Mittwoch, 22. Januar 2014

Schritt für Schritt

Wir haben den kleinen Sturm June und das kleine Erdbeben am Südende der Nordinsel Neuseelands  gut überstanden - und der Sandstrahler ist ebenfalls fertig. Das rote Zeug das hier unter Alita liegt ist der Sand - oder besser das Granulat, denn natürlich wird es künstlich hergestellt. In echtem Sand wäre viel zu viel Verunreinigung und gerade bei Alu ist es wichtig, dass keine anderen Metalle in dem Zeug sind, dass man da auf den Rumpf bläst. Insgesamt waren es über 100kg!



Die ersten 4 Schichten Farbe sind auch schon drauf. Die letzte Schicht des Epoxygrunds und das Antifouling machen wir erst später, denn das Antifouling darf nicht länger als drei Wochen trocken stehen. Nachdem der Mann, der meine Innenumbauten macht, noch nicht mal angefangen hat, warten wir lieber damit. So wie es jetzt aussieht, kommt Alita frühestens Ende Februar wieder ins Wasser. Ich kann´s kaum erwarten!

Was ist sonst noch so passiert. Ich habe die Ankerwinch und die Wassermacherpumpe ausgebaut. Beide Elektromotoren müssen morgen zur Inspektion. Rod muss morgen nach Whangerei und nimmt die Teile mit.

Wie sich herausgestellt hat, ist das Getriebe der Ankerwinch ist sehr schwergängig und die Hochdruckpumpe des Wassermachers leckt ein wenig Öl aus einer Wellendichtung. Wieder zwei neue Punkte auf der Liste... ob sie wohl jemals kürzer wird?

Aber bevor ich mich daran mache, muss ich die nächsten Tage viel schleifen. Anfang nächster Woche kommt der Alu-Schweißer und überall wo er ran soll, muss die Farbe ab. Beim Auspuffauslass ist die Schiffshülle stark angegriffen. Dort muss der Schweißer die korrodierten Stellen wieder aufbauen. Außerdem will ich die Edelstahlschrauben, die den Solarzellenständer halten entfernen und das Ding anschweißen. Und zuletzt wird ein Fehlkonstruktion von Alubat am Heck umgestaltet. Mehr dazu in Bälde!

Sonntag, 19. Januar 2014

Neuigkeiten von der Großbaustelle

Während mein Bier weiter im Eimer reift, sind wir ein gutes Stück weiter gekommen. Alita ist nun in Plastik verpackt und ein großer Teil des Unterwasserschiffs ist seit Freitag bereits sandgestrahlt und mit Primer lackiert. Der Rest folgt wohl am Mittwoch, weil uns morgen "June" besucht.


June ist ein tropischer Sturm, der jede Menge Regen und auch stärkeren Wind nach Opua bringt. Bei hoher Luftfeuchtigkeit kann man den Primer nicht aufbringen und das muss spätestens 4 Stunden nach dem Sandstrahlen geschehen - also müssen wir warten, bis es wieder trocken ist.

Weil soviel Regen kommt und es auch sein kann, dass ich wegen Wind unsere Sonnen/Regen Plane abnehmen muss, standen die letzten Tage für mich unter dem Motto Leck dichten.

Überall wo wir altes Equipment von Deck genommen haben, haben die Schrauben kleine Löcher hinterlassen. Ihr glaubt gar nicht wie viele Liter Wasser in kurzer Zeit durch so ein kleines Loch ins Schiff laufen und dort Einrichtung beschädigen kann. Und von diesen Löchern gab es leider ein paar Dutzend.

Ich hab mir aus einer Alustange mit Hilfe eines Gewindeschneiders ein Alu-Gewindestange gemacht. So etwas gibt es hier nicht fertig zu kaufen. Dann hab ich in alle Löcher an Deck die dazu passenden Gewinde geschnitten, die selbstgebastelte Gewindestange mit Epoxykleber hinein gedreht und dann oben abgeschnitten. Jetzt muss ich das Ganze nur noch schleifen, grundieren, spachteln und mehrmals lackieren - und in ein paar Wochen sieht man nicht mehr, dass dort jemals ein Loch war!

Und weil ich schon beim Dichten war, habe ich mich heute früh auf die Spur einen kleinen Undichtigkeit begeben, die wir schon länger an Deck haben. Der Schuldige war bald gefunden. Aus den Schraubenlöchern des großen Salonfensters kam etwas Wasser.

