minuten um einmal kräftig durch zu schnaufen. Alles ist gewartet, geschmiert, inspiziert, poliert, repariert. Das Unterschiff ist mit frischem Antifouling versehen und alles glänzt nach der abschließenden, intensiven  Putzaktion.
Außerdem sind wir auch schon für unsere Reise nach Fiji voll verproviantiert und bereit abzulegen. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen und dann geht’s ab in den warmen Norden!

Dienstag, 21. April 2015

Neuseeland umrundet


Heute früh sind wir wieder in Whangarei eingelaufen, wo wir vor vier Monaten zur Umrundung von Neuseeland aufgebrochen sind. Wir würden es jederzeit wieder tun! Es war ein wunderschöner abwechslungsreicher Trip, jeder Ankerplatz bot wieder einen neuen Highlight und nun wartet in den nächsten Wochen viel Arbeit auf uns, damit Alita auch nächstes Jahr wieder fit ist!

Freitag, 27. März 2015

Aus der Reihe "Kurioses am Wegesrand"

Endlich ist es möglich! Wie oft standen wir schon an der Autowaschanlage und haben uns gedacht:

 
"Mensch! Der Köter, mein bester Freund, braucht auch dringend mal wieder eine Wäsche. So schmutzig wie der ist, versaut er mir ja das frischgewaschene Auto!"

Nicht verzagen... den Kiwi fragen! Hier in Napier, Neuseeland ist das kein Problem mehr. Direkt neben dem Car Wash befindet sich nämlich der Dog Wash!

 
Sieht doch prima aus. Ich bin sicher alle Hunde in der Gegend freuen sich immer sehr, wenn sie den Besuch in der Waschanlage überlebt haben!




Sonntag, 22. März 2015

Kurzer Update

Wellington ist eine schicke, kleine Hauptstadt! Sehr hipp, modern und ansehnlich. Dort hat es uns recht gut gefallen, vor Allem weil der Hafen mitten im Stadtzentrum liegt und alles prima zu Fuß zu erreichen ist. Das neuseeländischste aller Museen, das Te Papa-Museum, lieg direkt neben der Marina und ein Besuch dort lohnt sich.

Die ganze Stadt ist wild und bunt, aber auch durchgestylt. Die ganze Stadt? Nein! Am Rande der Stadt, am Ende einer ruhigen Straße, in der sich die Botschaften aller Nationen angesiedelt haben - alle in repräsentativen, hübschen Gebäuden - liegt ganz hinten, fast verschämt, die deutsche Botschaft: eine hässliche, klotzige Sünde im Plattenbaustil. Etwa so einladend wie ein Gefängnis. Typisch!

Nur am Rande. In Wellington habe ich auch eine neue Apfelsorte entdeckt, mit dem Namen Genesis. Ist wohl ein gentechnischer Wundermix aus Braeburn und Royal Gala. Der sieht nicht nur perfekt aus, etwa so wie der giftige Apfel in Schneewitchen, sondern schmeckt auch noch abartig gut. Genau die richtige Mischung aus süß, sauer und knackig und saftig. Hätte Gott das Ding in den Baum ins Paradies gehängt, dann hätte er sich die Schlange als Überredungskünstler sparen können!

Naja. Wir sind jedenfalls inzwischen wieder ein Stück weiter gefahren und gestern in Napier und damit im warmen, trockenen Norden angekommen. Nach Wellington, wo immer eine steife kühle Brise blies, fühlt es sich hier an wie Hochsommer.

Und noch bzgl. Vanuatu: Die Links zu den kleineren, hiesigen Hilfsorganisationen spare ich mir. Sie sind auch nicht besser oder schlechter als die großen Deutschen. Außerdem habe ich einen Bericht in der neuseeländischen Zeitung gelesen, dass sich bereits 40 Hilfsorganisationen mit Teams vor Ort aufhalten, allen voran die großen Internationalen. Das Problem scheint also nicht, dass Eure Hilfe nicht ankommt. Momentan ist wohl mehr die Koordination der Hilfe gefragt. Was aber nicht heißt, dass Eure Spenden nicht mehr nötig wären! Die Bevölkerungen der Südseeinseln sind größtenteils Selbstversorger - sie bauen einen ihre tägliche Nahrung selbst an. Da große Teile der Ernte zerstörst sind, wird es eine Weile dauern, bis sie wieder ohne Hilfe auskommen.


Dienstag, 17. März 2015

Wirbelsturm Pam

Zunächst mal wollen wir uns ganz herzlich bei den vielen  besorgten Blogleser bedanken, die sich in den letzten Tagen informiert haben, ob wir sicher sind bzw. den Sturm Pam gut überstanden haben, der in der letzten Woche im Südpazifik getobt hat. Wir können Eure Sorgen zerstreuen. Wir liegen ganz sicher im Stadthafen von Wellington, viele hundert Meilen vom Zentrum von Pam entfernt, welches sich gerade langsam auflöst und südöstlich ins pazifische Polarmeer verabschiedet.

Der Sturm ist zwar knapp an Neuseeland vorbeigezogen, aber doch weit genug entfernt, dass er hier nur wenig Schaden angerichtet hat. So viel Glück hatten die Menschen in Vanuatu nicht. Sie haben die volle, zerstörerische Kraft dieses Wirbelsturms der höchsten Kategorie abbekommen. Mit knapp 300 km/h Wind, Wellenhöhen über zwanzig Meter und einem geschätzten Luftdruck von ca. 880 hPA im Zentrum gehört Pam zu den drei stärksten Stürmen, die seit Beginn der Wetteraufzeichnungen erfasst wurden. Gerade als seine Kraft am Stärksten war, zog er über Port Vila die Hauptstadt Vanuatus hinweg.

