Freitag, 31. Oktober 2014

Drama in Savusavu


Nein, keine Angst. Diese Katze leidet nicht an Ebola. Sie ist auch nicht am Verhungern. Das ist Mavis, die innig geliebte Rassekatze eines englischen Ehepaars und Auslöser einer herzzerreißenden Tragödie, welche sich in den letzten Monaten in Savusavu abgespielt hat.

Die englische Familie mittleren Alters hatte beschlossen ihre regnerische Heimat hinter sich zu lassen und nach Australien auszuwandern. Sie haben bereits das notwendige Visum, doch dann stellen sie fest, dass sie ihre zwei geliebten Katzen nicht in der Flugzeugkabine transportieren dürfen und die herzlosen Fluggesellschaften auch nicht zulassen wollen, dass die Dame des Hauses, mit ihren Katzen im Gepäckraum fliegt. Tatsächlich mussten sie mit Erschrecken im Kleingedruckten lesen, dass die Fluglinie keinerlei Garantien übernimmt, das die Katzen lebendig am Zielflughafen ankommen!

Statt also die Katzen einmal kurz für 20 Stunden zu sedieren und das Beste zu hoffen, beschließen die Engländer in ihrer grenzenlosen Tierliebe nach Australien zu Segeln. Ob sich die Katzen wohl darauf gefreut haben, dass sie mehr als ein Jahr lang auf einem Segelboot eingesperrt werden? Jedenfalls war es ein durchaus gewagter Schritt, auch vor dem Hintergrund, dass das Ehepaar keine große Segelerfahrung hat und die die Ehefrau stark unter Seekrankheit leidet.

Über viele Monate und zwei Ozeane hinweg kotzen also Katzen und Katzenmutter um die Wette und wider Erwarten geht alles gut, bis die Yacht mit der wertvollen Fracht Mitte 2014 auf Fiji ankommt und damit schon fast ihr Ziel erreicht hat. Es ist nur noch ein „Katzensprung“ bis nach Australien, als Mavis in Savusavu unter ungeklärten Umständen von Bord verschwindet, während das Ehepaar an Land ist.

Die Katzenmutter ist natürlich überzeugt davon, dass ihr Ersatzkind entweder gestohlen oder entführt wurde -  weil Mavis Wasser hasst und niemals von alleine ins Meer springen würde. Aber leider kommen keine Lösegeldforderungen und eine großangelegte Suchaktion, an der sich die Dorfbevölkerung beteiligt, bleibt ergebnislos. Auch heute, drei Monate nach seinem Verschwinden, fehlt jede Spur von Mavis. Man könnte meinen, dass die Tragödie hier beendet ist.

Aber weit gefehlt, denn Fiji – ähnlich wie alle anderen Länder im ozeanischen Raum – unternimmt große Anstrengungen die einzigartige heimische Flora und Fauna vor unerwünschten Einwanderern zu schützen. Deswegen muss bei der Einreise für jedes Haustier eine Kaution von $1600,- hinterlegt werden und die Besitzer der Haustiere müssen schriftlich versichern, dass sie ihre Haustiere nicht an Land lassen. Zuwiderhandlung steht unter Strafe.

Es ist also nicht weiter verwunderlich, dass die Behörden in Fiji nicht besonders verständnisvoll auf Mavis‘ Verschwinden reagieren. Sie erheben eine Strafe in Höhe in von weiteren $1600,-, weil das Ehepaar offensichtlich nicht auf ihre Katze aufgepasst hat. Natürlich schmerzt zusätzlich zum Verlust des geliebten Haustiers ein Verlust von $3200,- (Kaution+Strafe) sehr. Aber im Katalog der möglichen Strafen ist das so ziemlich der kleinste Betrag, den die Behörde aufrufen kann.