Zunächst wollte ich nur die paar schuldigen Schrauben abdichten, musste dann aber feststellen, dass das Fenster nicht gut eingebaut war. Das Bett aus Dichtmittel war nicht nur viel zu dünn, sondern auch an vielen Stellen vom Untergrund gelöst. So wurde aus einem Stundenjob ein Tagesjob.



Fenster ausbauen, Sikaflex oben und unten entfernen, alle Kontaktstellen und Schrauben reinigen, schleifen, abkleben und dann: die große Sauerei! Das Fenster mit viel Dichtmittel in ein schönes Bett legen und den Rest der schwarzen Pampe abkratzen und saubermachen.

Mittwoch, 15. Januar 2014

Alita Bräu

Wieder ein Tag rum und nicht viel geschafft. Wie angekündigt, hab ich heute Vormittag den neuen Triducer eingebaut. Der ganze Nachmittag ist dann dafür drauf gegangen, dass ich für Rod in der erweiterten Gegend ein paar dicke Stücke Aluminium finden musste. Hier ist echt Pampas und sogar im größeren Kerikeri, welches 50km von Opua entfernt ist, war ich nicht sofort fündig. Insgesamt war ich über 4 Stunden unterwegs, wurde in Waipapa für meine Mühen belohnt und war erst am Abend zurück.

Immerhin gab es auch eine gute Nachricht. Der Typ mit dem Sandstrahler ist aufgetaucht und wird sich wohl Ende dieser oder Anfang nächster Woche an Alitas Unterwasserschiff machen. Hurra.

Heute Abend habe ich dann ein wenig Zeit zum Spielen gefunden. Schon seit ein paar Wochen habe ich meinen eigenen Bierbraukit an Bord und bin noch nicht dazu gekommen ihn auszuprobieren. Ja, ihr habt richtig gehört! Ab sofort gibt es auf Alita ein schiffseigenes Bier.

Das ist gar nicht so kompliziert, wie es sich anhört. Man braucht nur einen großen Eimer, eine fertige Malzmischung, Dextrose, Hefe und Wasser. Natürlich hab ich das Münchner Hell ausprobiert!

 

 
Und so sieht es dann aus, wenn alles gemischt ist - nicht besonders lecker. Ist aber auch noch nicht fertig.
 

Das ganze muss jetzt eine Woche im Eimer fermentieren.



Dann wird es mit einem anderen Mittelchen weniger trüb gemacht und kommt mit etwas mehr Zucker in Flaschen, wo es dann weitere 7 Tage reifen muss. Also wenn alles gut läuft, dann habe ich in zwei Wochen 23 Liter Alita Hell. Prost!

Und in Zukunft muss ich dann hoffentlich auf den abgelegenen Inseln nicht mehr 9 Euro für den Liter Bier zahlen...
 

Dienstag, 14. Januar 2014

Passt der Schuh?

Gestern habe ich den ganzen Tag Ruderschäfte und Ruderlager geschliffen. Als die Schäfte wieder glänzten, war ich von Kopf bis Fuß mit Schleifstaub eingesaut. Nun sind die Ruder wieder eingebaut und an die Steuerung angeschlossen und sie flutschen! Das Steuerrad lässt sich spielend leicht drehen. Ein weiterer Punkt von der Liste abgehakt!

Heute war ein großer Tag. Wir haben die neue Sprayhood aufs Boot gehoben um zu sehen, ob sie passt. Und was soll ich sagen: Passt echt super!



 
Und sieht richtig schick aus! Ich bin total glücklich... und Rod erst! Mit der neuen Sprayhood und dem Dach, das noch dazu kommt, wird uns bei unseren Besuchen in Alaska und bei der zweiten Runde in Patagonien nicht mehr nass und kalt.
 
Der Rest des Tages ging dann wieder mit Planungen und jeder Menge Kleinkram drauf. Die bestellte Farbe wurde zum Teil falsch geliefert und außerdem fehlen ein paar Dosen. Der Sandstrahler, der seit Montag wieder aus dem Urlaub zurück sein sollte, bleibt weiterhin verschollen.
 
Dafür kam Kevin, der Polsterer, und hat ein die ersten beiden der verbesserten Sitzkissen für den Salon mitgebracht. Wir wechseln wir die obere Hälft der Schaumstofffüllung gegen eine weichere Mischung aus. Außerdem werden die Rückenlehnen verschmälert, die unnützerweise einen großen Teil der Sitzfläche blockierten. Nun sitzt es sich viel, viel angenehmer! Kleiner Aufwand, aber ein großer Komfortschritt!
 
