Sonntag, 12. Januar 2014

Im Trockendock - Tag 1 bis 3


Auf dem Bild sieht man eigentlich fast alles, was ich die letzten Tage so gemacht habe, seit Alita aus dem Wasser ist.
 
Die Ruder sind ausgebaut und liegen unten, weil ich die Lager überprüfen wollte. Sie gingen etwas schwer in den letzten Monaten, sind aber zum Glück von altem Fett in den Lagern nur leicht verklebt. Kann mit etwas Reiniger und ohne hohen Kostenaufwand behoben werden. Das ist der Plan für morgen.
Die Schraube mit Welle ist ebenfalls raus, weil Stopfbuchse und Wellenlager gewechselt werden. Außerdem wollte ich die ganze Welle mal überprüfen – wie weit sie an den Lagern schon eingelaufen ist und ob es irgendwo Korrosion gibt. Ist aber alles im grünen Bereich. Nur Ersatz für das Wellenlager ist schwer aufzutreiben.

Im Hintergrund sieht man den demontierten Auslass für das Motorkühlwasser. Da hat der Dichtring, der wohl zum Teil aus Carbon besteht, zusammen mit den Schrauben aus Edelstahl das Aluminium sehr stark angegriffen. Das wird bald geschweißt und das mach ich nicht selber. Alu schweißen ist echt knifflig!
Bevor das aber passieren kann, muss erst der Mann mit dem Sandsstrahler da gewesen und die Stelle blank sein. Sandstrahler ist besser als Schleifen, weil der Sand besser in die tiefen Korrosionsritzen kommt, ohne das  gute Material außen herum auch wegzunehmen – und der Mann kommt sowieso, da wir das gesamte Unterschiff blank machen und neue Grundierung auftragen werden. Denn dort kommt an sehr vielen Stellen das blanke Alu durch und das ist gar nicht gut.

Das Reparieren des Unterwasserschiffs wird einer der teuersten Instandhaltungsarbeiten. Allein die Farbe für den Unterwasserbereich, also Primer, Epoxy High Build und Antifouling kosten mich ca. €4000,-. Da ist die Arbeit fürs Strahlen und Lackieren noch nicht dabei. Zum Glück wird es dann 10 Jahre halten – also nur der Untergrund! Natürlich nicht das Antifouling. Das ist nächstes Jahr wieder fällig!
Außerdem liegt dort – am Heck vor den Rudern – der vermaledeite Bugstrahler. Der hat mich die letzten zwei Tage fast in den Wahnsinn getrieben, weil ich keine Möglichkeit fand an das kaputte Propellergetriebe ranzukommen, für das ich endlich – nach 15 Monaten – Ersatz habe. Wie sich nach mehreren Stunden nach diversen verzweifelten Anläufen und einigen Anrufen beim Service – der wie üblich völlig planlos war – herausstellte, muss man das Ding komplett aus dem Schiff ausbauen, um an das Teil heranzukommen.

Zwanzig Schrauben mit Kontermuttern, die natürlich größtenteils schwer zugänglich sind… gestern spät abends war das Ding endlich draußen! Heute habe ich den ganzen Tag damit verbracht, das Ding in Einzelteile zu zerlegen, gründlich zu reinigen, schmieren, dichten und mit nagelneuem Ersatzteil wieder zusammen zu schrauben. Ein weiterer Tag rum…

Samstag, 11. Januar 2014

Alita versinkt in Arbeit

Nach ein paar entspannten Tagen in Whangarei sind wir Anfang Dezember zurück nach Opua  gesegelt. Dort habe ich eine  Ecke in  einer Halle  gemietet, wo ein neues Dach für Alita entstehen soll.

Wir... nein besser gesagt hauptsächlich mein Freund Rod baut nämlich eine neue, feste Sprayhood und ein Sonnendach für Alita. Ich kann ihm dabei nicht wirklich helfen, weil es ein Ein-Mann Job ist und ich nicht seine Erfahrung habe. Rod hat nämlich seine schicke 15m Yacht „State of Mind“ komplett selber gebaut und es war nicht seine Erste. Wenn er loslegt, kann ich nur blöd daneben stehen – und nach spätestens 30 Minuten trolle ich mich und arbeite lieber an anderen Projekten, die auf Alita noch so anstehen – aber dazu später.

Inzwischen ist es sogar soweit, dass meine Besuche in der Halle gänzlich unerwünscht sind. Denn immer wenn ich gerade mal Zeit hatte, und sehen wollte ob ich Rod helfen könnte, endete es mit  Verbesserungsvorschlägen zur Konstruktion und zum Design, die meinen lieben Freund Rod in den Wahnsinn treiben – oder  vielleicht sind es auch die Härterdämpfe, die er täglich einatmet.
Seine harte Arbeit hat sich auf  jeden Fall ausgezahlt. So langsam sieht man, wie es werden wird und ich muss sagen: „Wir“ haben einen guten Job gemacht.

Damit nicht zu viel Gewicht aufs Oberdeck von Alita kommt, was sich schlecht auf die Fahreigenschaften auswirken würde, haben wir bei der Konstruktion extrem aufs Gewicht geachtet. Trotzdem muss es natürlich stabil sein und Wind und Welle auch unter extremen Bedingungen aushalten. Unsere Schaum-Karbon-Konstruktion wird letztlich nur 45kg schwerer sein, als unser alter Wetterschutz aus Stahl und Stoff. Dafür wird er uns hoffentlich in jeder Wetterlage komplett vor Wasser, Kälte und Hitze schützen und unser Leben an Bord wesentlich komfortabler machen.
 