Trotzdem fühlen sich die Engländer unfair behandelt und erheben Einspruch, denn sie sind sich keiner Schuld bewusst – und weil sie beide in England Polizisten waren, haben sie nicht nur Recht sondern kennen sich auch mit dem Gesetz aus.

Nun sitzen sie viele weitere Monate in Savusavu und warten neben der Rückkehr ihrer Katze – die Hoffnung stirbt zuletzt – nun auf ihren Gerichtstermin, in denen der Richter eine Strafe bis zu $50.000,- aufrufen kann. Außerdem ist nach dem Gerichtstermin dann Wirbelsturmsaison und die Katzenliebhaber müssen weitere 6 Monate bleiben, bis sie nach Australien weiterfahren können. Genug Zeit jedenfalls, dass sich vielleicht auch die zweite Katze aus reiner Verzweiflung das Leben nimmt und die Geschichte weiter geht! Wir halten Euch auf dem Laufenden!
Einen Bericht der Betroffenen selbst, findet ihr hier.

Sonntag, 26. Oktober 2014

Fieber

Mein regelmässiger Post ist mal wieder mehr als überfällig. Aber in den letzten Wochen ist so viel passiert, dass ich nicht die Ruhe gefunden habe mich hinzusetzen und ein paar Zeilen zu schreiben.

Vor knapp drei Wochen ist Michaela nach Alitanien zurückgekehrt und seitdem sind wir viel gesegelt. Zunächst die tonganischen Gewässer nach Norden, dann hinüber nach Fiji und nun sind wir dabei die langen Strecke von der nordöstlichen in die südwestliche Ecke Fijis zurückzulegen.

Die gute Nachricht ist, dass es seit ein paar Wochen wieder jede Menge Bilder zu bewundern gibt. Micha stellt fast tägliche neue online, die ihr in der Fotogalerie bzw. im englischen Blog  bewundern könnt. Also schaut fleißig rein!

Die schlechte Nachricht ist, dass ich auch heute keinen echten Blogbeitrag zustande bekomme, weil wir wieder einen größeren Schlag segeln müssen und ich immer noch nicht ganz gesund bin. Ich habe mir in Savusavu eine indische Grippe (viele Menschen in Fiji sind indischen Ursprungs, weil die Briten diese um 1900 als Hilfsarbeiter importierten) eingefangen und laboriere seit Tagen daran herum. Das Fieber ist immer noch nicht ganz weg und deswegen sind die Gedanken langsam und die Finger auf der Tastatur holprig. Aber später diese Woche kommt ganz sicher ein neuer Beitrag, denn ich muss Euch unbedingt über ein großes Drama berichten, das sich in Savusavu abgespielt hat.

Montag, 29. September 2014

Facebook

Vor kurzem habe ich eine Untersuchung gelesen, die aufgrund wissenschaftlicher Daten behauptet, dass Facebook und soziale Netzwerke im Internet die Menschheit unglücklich und aggressiv macht. Vielleicht ist das ein Grund, warum ich so entspannt und glücklich bin – ich bin nicht bei Facebook!
Die Begründung der Wissenschaftler zu dem nicht ganz überraschenden Ergebnis ihrer Studie war, dass Benutzer der Internetnetzwerke ihr „zweites Leben“ im Internet deutlich positiver darstellen, als es in der harten Wirklichkeit ist. Da man aber an die virtuellen Freunde nicht nah genug heran kommt, um an ihrem Oberflächenlack zu kratzen und hinter die Kulisse zu blicken, ist man in der internationalen Scheinwelt von glücklichen, erfolgreichen und hübschen Freunden umgeben, bei denen im Vergleich das eigene echte Leben nicht mithalten kann.

Also was macht man? Ganz klar! Man beginnt ebenfalls zu Lügen und stellt sich und sein Leben im Internet viel besser dar, als es in Wahrheit ist. Warum? Weil man damit immer mehr virtuelle, falsche Freunde anlockt, die mit ihren Lügen dafür sorgen, dass ich mich noch schlechter fühle. Die Menschen sind komisch!