Außerdem habe meinen neuen Triducer getestet. Das Teil wird die alte Logge ersetzen und liefert in dem selben Loch, in dem vorher nur die Bootsgeschwindigkeit gemessen wurde, zusätzlich noch Tiefe und Wassertemperatur. Das ist nötig, weil unser bisher einziges Sonar - ein Forward Looking Sonar - zwar den Grund bis zu 60 Meter vor dem Schiff anzeigt, aber nur bis zirka 15 Meter Tiefe messen kann. Es ist aber durchaus entscheidend, ob man den Anker in 20, 25 oder 30 Meter Tiefe wirft. Je tiefer das Wasser, desto mehr Kette braucht man, wenn der Anker auch im Grund halten soll. Ohne Sonar, das diese Tiefen anzeigt, ist es ein bisschen Blindflug und Gefühlssache.
Da ich kein neues Loch in den Rumpf von Alita bohren und auch das vorausschauende Sonar nicht rauswerfen wollte, denn schließlich ist es sehr hilfreich, wenn man z.B. nachts in eine unbekannte Bucht einfährt - habe ich mich für diese Lösung entschieden. Der Test lief zufriedenstellend - also wird das Ding morgen eingebaut und...
 
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Sonntag, 12. Januar 2014

Im Trockendock - Tag 1 bis 3


Auf dem Bild sieht man eigentlich fast alles, was ich die letzten Tage so gemacht habe, seit Alita aus dem Wasser ist.
 
Die Ruder sind ausgebaut und liegen unten, weil ich die Lager überprüfen wollte. Sie gingen etwas schwer in den letzten Monaten, sind aber zum Glück von altem Fett in den Lagern nur leicht verklebt. Kann mit etwas Reiniger und ohne hohen Kostenaufwand behoben werden. Das ist der Plan für morgen.
Die Schraube mit Welle ist ebenfalls raus, weil Stopfbuchse und Wellenlager gewechselt werden. Außerdem wollte ich die ganze Welle mal überprüfen – wie weit sie an den Lagern schon eingelaufen ist und ob es irgendwo Korrosion gibt. Ist aber alles im grünen Bereich. Nur Ersatz für das Wellenlager ist schwer aufzutreiben.

Im Hintergrund sieht man den demontierten Auslass für das Motorkühlwasser. Da hat der Dichtring, der wohl zum Teil aus Carbon besteht, zusammen mit den Schrauben aus Edelstahl das Aluminium sehr stark angegriffen. Das wird bald geschweißt und das mach ich nicht selber. Alu schweißen ist echt knifflig!
Bevor das aber passieren kann, muss erst der Mann mit dem Sandsstrahler da gewesen und die Stelle blank sein. Sandstrahler ist besser als Schleifen, weil der Sand besser in die tiefen Korrosionsritzen kommt, ohne das  gute Material außen herum auch wegzunehmen – und der Mann kommt sowieso, da wir das gesamte Unterschiff blank machen und neue Grundierung auftragen werden. Denn dort kommt an sehr vielen Stellen das blanke Alu durch und das ist gar nicht gut.

Das Reparieren des Unterwasserschiffs wird einer der teuersten Instandhaltungsarbeiten. Allein die Farbe für den Unterwasserbereich, also Primer, Epoxy High Build und Antifouling kosten mich ca. €4000,-. Da ist die Arbeit fürs Strahlen und Lackieren noch nicht dabei. Zum Glück wird es dann 10 Jahre halten – also nur der Untergrund! Natürlich nicht das Antifouling. Das ist nächstes Jahr wieder fällig!
Außerdem liegt dort – am Heck vor den Rudern – der vermaledeite Bugstrahler. Der hat mich die letzten zwei Tage fast in den Wahnsinn getrieben, weil ich keine Möglichkeit fand an das kaputte Propellergetriebe ranzukommen, für das ich endlich – nach 15 Monaten – Ersatz habe. Wie sich nach mehreren Stunden nach diversen verzweifelten Anläufen und einigen Anrufen beim Service – der wie üblich völlig planlos war – herausstellte, muss man das Ding komplett aus dem Schiff ausbauen, um an das Teil heranzukommen.