Hier sieht man den ersten Schritt der Arbeit, den wir Anfang Dezember noch gemeinsam gemacht haben. Direkt auf dem Deck von Alita haben wir eine Stützkonstruktion angebracht, die groben Umrisse der Sprayhood aus Schaumplatten schon mal aufgebaut und dünn darüber geglast, damit das Ding, das wir in der Halle bauen, auch am Schluss  dahin passt, wo es hin soll.


Nur einen Monat später ist die Sprayhood soweit fertig. Man kann schon darauf stehen und rumspringen! Nun kommt die mühsame Arbeit das Ding mehrfach komplett einzuspachteln und wieder abzuschleifen, damit die Oberfläche schön  glatt ist. Da wo jetzt die Bretter sind, kommen später die Fenster reinu nd natürlich wird es noch alles weiß lackiert – nein, nicht die Fenster!
 


Und während Rod so tolle Sachen baut, mühen sich Michaela und ich mit den profanen Tätigkeiten der Segelei ab. Michaela näht mal wieder den UV-Schutz unseres Beibootes nach und bastelt nebenbei neue und geniale „Beanbags“ für das gemütlichere Sitzen im Cockpit. Außerdem war sie mehrfach im Mast um die Fernsehantenne, die wir nie benutzt haben, abzubauen und dafür eine neue AIS Antenne zu verlegen. Alita wird in Zukunft also auch AIS senden und nicht nur empfangen.

Ich durfte inzwischen alle Öle und Verschleißteile meiner drei Motoren (Diesel, Außenborder, Generator) wechseln. Die Lichtmaschinen mussten diesmal komplett gewartet werden und auch der Turbo wollte erneut Aufmerksamkeit.
Dann habe ich die Lenzschläuche unserer zusätzlichen Powerbilgenpumpen fest installiert – bisher waren diese nur lose und hätten im Notfall erst mit Kabelbindern nach Außenbords gelegt werden müssen. Das schien mir nicht so ideal, wo man doch im Falle eines Wassereinbruchs sowieso schon alle Hände voll zu tun hat. Und weil ich bereits beide Hände tief in der Bilge hatte, habe ich diese gleich komplett gereinigt - dabei festgestellt, das eine der anderen Pumpen nicht mehr richtig funktioniert, diese gewartet – dabei ein Kabel entdeckt, dass scheinbar von meinem Vorbesitzer stillgelegt und nicht entfernt wurde. Ich hasse Kabel, die nur so rumliegen! Die Dinger können auf einem Aluschiff nur Probleme bereiten. Also erst mal rausfinden wofür das Kabel war und wo es langläuft und bevor man sich versieht ist man zwei Tage dabei Kabel zu entfernen, zwischendurch Angebote einholen, verhandeln, Rod ärgern und so geht es immer weiter und plötzlich ist der Monat rum!
Inzwischen ist Alita auf dem Trockenen und die Zahl der Baustellen hat sich weiter vervielfacht. Innen und Außen ist das Chaos groß, denn viele Ersatzteile lassen auf sich warten und außerdem müssen wir alles für den Mann vorbereiten,  der mit seinem Sandstrahler das Chaos perfekt machen soll - aber dazu mehr im nächsten Blogeintrag.

Mittwoch, 11. Dezember 2013

Der Alita Kalender ist da!

Für alle, die bisher nicht bei uns mitfahren konnten - aber gerne wollten. Für alle, die schon mitgefahren sind und nächstes Jahr zwölf wunderschöne Erinnerungen daran brauchen, dass Sie uns wieder besuchen. Für alle, die unsere Reise von zuhause aus mitträumen wollen und für alle, die uns aus der Ferne unterstützen wollen:

Endlich gibt es die Alita Fotokalender 2014 mit den besten Fotos unseres Tripps. Auf der Fotogalerie könnt ihr Euch die Kalender genauer ansehen und bestellen.

Samstag, 7. Dezember 2013

Jedes Ziel ist ein neuer Anfang

Vor einer Woche sind wir pünktlich in Whangarei angekommen – am Ziel der Reise, die wir vor zwei Jahren begonnen haben. Auch die letzte große Etappe, die berüchtigte Passage nach Neuseeland, war eine entspannte Kaffeefahrt. Wir haben das richtige Wetterfenster im Minerva Riff abgewartet und sind in knapp unter 5 Tagen nach Opua gedümpelt. Dabei hatten wir fast die ganze Strecke leichten Wind von querab und so gut wie keine Welle. Da sind wir in der Adria schon ungemütlicher gesegelt.

Wieder einmal hat sich bestätigt, dass die meist gefürchtetsten Passagen, auch die bestgeplanten sind – und gerade weil man so genau auf Alles achtet, verlaufen sie meist überraschend ruhig. Gefährlich wird es eher dann, wenn man sich sicher wähnt und nicht so gut aufpasst.

Man muss aber auch sagen, dass andere Segler mit ihrer Passage nicht so viel Glück hatten. Viele haben sich von der allgemeinen Nervosität der Cruisergemeinde beeindrucken lassen, die gegen Ende Oktober schon überall drohende Wirbelstürme sahen. Sie sind zu früh gesegelt und auf dem Weg in ungemütliches Wetter geraten.