Für die Menschen dort war es der Super GAU - die größtmögliche Katastrophe, die zu befürchten war. Die Naturgewalten haben Schäden unvorstellbaren Ausmaßes hinterlassen. Es sind wohl die allermeisten Häuser auf Efate, der Hauptinsel des Landes zerstört. Auch die abgelegenen südlichen Inseln des Landes hat es voll erwischt, so dass die große Mehrzahl der Bevölkerung Obdachlos ist. Der Premier des Landes ist in einem Fernsehbericht in Tränen ausgebrochen und hat gesagt, dass die Zukunft seines Landes zerstört sei. Er übertreibt nicht.

Die Menschen dort werden viel Hilfe brauchen, um wieder auf die Beine zu kommen. Wir werden voraussichtlich im Juli nach Vanuatu segeln und natürlich überlegen wir, wie wir den Menschen dort helfen könnten – genau wie alle unsere befreundeten Segler, die auch dieses Jahr wieder die „sicheren“ Monate auf den tropischen Inseln der Südsee verbringen werden, in denen dort keine Wirbelstürme entstehen.

Angesichts des Ausmaßes der Katastrophe jedoch wirkt alles was wir tun können, wie der sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein. Die Menschen dort brauchen die Hilfe jetzt und nicht erst Ende April, wenn die ersten Segler dort eintreffen. Sie brauchen Unterkünfte und Nahrungsmittel um die nächsten Tage und Wochen zu überleben, sie brauchen Baumaterialen um ihr Leben wieder aufzubauen - Dinge deren Transport wir auf unseren kleinen Booten nicht stemmen können.

Also ist es sicher das Beste, wenn auch wir, die besorgten Segler und unsere Freunde die Erste Hilfe den Profis überlassen – den großen Hilfsorganisationen, die bereits Spendenkonten für Vanuatu eingerichtet haben.

Wir sind auch gerade noch dabei ein paar örtliche Hilfsorganisationen zu recherchieren, bei denen das Geld direkt nach Vanuatu geht. Wir werden Euch hier auf dem Laufenden halten, aber höchstwahrscheinlich haben diese kleinen Organisationen keine deutschen Konten, also kassiert die Bank für die Überweisung.

Natürlich werden wir trotzdem unseren eigenen, kleinen Teil betragen und in ein paar Monaten z.B. Werkzeug, Medikamente, Kleidung andere leicht transportable Hilfsgüter mitbringen und dort direkt  verteilen. Wenn Euch darüber hinaus etwas einfällt, was wir besser tun könnten als die Hilfsprofis, freuen wir uns über jede eurer Ideen.

Dienstag, 10. März 2015

Nordwärts an der Ostküste

Die erste Hälfte unserer Umrundung Neuseelands ist geschafft und wir befinden uns wieder auf dem Weg nach Norden. Von Stewart Island sind wir zunächst nach Dunedin gesegelt, wo in der neuseeländischen Gründerzeit vorwiegend schottische Einwanderer eine der ersten großen Siedlungen errichteten und dort den Eisenbahn und Schiffsbau vorantrieben.

Dort  waren wir über eine Woche, weil das Wetter nicht so richtig mitspielte und wir außerdem die Gastfreundschaft des örtlichen Yachtclubs und die Rückkehr in die Zivilisation genossen haben. Dunedin ist mit immerhin hundertfünzigtausend Einwohner die größte Stadt, die wir seit langem besuchten! Außerdem gibt es auch hier viele Sehenswürdigkeiten – wie z.B. die steilste Straße der Welt!

Von Dunedin sind wir dann – genauso wie schon zuvor in Stewart Island – bei Sturmwarnung ausgelaufen. Guter Segelwind in vernünftiger Stärke weht hier leider nur aus Nordosten, also genau aus der Richtung, in die wir müssen. Sonst hat es entweder gar keinen Wind, oder eben sturmstarke Winde aus Süden, während und nach dem Durchzug einer Front.
Also ist die einzige Chance, wenn man unter Segel weiterkommen will, den Durchzug der Front und damit die stärksten Böen abzuwarten und dann im Rücken des Unwetters bei 30 bis 40 Knoten Wind  auf den  Wellen nach Norden zu reiten.

Leider halten diese „günstigen“ Winde auch nicht wirklich lange – derzeit nur einen halben Tag. Also muss man bei den langen Distanzen einen weiteren halben Tag mit schwachen Winden und großen Wellen kämpfen – was dann meistens doch wieder dazu führt, dass man den Motor anwirft, weil die Segel zu stark leiden. Nichts schadet den Tüchern nämlich mehr, wenn sie in leichtem Wind von Schauckeln des Bootes hin und her geschlagen werden und es lohnt sich nicht $30 Diesel zu sparen, wenn man dann für eine paar hundert Dollar Segelreparaturen hat.

Mit den vereinten Kräften von Sturmsegeln und Flautenmotoren sind wir also gestern im hübschen Akaroa angekommen, wo wir die örtlichen Sehenswürdigkeiten in einem guten Tag besichtigt haben. Morgen geht es dann um die Halbinsel herum weiter nach Lyttleton – das ist der Hafen von Christchurch. Dort sind wieder zwei Tage Sightseeing geplant und dann erwarten wir die nächste Front, die uns wieder ein Stück weiter und zurück auf die Nordinsel nach Wellington bringen soll.

Das klingt alles ein bisschen nach Arbeit und nicht so viel Vergnügen… doch auch hier an der Ostküste ist das Land wunderschön und es gibt weniger Regen und viel zu sehen. Leider sind wir nach den atemberaubenden Eindrücken im Wilden Westen des Landes etwas „satt“ und müssen uns erst mal wieder eichen.