Zwanzig Schrauben mit Kontermuttern, die natürlich größtenteils schwer zugänglich sind… gestern spät abends war das Ding endlich draußen! Heute habe ich den ganzen Tag damit verbracht, das Ding in Einzelteile zu zerlegen, gründlich zu reinigen, schmieren, dichten und mit nagelneuem Ersatzteil wieder zusammen zu schrauben. Ein weiterer Tag rum…

Samstag, 11. Januar 2014

Alita versinkt in Arbeit

Nach ein paar entspannten Tagen in Whangarei sind wir Anfang Dezember zurück nach Opua  gesegelt. Dort habe ich eine  Ecke in  einer Halle  gemietet, wo ein neues Dach für Alita entstehen soll.

Wir... nein besser gesagt hauptsächlich mein Freund Rod baut nämlich eine neue, feste Sprayhood und ein Sonnendach für Alita. Ich kann ihm dabei nicht wirklich helfen, weil es ein Ein-Mann Job ist und ich nicht seine Erfahrung habe. Rod hat nämlich seine schicke 15m Yacht „State of Mind“ komplett selber gebaut und es war nicht seine Erste. Wenn er loslegt, kann ich nur blöd daneben stehen – und nach spätestens 30 Minuten trolle ich mich und arbeite lieber an anderen Projekten, die auf Alita noch so anstehen – aber dazu später.

Inzwischen ist es sogar soweit, dass meine Besuche in der Halle gänzlich unerwünscht sind. Denn immer wenn ich gerade mal Zeit hatte, und sehen wollte ob ich Rod helfen könnte, endete es mit  Verbesserungsvorschlägen zur Konstruktion und zum Design, die meinen lieben Freund Rod in den Wahnsinn treiben – oder  vielleicht sind es auch die Härterdämpfe, die er täglich einatmet.
Seine harte Arbeit hat sich auf  jeden Fall ausgezahlt. So langsam sieht man, wie es werden wird und ich muss sagen: „Wir“ haben einen guten Job gemacht.

Damit nicht zu viel Gewicht aufs Oberdeck von Alita kommt, was sich schlecht auf die Fahreigenschaften auswirken würde, haben wir bei der Konstruktion extrem aufs Gewicht geachtet. Trotzdem muss es natürlich stabil sein und Wind und Welle auch unter extremen Bedingungen aushalten. Unsere Schaum-Karbon-Konstruktion wird letztlich nur 45kg schwerer sein, als unser alter Wetterschutz aus Stahl und Stoff. Dafür wird er uns hoffentlich in jeder Wetterlage komplett vor Wasser, Kälte und Hitze schützen und unser Leben an Bord wesentlich komfortabler machen.
 
Hier sieht man den ersten Schritt der Arbeit, den wir Anfang Dezember noch gemeinsam gemacht haben. Direkt auf dem Deck von Alita haben wir eine Stützkonstruktion angebracht, die groben Umrisse der Sprayhood aus Schaumplatten schon mal aufgebaut und dünn darüber geglast, damit das Ding, das wir in der Halle bauen, auch am Schluss  dahin passt, wo es hin soll.


Nur einen Monat später ist die Sprayhood soweit fertig. Man kann schon darauf stehen und rumspringen! Nun kommt die mühsame Arbeit das Ding mehrfach komplett einzuspachteln und wieder abzuschleifen, damit die Oberfläche schön  glatt ist. Da wo jetzt die Bretter sind, kommen später die Fenster reinu nd natürlich wird es noch alles weiß lackiert – nein, nicht die Fenster!
 


Und während Rod so tolle Sachen baut, mühen sich Michaela und ich mit den profanen Tätigkeiten der Segelei ab. Michaela näht mal wieder den UV-Schutz unseres Beibootes nach und bastelt nebenbei neue und geniale „Beanbags“ für das gemütlichere Sitzen im Cockpit. Außerdem war sie mehrfach im Mast um die Fernsehantenne, die wir nie benutzt haben, abzubauen und dafür eine neue AIS Antenne zu verlegen. Alita wird in Zukunft also auch AIS senden und nicht nur empfangen.