Andere hatten nach einer langen Saison in der Südsee mit Ermüdungserscheinungen am Material zu kämpfen. Zwei Katamarane hatten gebrochene Ruder, ein Katamaran und ein kleiner Einrümpfer haben den Mast verloren und zwei Boote mussten große Teile der Strecke per Hand segeln, weil ihr Autopilot ausgefallen war. Zum Glück sind alle mit dem Schrecken und Materialschaden davon gekommen – es gab keine echten Notfälle.

Alita fährt nun seit zwei Jahren ohne Probleme. Bis auf das Bugstrahlruder, das dank nicht zu beschaffender Ersatzteile seit Argentinien nicht mehr funktioniert und einem Riss in unserer neuen Genua, weil vor Samoa ein paar Schrauben in der Schiene der Rollanlage locker waren, haben wir keine echten Schäden zu beklagen. Trotzdem ist unsere Liste an geplanten Wartungs- und Verbesserungsarbeiten ellenlang. Die nächsten zwei Monate werden wir in Opua viel zu tun haben, damit Alita im nächsten Jahr nicht nur wie nagelneu, sondern noch sicherer und komfortabler ist.

Wenn ich erst mal einen Überblick über die Termine der geplanten Arbeiten habe, dann mache ich einen groben Tourplan 2014 – ja, Alita wird weiterfahren! So wie es jetzt aussieht geht es Mitte Februar in der "Bay of Islands" los, dann Richtung Süden. Wahrscheinlich schaffen wir es dieses Jahr nicht mehr bis nach Fjordland, ganz im Süden von Neuseeland. Sobald hier die Kälte so richtig Einzug hält, wollen wir höchstwahrscheinlich ins warme Tonga aufbrechen und dort in aller Ruhe die Wale ansehen, die wir dieses Jahr dort verpasst haben. Nach einer kleinen Südseerunde (Tonga, Samoa, Wallis, Fidji) fahren wir dann in den Süden von Neuseeland. Vielleicht…wie gesagt, der genaue und verbindliche Plan kommt in Bälde!

Für alle die dieses Jahr nicht mitfahren konnten und gerne wollten, für alle die bei unserer Tramreise von zuhause aus mitträumen wollen und für alle, die uns aus der Ferne unterstützen wollen, gibt es auf der Website in den nächsten Tagen ein paar Fotokalender und Fotobücher mit den Besten Fotos von Michaela, die ihr gegen Gebühr bestellen könnt.

Ich halte Euch über die Arbeiten an Alita am Laufenden und sage natürlich sofort Bescheid, wenn der Plan für 2014 online ist. Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Dienstag, 12. November 2013

Minerva

Schön ist es in Tonga. Die Insellandschaft von Vava'u war beindruckend und vielfältig; Ha'apai wegen seiner entspannten Menschen und seiner kristallklaren Unterwasserwelt bezaubernd; sogar Tongatapu und Nuku Alofa, die Hauptstadt von Tonga, hatte durchaus schöne Seiten, obwohl wir von vielen Seiten gewarnt wurden, dass es dort so schrecklich hässlich sei. Einen kleinen Abstecher nach Eua haben wir auch noch geschafft. Das ist eine wenig besuchte Insel südöstlich von Tongatapu, wo das Wasser noch klarer und die Landschaft noch unberührter ist.

Obwohl wir also einen ganzen Monat wirklich fleißig quer durch Tonga gekreuzt sind, haben wir trotzdem das Gefühl, vieles verpasst zu haben - so haben wir zum Beispiel nach Niautoputapu keinen einzigen Wal mehr gesehen und wären doch so gern mal mit einem der sanften Riesen geschwommen. Wie schon bei anderen außergewöhnlich schönen Orte auf unserer Tour, würden wir hierher gern nochmal zurück kommen und etwas mehr Zeit verbringen. Vielleicht ergibt sich ja die Chance nächstes Jahr.

Für 2013 geht die Saison in der Südsee rapide zu Ende und die Chance auf einen tropischen Sturm steigt täglich. Vor drei Tagen haben wir uns auf die erste Etappe des Weges nach Neuseeland gemacht und sind nach zwei perfekten Segeltagen, mit ruhiger See, angenehmer Brise und farbenprächtigen Sonnenuntergängen gestern in Nord Minerva angekommen.

Minerva, das sind zwei junge Atolle an der Datumsgrenze, südlich von Fidschi. Sie sind nur ein paar zigtausend Jahre alt, was Geologen eben so als blutjung bezeichnen. Für uns Laien ist das leicht zu erkennen, weil sie noch keine Zeit hatten die typischen Sandinsel zu bilden. Es fühlt sich so an, als würden wir mitten im Ozean ankern. Um uns herum ist nur Wasser, trotzdem schützt uns das Riff effektiv vor Wellen und Alita liegt ganz ruhig in der kühlen Brise aus Südost. Echt surreal.

Hier werden wir ein paar Tage verbringen, bis wir ein gutes "Wetterfenster" haben, um den letzten Hüpfer von etwa fünf Tagen nach Neuseeland zu machen. Die Überfahrt will gut geplant sein, denn mit ein bisschen Pech kann sie zu einer unangenehmen Erfahrung werden. Gefürchtet sind die brutalen neuseeländischen Wetterfronten, mit schwerer See und eiskaltem Wind aus Südwest. Früher haben die Segler auf dem Weg nach Neuseeland wegen dieser Fronten weit nach Westen vorgehalten, weil fast alle von so einer Front erwischt wurden und dann nach Osten zurücktreiben konnten.

Zum Glück sind die Wettervorhersagen heute weit besser und dank moderner Technik haben wir selbst an einem so abgelegenen Ort wie Minerva die Möglichkeit auf alle aktuellen Wetterdaten zuzugreifen. Wir sind also zuversichtlich, dass uns allzu schlechtes Wetter erspart bleibt. Nach fast neun Monaten in den Tropen sind wir durchaus etwas verweichlicht und eiskalter Wind klingt nach echter Folter. Es wird etwas dauern, bis wir uns wieder an lange Hosen und Pullover gewöhnt haben, da wollen wir nicht gleich mit dem Programm für Fortgeschrittene anfangen.

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Mittwoch, 9. Oktober 2013

Abschied von den Tropen

Nun ist es bald vorbei mit Gedümpel in der ewigen Badewanne. Vor einer
guten Woche sind wir in Tonga angekommen – genauer gesagt auf der
kleinen Insel Niuatoputapu. Ja, ich hab auch eine ganze Weile gebraucht,
bis ich mir das merken konnte und noch länger, bis ich es aussprechen
konnte! Inzwischen sind wir bereits eine Inselgruppe weiter südlich -
auf Vava'u. Hier treiben sich derzeit so ziemlich alle Segelboote herum,
die in den nächsten Wochen nach Neuseelandfahren wollen - also raus aus
den Tropen und weg von den gefährlichen Wirbelstürmen, die ab November
hier ihr Unwesen treiben können.

Bevor ich aber von Tonga erzähle, wollte ich noch unseren tollen
Aufenthalt in Samoa erwähnen. Das Land hat uns wirklich ganz
ausgezeichnet gefallen. Irgendwie sind die Leute dort sogar noch netter,
als sie es schon in der ganzen Südsee waren – keine Ahnung, wie sie das
schaffen. Das Leben auf Samoa ist im Gegensatz zu Französisch Polynesien
und den Cook Inseln einigermaßen erschwinglich und auf den zwei großen
Inseln gibt es viel zu sehen. Z.B. riesige Wasserfälle die man bestaunen
kann und kleine Wasserfälle die man runterspringen und -rutschen kann.
Die Abkühlung in dem kühlen Süßwasser ist auch dringend nötig, denn
Samoa war so ziemlich der heißeste Ort, an dem wir bisher waren.

Interessant an den Samoanern ist auch ihre ganz eigene Kultur und
Lebensweise. Außerhalb von Apia, der einzigen Stadt auf Samoa, leben die
meisten Menschen in „Fales" - das sind große, ovale Dächer, die auf
Pfählen in einem Stein- bzw. Beton-Fundament stehen. Wände gibt es keine
– also auch keine Privatsphäre! Je nach Tageszeit wird die Einrichtung
im Fale hin- und her geschoben. Nachts liegen überall Matratzen auf dem
Boden und es hängen Moskitonetze darüber. Tagsüber lehnen die Matratzen
aneinander auf einer Seite und es steht ein niedriger Tisch in der Mitte
des Fale - gegessen wir auf dem Boden sitzend. Bei Wind und Regen werden
Stoffe und Planen auf der Wetterseite gespannt.

Die Fales stehen meistens in Gruppen zusammen, die wir als Dörfer
bezeichnen würden. Auf Samoa sind das aber Großfamilien. Wir haben einen
Mann getroffen, dessen „Familie" angeblich 1800 Seelen zählt. Jede
Familie hat auf der Insel ihr eigenes Gebiet, in dem sie lebt und das
sie verwaltet. Regiert werden die Familienmitglieder von den Chiefs der
Familie, also den Häuptlingen, bzw. Dorfältesten. Der Ältestenrat regelt
alle Belange der Familie. Wenn es Streit gibt, dann schlichten die
Chiefs. Wenn die Familie eine neue Straße will, dann müssen alle
Familienmitglieder dafür bezahlen – da macht der Staat Samoa gar nichts.
Das führt dazu, dass wir öfter mal Wegzoll zahlen mussten, wenn wir über
so eine Familienstraße zu einer besonders schönen Küste fahren wollten.

Am Erstaunlichsten sind aber die Kirchen. In jedem Dorf steht hier nicht
eine Kirche, sondern aber zwei oder drei - denn schließlich gibt es jede
Menge christliche Glaubensrichtungen und alle Missionare sind auf Samoa
erstaunlich erfolgreich. Manchmal hat man den Eindruck es gibt mehr
Kirchen als normale Häuser auf Samoa - und ich rede nicht von schäbigen
Dorfkapellen. Das sind immer große, schicke und einwandfrei gepflegte
Gebäude. In Stadtnähe erreichen die Gotteshäuser unglaubliche
Dimensionen, die schon fast an einen europäischen Dom heranreichen. Es
gibt aber auch modernste Kirchen, von Stararchitekten designed, die eher
an ein Raumschiff erinnern.