Ich durfte inzwischen alle Öle und Verschleißteile meiner drei Motoren (Diesel, Außenborder, Generator) wechseln. Die Lichtmaschinen mussten diesmal komplett gewartet werden und auch der Turbo wollte erneut Aufmerksamkeit.
Dann habe ich die Lenzschläuche unserer zusätzlichen Powerbilgenpumpen fest installiert – bisher waren diese nur lose und hätten im Notfall erst mit Kabelbindern nach Außenbords gelegt werden müssen. Das schien mir nicht so ideal, wo man doch im Falle eines Wassereinbruchs sowieso schon alle Hände voll zu tun hat. Und weil ich bereits beide Hände tief in der Bilge hatte, habe ich diese gleich komplett gereinigt - dabei festgestellt, das eine der anderen Pumpen nicht mehr richtig funktioniert, diese gewartet – dabei ein Kabel entdeckt, dass scheinbar von meinem Vorbesitzer stillgelegt und nicht entfernt wurde. Ich hasse Kabel, die nur so rumliegen! Die Dinger können auf einem Aluschiff nur Probleme bereiten. Also erst mal rausfinden wofür das Kabel war und wo es langläuft und bevor man sich versieht ist man zwei Tage dabei Kabel zu entfernen, zwischendurch Angebote einholen, verhandeln, Rod ärgern und so geht es immer weiter und plötzlich ist der Monat rum!
Inzwischen ist Alita auf dem Trockenen und die Zahl der Baustellen hat sich weiter vervielfacht. Innen und Außen ist das Chaos groß, denn viele Ersatzteile lassen auf sich warten und außerdem müssen wir alles für den Mann vorbereiten,  der mit seinem Sandstrahler das Chaos perfekt machen soll - aber dazu mehr im nächsten Blogeintrag.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Der Alita Kalender ist da!

Für alle, die bisher nicht bei uns mitfahren konnten - aber gerne wollten. Für alle, die schon mitgefahren sind und nächstes Jahr zwölf wunderschöne Erinnerungen daran brauchen, dass Sie uns wieder besuchen. Für alle, die unsere Reise von zuhause aus mitträumen wollen und für alle, die uns aus der Ferne unterstützen wollen:

Endlich gibt es die Alita Fotokalender 2014 mit den besten Fotos unseres Tripps. Auf der Fotogalerie könnt ihr Euch die Kalender genauer ansehen und bestellen.

Samstag, 7. Dezember 2013

Jedes Ziel ist ein neuer Anfang

Vor einer Woche sind wir pünktlich in Whangarei angekommen – am Ziel der Reise, die wir vor zwei Jahren begonnen haben. Auch die letzte große Etappe, die berüchtigte Passage nach Neuseeland, war eine entspannte Kaffeefahrt. Wir haben das richtige Wetterfenster im Minerva Riff abgewartet und sind in knapp unter 5 Tagen nach Opua gedümpelt. Dabei hatten wir fast die ganze Strecke leichten Wind von querab und so gut wie keine Welle. Da sind wir in der Adria schon ungemütlicher gesegelt.

Wieder einmal hat sich bestätigt, dass die meist gefürchtetsten Passagen, auch die bestgeplanten sind – und gerade weil man so genau auf Alles achtet, verlaufen sie meist überraschend ruhig. Gefährlich wird es eher dann, wenn man sich sicher wähnt und nicht so gut aufpasst.

Man muss aber auch sagen, dass andere Segler mit ihrer Passage nicht so viel Glück hatten. Viele haben sich von der allgemeinen Nervosität der Cruisergemeinde beeindrucken lassen, die gegen Ende Oktober schon überall drohende Wirbelstürme sahen. Sie sind zu früh gesegelt und auf dem Weg in ungemütliches Wetter geraten.

Andere hatten nach einer langen Saison in der Südsee mit Ermüdungserscheinungen am Material zu kämpfen. Zwei Katamarane hatten gebrochene Ruder, ein Katamaran und ein kleiner Einrümpfer haben den Mast verloren und zwei Boote mussten große Teile der Strecke per Hand segeln, weil ihr Autopilot ausgefallen war. Zum Glück sind alle mit dem Schrecken und Materialschaden davon gekommen – es gab keine echten Notfälle.

Alita fährt nun seit zwei Jahren ohne Probleme. Bis auf das Bugstrahlruder, das dank nicht zu beschaffender Ersatzteile seit Argentinien nicht mehr funktioniert und einem Riss in unserer neuen Genua, weil vor Samoa ein paar Schrauben in der Schiene der Rollanlage locker waren, haben wir keine echten Schäden zu beklagen. Trotzdem ist unsere Liste an geplanten Wartungs- und Verbesserungsarbeiten ellenlang. Die nächsten zwei Monate werden wir in Opua viel zu tun haben, damit Alita im nächsten Jahr nicht nur wie nagelneu, sondern noch sicherer und komfortabler ist.