Das Ganze ist umso erstaunlicher, wenn man weiß, dass die Menschen auf
Samoa so arm sind, dass sie ohne regelmäßige Unterstützung der
Familienmitglieder im Ausland (hauptsächlich Neusseland, aber auch
Australien und USA) nicht überleben könnten. Wo das ganze Geld für die
Kirchenpräsenz, Vielfalt und Größe herkommt, ist mir ein komplettes
Rätsel. Ich muss vermuten, dass die Familien mehr als die Hälfte des
Haushaltsbudgets den Kirchen in den Rachen werfen. Naja, zumindest sind
sie dann nach ihrem Tode prima versorgt…

Auch in Tonga gibt es viele Kirchen, aber sie sind nicht annähernd so
protzig. Auch die Tonganer gehen mehrmals die Woche in die Kirche.
Sonntags sogar zweimal. Die Kirche nimmt den Menschen also nicht nur das
Geld, sondern auch die Arbeitszeit. Das geht soweit, dass der Mittwoch
in Tonga inzwischen ein inoffizieller Feiertag ist. Die Menschen wollen
einfach mal etwas Zeit mit ihren Ehepartnern und Kindern verbringen und
da sie am Wochenende fast ausschließlich mit kirchlichen Tätigkeiten
beschäftigt sind, gehen sie nun Mittwoch nicht mehr zur Arbeit.
Natürlich hat die Kirche das spitz gekriegt und erwartet inzwischen,
dass ihre Schäfchen auch Mittwoch vormittags zum Pflichtgottesdienst
erscheinen… keine Ahnung, wo das endet.

Zumindest bewirkt der strenge Glaube und die starken Familienstrukturen,
trotz der Armut und der vielfältigen Probleme des Landes einen
unumstößlichen sozialen Frieden und das führt letztlich zu genau der
Freundlichkeit der Menschen, die das Land so einzigartig macht und die
wir sehr genießen.

Zu Tonga kann ich noch nicht wirklich viel sagen. Niuatoputapu war nicht
wirklich etwas Besonderes, aber es liegt ziemlich genau in der Mitte
zwischen Samoa und Vava'u, macht also aus einer langen Überfahrt zwei
überschaubare Tagestrips und bietet in seiner kleinen Lagune einen
sicheren Ankerplatz, wo man sich prima ausruhen kann. Leider ist das
Wasser in der Lagune sehr trübe und die Insel selbst bietet auch wenige
Sehenswürdigkeiten. Aber ganz langweilig war uns dort nicht, denn
immerhin ist es uns zum ersten Mal gelungen mit dem Beiboot relativ nahe
an einen heranzukommen. Die Walkuh hatte ihr Junges dabei und der
„Kleine", dar auch schon gute fünf Meter lang war, wollte vor uns ein
wenig angeben. In etwa fünfzig Meter Entfernung von uns ist er einige
Male aus dem Wasser gesprungen. Micha war wie immer geistesgegenwärtig
und hat ein paar schöne Fotos hinbekommen.

Anders als Niuatoputapu, ist die die Westseite der Vava'u Gruppe eine
echte Überraschung und geologisch was ganz Neues für uns. Hier hat es
endlich mal nicht das typische Korallenriff und türkisblaues Wasser um
eine Vulkaninsel herum. Stattdessen sind die Inseln der Vava'u Gruppe
zahlreich und verwinkelt, die Küsten meist steile, schwarze Vulkanwände
und das Wasser davor ist tief und klar. Natürlich gibt es viele
versteckte Buchten, mit kleinen Sandstränden und seichtem Wasser zum
Baden. Die Ankermöglichkeiten sind hier so zahlreich, dass man fast in
Stress geraten könnte. Schließlich wollen wir möglichst alle mal sehen!

Zum Stress trägt außerdem die versammelte Cruiser-Gemeinschaft bei. Hier
trifft man gebündelt all die netten Segler wieder, die man im östlichen
Pazifik kennengelernt hat und man weiß gar nicht, wie alle in den vollen
Terminkalender passen sollen. Ein echtes Drama! Naja, wir werden uns
einfach nicht stressen lassen und genießen unsere letzten Wochen in den
Tropen.

Freitag, 13. September 2013

Luxus

Fast ein halbes Jahr ist es nun schon her, dass wir den südamerikanischen Kontinent verlassen haben und seitdem sind wir in der Inselwelt der Südsee unterwegs. Palmen, Strand, türkisblaues Wasser und sehr, sehr viel Zeit… das gibt es für uns seitdem im Überfluss. Und weil das zuhause als der Inbegriff von Luxus gilt, scheinen viele zu denken viele wir leben hier in Saus und Braus. Emails an uns beginnen mit den Worten „ihr sitzt sicher gerade am Strand und schlürft einen Fruchtcocktail…“ – Ja ja, schön wär’s!

Viele scheinen nicht zu wissen, dass auf den flachen Inseln der Südsee außer Kokosnuss praktisch  nichts angebaut werden kann. Auf den höheren Vulkaninseln ist Ackerbau zwar theoretisch möglich. Aber die Plätze sind rar, wo der Boden eben genug ist. Außerdem fehlt dann oft das nötige Wasser. Das Obst und Gemüse was unter diesen schwierigen Bedingungen hier in der Südsee wächst, ist für den Eigenbedarf bestimmt und selbst wenn die Insulaner davon etwas verkaufen, dann wissen sie wie rar ihr Produkt ist und rufen entsprechende Preise auf.

Im Prinzip ist also alles, wirklich ALLES, was man hier in der Südsee konsumiert, per Schiff und/oder Flugzeug importiert. Je nachdem wie abgelegen man unterwegs, steigt die Anzahl der Schiffe und Flugzeuge, die für den Transport der Güter notwendig waren und damit auch die Zeit, die die Ware unterwegs ist. Eine ununterbrochene Kühlkette ist jenseits der ganz großen Inseln nicht mehr möglich, bzw. unbezahlbar. Das schränkt die Auswahl der Waren in den Läden weiter ein und der Preis… ja der Preis!

Reden wir mal bitte nicht von frischen Früchten - das ist ohnehin völlig illusorisch! Bleiben wir bei den Grundnahrungsmitteln. Ein kleines Glas Nutella hat auf den Tuamotus €7,- gekostet, eine Dose Bier €2,50. Eine Packung Corn Flakes kostet auf Samoa €10,-. Nur mal so als Hausnummer. Das ist der Grund, warum die Einheimischen praktisch ausschließlich von Fisch und Kokosnuss leben - die einzigen Lebensmittel, die hier günstig sind. Aber auch Fisch ist nicht mehr unproblematisch, weil dank der Perlenzuchten viele Atolle mit der Ciguatera-Alge belastet sind, welche die einfach zu fangenden Rifffische für den Menschen giftig macht. Der Hochseefischbestand ist jedoch von den asiatischen Fangflotten so stark dezimiert, dass es den Insulanern bereits schwer fällt Thunfische oder Makrelen zu fangen.

Ich bin sicher, dass die Gäste in den Vielsterne-Luxus-Hotels von diesen Problemen im Paradies  keinen blassen Dunst haben und gern jeden Abend ihren Fruchtcocktail am Strand schlürfen. Natürlich kostet so ein Tag in einer kleinen palmenblattgedeckte Standardreihenbambushütte auf türkisblauem Wasser mal eben $2.000,- aufwärts. Die geräumigere und privat gelegenere Honeymoon-Hütte schlägt mit schlappen $10.000,- pro Tag zu. Bei diesen Preisen fallen natürlich zwanzig Dollar für ein kühles Glas importierten Fruchtsaftcocktail auf der Zimmerrechnung nicht weiter auf. Wir Segler trinken stattdessen unser selbstgemachtes Wasser was wir mithilfe von Solarstrom in der Meerwasserentsalzungsanlage gewinnen und reichern dieses mit Mineralstoffen in Pillenform und Bier in homöopathischer Dosis an.

Tatsächlich haben sich fast alle unsere Besucher nach ein paar Wochen in der Südsee sehr auf ihren Supermarkt zuhause gefreut und auch auf Ali, den freundlichen Dönermann an der Ecke. Diese beide im Verbund scheinen die Gelüste unserer Freunde effizienter befriedigen zu können, als wir das hier auf Alita in der wunderschönen Fototapeten Landschaft der Südsee vermögen.

Da sieht man mal wieder, wie relativ das Leben ist. In Deutschland ist der polynesische Palmenstrand Luxus. Bei uns, an eben diesem Strand, wäre ein ganz normaler Aldi fast wie das Paradies. Warum ist es nur so, dass der Rasen beim verdammten Nachbarn immer so viel grüner ist!
Fruchtcocktail hin oder her - wir sind in den letzten Wochen recht luxuriös durch die Cook Inseln gesegelt, haben es uns auch ohne Aldi im himmlischen Aitutaki und im sagenumwobenen Suwarrow gut gehen lassen. Gestern sind wir dann in Apia auf West Samoa angekommen, was früher mal deutsche Kolonie war. Die germanischen Wurzeln kann man immer noch deutlich spüren, an der außerordentlich aufwändigen Bürokratie bei der Einreise. Hier müssen fünf Behörden an Bord kommen und solange nicht alle da waren und mit allem glücklich sind, darf eigentlich keiner der Besatzung von Bord gehen. Ich sage eigentlich, weil die Samoaner, obwohl sie sehr bürokratisch sind, auch sehr menschlich sind. Und so bekommt man als Kapitän eben eine kleine Rüge, wenn sie dich dreißig Stunden nach der Ankunft alleine an Bord antreffen, weil die Crew, die in wenigen Tagen nach Deutschland zurückfliegt, natürlich längst die Insel besichtigt, weil sie keine Zeit für die lästigen Buchstaben des Gesetztes hat. Man muss sie einfach gern haben!

Dienstag, 13. August 2013

Au Revoir Baguette

Wir sind am äußersten westlichen Rand von Französisch Polynesien, auf Maupihaa (Maupelia) angekommen und fühlen uns auf mehr als eine Art wieder auf die Tuamotus zurück versetzt. Hier fehlt erneut die vulkanisch, grünschwarze Insel in der Mitte des Atolls. Es gibt nur den Kranz von palmengekrönten Sandinseln außen herum. Und es fehlt zum Glück auch völlig der touristische Trubel, der die Society Inseln so gequält hat, und damit auch die einhergehenden vielen gestressten Menschen.

Zuletzt hat es uns ja doch noch erwischt. Ausgerechnet mitten im Inbegriff der paradiesischen Südsee, dort wo man es am wenigsten erwartet, auf der endlosen türkisblauen Badewanne im östlichen Bora Bora, hat man mir meine Hochseeangel aus der Halterung am Heckkorb geklaut, woraufhin ich die örtliche Wirtschaft mit einer Spende von knapp €400,- für entsprechenden Ersatz unterstützen musste.