Wenn ich erst mal einen Überblick über die Termine der geplanten Arbeiten habe, dann mache ich einen groben Tourplan 2014 – ja, Alita wird weiterfahren! So wie es jetzt aussieht geht es Mitte Februar in der "Bay of Islands" los, dann Richtung Süden. Wahrscheinlich schaffen wir es dieses Jahr nicht mehr bis nach Fjordland, ganz im Süden von Neuseeland. Sobald hier die Kälte so richtig Einzug hält, wollen wir höchstwahrscheinlich ins warme Tonga aufbrechen und dort in aller Ruhe die Wale ansehen, die wir dieses Jahr dort verpasst haben. Nach einer kleinen Südseerunde (Tonga, Samoa, Wallis, Fidji) fahren wir dann in den Süden von Neuseeland. Vielleicht…wie gesagt, der genaue und verbindliche Plan kommt in Bälde!

Für alle die dieses Jahr nicht mitfahren konnten und gerne wollten, für alle die bei unserer Tramreise von zuhause aus mitträumen wollen und für alle, die uns aus der Ferne unterstützen wollen, gibt es auf der Website in den nächsten Tagen ein paar Fotokalender und Fotobücher mit den Besten Fotos von Michaela, die ihr gegen Gebühr bestellen könnt.

Ich halte Euch über die Arbeiten an Alita am Laufenden und sage natürlich sofort Bescheid, wenn der Plan für 2014 online ist. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Dienstag, 12. November 2013

Minerva

Schön ist es in Tonga. Die Insellandschaft von Vava'u war beindruckend und vielfältig; Ha'apai wegen seiner entspannten Menschen und seiner kristallklaren Unterwasserwelt bezaubernd; sogar Tongatapu und Nuku Alofa, die Hauptstadt von Tonga, hatte durchaus schöne Seiten, obwohl wir von vielen Seiten gewarnt wurden, dass es dort so schrecklich hässlich sei. Einen kleinen Abstecher nach Eua haben wir auch noch geschafft. Das ist eine wenig besuchte Insel südöstlich von Tongatapu, wo das Wasser noch klarer und die Landschaft noch unberührter ist.

Obwohl wir also einen ganzen Monat wirklich fleißig quer durch Tonga gekreuzt sind, haben wir trotzdem das Gefühl, vieles verpasst zu haben - so haben wir zum Beispiel nach Niautoputapu keinen einzigen Wal mehr gesehen und wären doch so gern mal mit einem der sanften Riesen geschwommen. Wie schon bei anderen außergewöhnlich schönen Orte auf unserer Tour, würden wir hierher gern nochmal zurück kommen und etwas mehr Zeit verbringen. Vielleicht ergibt sich ja die Chance nächstes Jahr.

Für 2013 geht die Saison in der Südsee rapide zu Ende und die Chance auf einen tropischen Sturm steigt täglich. Vor drei Tagen haben wir uns auf die erste Etappe des Weges nach Neuseeland gemacht und sind nach zwei perfekten Segeltagen, mit ruhiger See, angenehmer Brise und farbenprächtigen Sonnenuntergängen gestern in Nord Minerva angekommen.

Minerva, das sind zwei junge Atolle an der Datumsgrenze, südlich von Fidschi. Sie sind nur ein paar zigtausend Jahre alt, was Geologen eben so als blutjung bezeichnen. Für uns Laien ist das leicht zu erkennen, weil sie noch keine Zeit hatten die typischen Sandinsel zu bilden. Es fühlt sich so an, als würden wir mitten im Ozean ankern. Um uns herum ist nur Wasser, trotzdem schützt uns das Riff effektiv vor Wellen und Alita liegt ganz ruhig in der kühlen Brise aus Südost. Echt surreal.

Hier werden wir ein paar Tage verbringen, bis wir ein gutes "Wetterfenster" haben, um den letzten Hüpfer von etwa fünf Tagen nach Neuseeland zu machen. Die Überfahrt will gut geplant sein, denn mit ein bisschen Pech kann sie zu einer unangenehmen Erfahrung werden. Gefürchtet sind die brutalen neuseeländischen Wetterfronten, mit schwerer See und eiskaltem Wind aus Südwest. Früher haben die Segler auf dem Weg nach Neuseeland wegen dieser Fronten weit nach Westen vorgehalten, weil fast alle von so einer Front erwischt wurden und dann nach Osten zurücktreiben konnten.