Auf unseren Besuch in Maupiti mussten wir leider verzichten, da uns der Wetterbericht in die Irre geführt hat. Statt einer lauen Brise aus Ost, wie vorhergesagt, blies ein Starkwind aus Südost und damit war die berüchtigt schwierige Einfahrt voll auf der Wetterseite und völlig unbefahrbar. Während wir uns die Durchfahrt aus scheinbar sicherer Entfernung von gut 300 Metern genau ansahen und die schicken Surferkäme bewundert haben, die sich genau dort bildeten, wo wir hätten durchfahren sollen, überraschte uns eine besonders große Welle von hinten und brach sich bis in unser sonst so trockenes Mittelcockpit. Spätestens jetzt war klar, dass wir eine Einfahrt nicht wagen werden. Also haben wir die Segel wieder gesetzt und sind weiter nach Maupihaa gefahren.

Diese Atoll gibt zwar optisch nicht ganz so viel her wie Bora Bora, aber es gefällt mir- nicht nur wegen des ärgerlichen Ereignisses dort - trotzdem sehr viel besser. Die Ruhe hier ist eine Wohltat nach dem Trubel, den die permanente Flut von Flitterwöchlern auf Bora Bora verursacht. Auf den letzten hundert Seemeilen haben wir die Zivilisation, die Supermärkte, Restaurants, Veranstaltungen und den Großteil der anderen Segler zurück gelassen. Dafür haben wir Ruhe und Ursprünglichkeit wieder.

Was wir außerdem zurückgelassen haben ist das Baguette - wohl für eine lange Zeit. Wir werden es vermissen, das leckere, knusprige Stangenweißbrot, das es selbst auf den abgelegenen französischen Inseln zu kaufen gibt. Nun kommen wir nach Cook Island, die unter neuseeländischem und damit englischem Einfluss stehen - also lukullisches und bäckerisches Entwicklungsgebiet.

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Montag, 5. August 2013

Die Gesellschaftsinseln

Sie sind sehr schön, die Gesellschaftsinseln. Nicht umsonst sind Tahiti und Bora Bora fast weltweit jedem ein Begriff. Aber auch die unbekannteren, wie Moorea, Huahine und Raiatea haben ihre Reize. Anders als die Tuamotus, haben die Atolle auf den Gesellschaftsinseln nicht nur viele, kleine Korallensand- und Plameninseln am Riff außen herum, sondern zusätzlich in der Mitte noch mindestens einen großen, grünen Vulkanberg. Das sieht nicht nur auf Fotos gut aus. Man kann hier auch ein bisschen mehr unternehmen, wie z.B. Radeln und Wandern.

Und weil die Inseln so schön und vielfältig sind, trifft man hier auch wesentlich mehr Menschen. Hier lebt die große Mehrheit der Bevölkerung von Französisch Polynesien und natürlich sind hier auch die meisten Besucher - und damit hat man hier auch das größte touristische Angebot. Angefangen von jeder Form von Surfen, über Jetski, Helikopter, U-Boot, bis hin zu riesigen Meerwasseraquarien in denen man Schnorcheln kann und eingesperrten Delphinen mit denen man schwimmen kann, ist hier alles und noch viel mehr möglich. In dem bunten Zirkus wundert es dann auch nicht weiter, dass sich Herr Abramovish in der Gegend mit seiner ungewöhnlichen Yacht "A" herumtreibt.

Wir haben uns noch immer nicht ganz an den "Trubel" gewöhnt, obwohl Tahiti und damit das dichteste Gewühl bereits hinter uns liegen. Nachdem wir von dort aus der Marina Taina geflohen waren, haben wir Moorea besucht, die wahrscheinlich schönste Insel der Gegend. Wir waren auf Huahine, der freundlichsten und in Raiatea, der vielfältigsten Insel. Nun sind wir auf der berühmtesten Insel eingetroffen: Bora Bora.

Natürlich war jede atemberaubend schön, wie ihr auf den Fotos sicher schon gesehen habt - wobei ich zugeben muss, dass nach drei Monaten Palmen, Strand und türkisblauem Wasser bei mir ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten ist und ich das Paradies gar nicht mehr gebührend bestaunen kann.

Und da wir gerade vom Sündenfall sprechen: Hier auf den bevölkerungsreicheren Inseln des Paradieses ist deutlich zu beobachten, wie die globale Krise und stark zurückgegangene Besucherzahlen bei den freundlichsten und entspanntesten Menschen der Welt, schnöden westlichen Stress auslösen kann. Vereinzelt kommt es wohl bereits zu Diebstählen auf Yachten, was in einer Kultur, wo der eigene Status davon abhängt, wie reichlich man seine Gäste beschenkt, durchaus bemerkenswert ist. Noch Erstaunlicheres ist Freunden von uns widerfahren, die von fünf stämmigen Insulanern genötigt wurden Fotos von brechenden Wellen aus ihrer Kamera zu löschen, weil die Einheimischen die Existenz "ihres" Surferspots geheim halten wollten.

Uns ist zum Glück nichts Negatives wiederfahren und unser größtes Problem war, dass die letzten Wochen überraschend windig daher kamen. Im südlichen Pazifik hatte sich ein großes und kräftiges Hochdruckgebiet breit gemacht und das hat hier oben in den tropischen Breiten zu zwei Wochen kräftigem Wind aus Ost und damit auch zu ordentlichen Wellen geführt. Die meisten Yachten haben sich in dieser Zeit kaum aus dem Schutz der Atolle bewegt. Wir mussten raus, um unseren Zeitplan einzuhalten. Zum Glück sind die Distanzen zwischen den Gesellschaftsinseln nicht sehr groß, so dass wir nicht allzu lange durch geschaukelt wurden.

Nun freuen wir uns auf eine Woche mit lauem Wind und auf unseren nächsten Gast, der mit uns zu den Cook Inseln segeln wird. Endlich mal wieder eine längere Etappe. Ich hoffe, ich weiß noch wie das geht!

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Donnerstag, 18. Juli 2013

Abschied auf Tahiti


Es war eine schöne, geruhsame Reise durch die Tuamotus von Französisch Polynesien. Nach meinem letzten Eintrag aus dem wunderschön einsamen Atoll Tahanea, wo wir mit diversen befreundeten Yachten insgesamt elf Tage verbrachten,  waren wir anschließend noch im Atoll Fakarava.

Fakarava ist sowohl touristisch erschlossen als auch Teil der internationalen Barfußroute und des amerikanischen Puddle Jumps (so etwas wie die ARC, nur für den Pazifik). Kein Wunder also, dass dort mehr Menschen und vor Allem viel mehr Segelboote anzutreffen sind. Eine gute Gelegenheit sich wieder an den Trubel zu gewöhnen, was uns nach ein paar Monaten Abgeschiedenheit relativ schwer fällt.

Ungünstige Wetterbedingungen zwangen uns dann fast eine Woche dort auszuharren, obwohl wir dort nur ein paar Tage bleiben wollten. Aber eine heftige Front machte uns einen Strich durch die Rechnung und führte erst zu Starkwind aus Nord und dann zu einer steifen Brise aus Süd, was wohl einige der  Barfußsegler völlig überrascht hat. Sie fühlten sich innerhalb des Atolls offenbar so sicher, dass sie die Wettervorhersage nicht verfolgten. Dummerweise erstreckt sich Fakarava über dreißig Meilen von Nord nach Süd, was bei stärkeren Winden entlang der Achse selbst innerhalb des Riffs auf der windabgewandten Seite zu hohen Wellen führt.

Während wir uns bei Nordwind im Schutz des nördlichen Riffs befanden und mit der Winddrehung nach Süden umzogen, um dort wieder optimal geschützt zu sein, fuhren einige Boote andersherum, bzw. bewegten sich gar nicht. Bei den Meisten führte das zum Glück nur zu einigen rauhen Stunden und intensiver Ankerwache. Bei zwei Booten jedoch, deren Kette sich in den Korallen verhängt hat, hat es die Ankerwinch herausgerissen und ein weiterer Unglücksrabe hat seinen Anker sogar ganz verloren und wurde auf das Riff gespült. Ein Loch mit einem halben Meter Durchmesser und diverse Risse in der Außenhülle waren die Folge. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Während jeweils am anderen Ende des Atolls das Drama tobte, verbrachten wir ein paar entspannte Tage zu zweit, nachdem unser Besuch nun wieder nach Deutschland abgereist ist, wo er nach acht Wochen Fisch gerade einen deftigen Schweinebraten geniest – wir sind hier nur ein bisschen neidisch, ein ganz klein bisschen!

Ich habe in dem Skipper einer befreundeten Yacht einen erfahrenen Tauchpartner gefunden, mit dem ich gemeinsam den Drifttauchgang in berühmten Süddurchfahrt von Fakarava wagen konnte, wo man in glasklarem Wasser die bunte Korallenvielfalt, viele große Fische und natürlich jede Menge der allgegenwärtigen Haie bewundern kann.

Als sich das Wetter endlich beruhigt hatte, sind wir weiter nach Tahiti, wo uns der „Stress“ nun gänzlich zurück hat. Hier auf der großen Insel ist das Leben fast europäisch hektisch, die Behörden wollen ihren Papierkram erledigt wissen, unsere leeren Proviantkammern wollen mit „erschwinglichen“ Lebensmitteln gefüllt werden und außerdem findet man in Papeete die einzigen Bootsbedarfsläden in mehr als eintausend Seemeilen Umkreis. Die Kombination dieser Umstände und die Tatsache, dass man die schöne Insel auch ein wenig besichtigen will, führt zu langen Tagen und wenig Schlaf.

Dabei hatten wir uns mit Port Phaeton, am abgelegenen Südende von Tahiti Nui noch die ruhigste Ankerbucht ausgesucht, weil wir dort mit allen unseren neuen Segelfreunden, denen wir auf den Gambier Inseln begegnet waren und die uns auf dem gemeinsamen Weg durch die Tuamotus immer wieder begleitet haben, auf ein letztes Treffen verabredet waren. Es waren tolle Wochen mit tollen Leuten und wir waren ein bisschen traurig, als wir uns gestern bei einer letzten abendlichen Zusammenkunft verabschieden mussten. Wir werden uns mit Alita in den nächsten Wochen wieder wesentlich schneller durch die Inselwelt bewegen, als unsere dümpelnden Freunde, so dass wir diese erst wieder kurz vor Neuseeland treffen werden.

Nun liegen wir am Ankerplatz vor der Marina Taina, in der Nähe von Papeete, zusammen mit über einhundert anderen Yachten, die sich auf engstem Raum quasi stapeln. Der Funkverkehr auf Kanal 16 ist ununterbrochen und jede Minute fährt ein Motorboot vorbei. Hilfe! Nur gut, dass wir morgen schon weiterfahren nach Moorea, wo es hoffentlich ein klein wenig ruhiger ist.