Zum Glück sind die Wettervorhersagen heute weit besser und dank moderner Technik haben wir selbst an einem so abgelegenen Ort wie Minerva die Möglichkeit auf alle aktuellen Wetterdaten zuzugreifen. Wir sind also zuversichtlich, dass uns allzu schlechtes Wetter erspart bleibt. Nach fast neun Monaten in den Tropen sind wir durchaus etwas verweichlicht und eiskalter Wind klingt nach echter Folter. Es wird etwas dauern, bis wir uns wieder an lange Hosen und Pullover gewöhnt haben, da wollen wir nicht gleich mit dem Programm für Fortgeschrittene anfangen.

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Mittwoch, 9. Oktober 2013

Abschied von den Tropen

Nun ist es bald vorbei mit Gedümpel in der ewigen Badewanne. Vor einer
guten Woche sind wir in Tonga angekommen – genauer gesagt auf der
kleinen Insel Niuatoputapu. Ja, ich hab auch eine ganze Weile gebraucht,
bis ich mir das merken konnte und noch länger, bis ich es aussprechen
konnte! Inzwischen sind wir bereits eine Inselgruppe weiter südlich -
auf Vava'u. Hier treiben sich derzeit so ziemlich alle Segelboote herum,
die in den nächsten Wochen nach Neuseelandfahren wollen - also raus aus
den Tropen und weg von den gefährlichen Wirbelstürmen, die ab November
hier ihr Unwesen treiben können.

Bevor ich aber von Tonga erzähle, wollte ich noch unseren tollen
Aufenthalt in Samoa erwähnen. Das Land hat uns wirklich ganz
ausgezeichnet gefallen. Irgendwie sind die Leute dort sogar noch netter,
als sie es schon in der ganzen Südsee waren – keine Ahnung, wie sie das
schaffen. Das Leben auf Samoa ist im Gegensatz zu Französisch Polynesien
und den Cook Inseln einigermaßen erschwinglich und auf den zwei großen
Inseln gibt es viel zu sehen. Z.B. riesige Wasserfälle die man bestaunen
kann und kleine Wasserfälle die man runterspringen und -rutschen kann.
Die Abkühlung in dem kühlen Süßwasser ist auch dringend nötig, denn
Samoa war so ziemlich der heißeste Ort, an dem wir bisher waren.

Interessant an den Samoanern ist auch ihre ganz eigene Kultur und
Lebensweise. Außerhalb von Apia, der einzigen Stadt auf Samoa, leben die
meisten Menschen in „Fales" - das sind große, ovale Dächer, die auf
Pfählen in einem Stein- bzw. Beton-Fundament stehen. Wände gibt es keine
– also auch keine Privatsphäre! Je nach Tageszeit wird die Einrichtung
im Fale hin- und her geschoben. Nachts liegen überall Matratzen auf dem
Boden und es hängen Moskitonetze darüber. Tagsüber lehnen die Matratzen
aneinander auf einer Seite und es steht ein niedriger Tisch in der Mitte
des Fale - gegessen wir auf dem Boden sitzend. Bei Wind und Regen werden
Stoffe und Planen auf der Wetterseite gespannt.

Die Fales stehen meistens in Gruppen zusammen, die wir als Dörfer
bezeichnen würden. Auf Samoa sind das aber Großfamilien. Wir haben einen
Mann getroffen, dessen „Familie" angeblich 1800 Seelen zählt. Jede
Familie hat auf der Insel ihr eigenes Gebiet, in dem sie lebt und das
sie verwaltet. Regiert werden die Familienmitglieder von den Chiefs der
Familie, also den Häuptlingen, bzw. Dorfältesten. Der Ältestenrat regelt
alle Belange der Familie. Wenn es Streit gibt, dann schlichten die
Chiefs. Wenn die Familie eine neue Straße will, dann müssen alle
Familienmitglieder dafür bezahlen – da macht der Staat Samoa gar nichts.
Das führt dazu, dass wir öfter mal Wegzoll zahlen mussten, wenn wir über
so eine Familienstraße zu einer besonders schönen Küste fahren wollten.

Am Erstaunlichsten sind aber die Kirchen. In jedem Dorf steht hier nicht
eine Kirche, sondern aber zwei oder drei - denn schließlich gibt es jede
Menge christliche Glaubensrichtungen und alle Missionare sind auf Samoa
erstaunlich erfolgreich. Manchmal hat man den Eindruck es gibt mehr
Kirchen als normale Häuser auf Samoa - und ich rede nicht von schäbigen
Dorfkapellen. Das sind immer große, schicke und einwandfrei gepflegte
Gebäude. In Stadtnähe erreichen die Gotteshäuser unglaubliche
Dimensionen, die schon fast an einen europäischen Dom heranreichen. Es
gibt aber auch modernste Kirchen, von Stararchitekten designed, die eher
an ein Raumschiff erinnern.

Das Ganze ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass die Menschen auf
Samoa so arm sind, dass sie ohne regelmäßige Unterstützung der
Familienmitglieder im Ausland (hauptsächlich Neusseland, aber auch
Australien und USA) nicht überleben könnten. Wo das ganze Geld für die
Kirchenpräsenz, Vielfalt und Größe herkommt, ist mir ein komplettes
Rätsel. Ich muss vermuten, dass die Familien mehr als die Hälfte des
Haushaltsbudgets den Kirchen in den Rachen werfen. Naja, zumindest sind
sie dann nach ihrem Tode prima versorgt…

Auch in Tonga gibt es viele Kirchen, aber sie sind nicht annähernd so
protzig. Auch die Tonganer gehen mehrmals die Woche in die Kirche.
Sonntags sogar zweimal. Die Kirche nimmt den Menschen also nicht nur das
Geld, sondern auch die Arbeitszeit. Das geht soweit, dass der Mittwoch
in Tonga inzwischen ein inoffizieller Feiertag ist. Die Menschen wollen
einfach mal etwas Zeit mit ihren Ehepartnern und Kindern verbringen und
da sie am Wochenende fast ausschließlich mit kirchlichen Tätigkeiten
beschäftigt sind, gehen sie nun Mittwoch nicht mehr zur Arbeit.
Natürlich hat die Kirche das spitz gekriegt und erwartet inzwischen,
dass ihre Schäfchen auch Mittwoch vormittags zum Pflichtgottesdienst
erscheinen… keine Ahnung, wo das endet.

Zumindest bewirkt der strenge Glaube und die starken Familienstrukturen,
trotz der Armut und der vielfältigen Probleme des Landes einen
unumstößlichen sozialen Frieden und das führt letztlich zu genau der
Freundlichkeit der Menschen, die das Land so einzigartig macht und die
wir sehr genießen.

Zu Tonga kann ich noch nicht wirklich viel sagen. Niuatoputapu war nicht
wirklich etwas Besonderes, aber es liegt ziemlich genau in der Mitte
zwischen Samoa und Vava'u, macht also aus einer langen Überfahrt zwei
überschaubare Tagestrips und bietet in seiner kleinen Lagune einen
sicheren Ankerplatz, wo man sich prima ausruhen kann. Leider ist das
Wasser in der Lagune sehr trübe und die Insel selbst bietet auch wenige
Sehenswürdigkeiten. Aber ganz langweilig war uns dort nicht, denn
immerhin ist es uns zum ersten Mal gelungen mit dem Beiboot relativ nahe
an einen heranzukommen. Die Walkuh hatte ihr Junges dabei und der
„Kleine", dar auch schon gute fünf Meter lang war, wollte vor uns ein
wenig angeben. In etwa fünfzig Meter Entfernung von uns ist er einige
Male aus dem Wasser gesprungen. Micha war wie immer geistesgegenwärtig
und hat ein paar schöne Fotos hinbekommen.

Anders als Niuatoputapu, ist die die Westseite der Vava'u Gruppe eine
echte Überraschung und geologisch was ganz Neues für uns. Hier hat es
endlich mal nicht das typische Korallenriff und türkisblaues Wasser um
eine Vulkaninsel herum. Stattdessen sind die Inseln der Vava'u Gruppe
zahlreich und verwinkelt, die Küsten meist steile, schwarze Vulkanwände
und das Wasser davor ist tief und klar. Natürlich gibt es viele
versteckte Buchten, mit kleinen Sandstränden und seichtem Wasser zum
Baden. Die Ankermöglichkeiten sind hier so zahlreich, dass man fast in
Stress geraten könnte. Schließlich wollen wir möglichst alle mal sehen!

Zum Stress trägt außerdem die versammelte Cruiser-Gemeinschaft bei. Hier
trifft man gebündelt all die netten Segler wieder, die man im östlichen
Pazifik kennengelernt hat und man weiß gar nicht, wie alle in den vollen
Terminkalender passen sollen. Ein echtes Drama! Naja, wir werden uns
einfach nicht stressen lassen und genießen unsere letzten Wochen in den
Tropen.