Die Krönung des Ganzen war eine Pressemitteilung letzte Woche. Eine junge Holländerin hat ihren „Freunden“ bei Facebook vorgespielt, dass eine mehrmonatige, wunderbare Reise durch Asien macht. Die Fotos, die das dokumentieren sollten, hat sie im Internet geklaut und sich teilweise hinein retuschiert. Ich bin ganz sicher, dass sie nicht die Erste, die so etwas macht. Sie ist nur die Erste, die damit so medienwirksam auffliegt - offenbar wird aus ihr keine gute Fälscherin.

Das arme Mädchen kann einem Leid tun. Wie verzweifelt muss man sein, wenn man seiner Umwelt eine lange Reise vorspielen muss, nur um dann von der internationalen Presse an den Haaren an die Öffentlichkeit gezerrt zu werden! Ich hoffe sie hat ein paar echte Freunde, oder alternativ einen guten Psychiater. Vielleicht ist sie aber auch geschickt und schlägt Kapital daraus. Es gibt einen großen Markt, auf dem man seine Peinlichkeiten vermarkten kann, um wie Naddl, Katzenberger und Konsorten die Gipfel des Trashfernsehens zu erklimmen.

Auf jeden Fall hat mich das Ganze zum Nachdenken gebracht. Wenn das alles wirklich so schlimm ist, wie die Wissenschaftler sagen, dann tragen wir auf Alita mit unserem Blog dazu bei, dass ihr daheim unglücklicher werdet! Das wollen wir nicht!

Wir lügen zwar keine Segelreisen vor, die wir nicht gemacht haben, aber wir lassen die langweiligen Teile immer und nervigen Teile häufig aus. Wir fotografieren auch nicht die hässlichen Orte und stellen die Bilder ins Netz. Mit unserer Auswahl von Geschichten und Fotos inszenieren wir also letztlich unser Leben schöner, als es wirklich ist. Das soll nicht heißen, dass wir hier draußen nicht total glücklich sind und alles echt phat großartig ist… Nein, Spaß beiseite: Natürlich ist nicht alles immer ganz so toll, wie es eventuell rüberkommt!

Damit ihr Euch also in Zukunft nicht ganz so schlecht fühlt, wenn ihr meine Beiträge lest, werde ich ab jetzt versuchen auch die schlechten Seiten einzubringen und ich werde Micha bitten, auch ein paar hässliche Orte zu fotografieren. Also fangen wir gleich an!

Wir haben Scheiß Wetter! Es ist nicht nur stark bewölkt und hat sogar ein wenig geregnet - aber leider bei Weitem nicht genug, dass es den Tonganern bei Ihrem Dürreproblem Linderung verschafft hätte. Wir haben Wind aus der falschen Richtung, der meinen Ankerplatz mit kurzen Wellen extrem ungemütlich macht. Außerdem ist ein Schwung kühler Luft angekommen, der dafür sorgt, dass sich die gesamte Luftfeuchtigkeit in eine Art Nebel verwandelt. Nun kann man keine hundert Meter weit sehen und die Feuchtigkeit setzt sich überall ab. Sogar im Inneren des Schiffes ist es inzwischen klamm und die Bettwäsche, die ich erst gestern gewechselt habe, fühlt sich an wie ein Waschlappen. Es erübrigt sich zu sagen, dass ich extrem schlecht geschlafen und geträumt habe!

Zu allem Übel quält mich tagsüber der örtliche Funktelefonbetreiber mit bis zu zwanzig Werbe SMSen täglich, die ich nicht abschalten kann. Hin und wieder sind sogar schlechte Witze drunter. Dieser hier kam gestern:

Facebook ist wie Gefängnis. Man verschwendet Zeit, spricht mit einer Wand und wird von wildfremden Menschen belästigt.

Donnerstag, 18. September 2014

Das unerwünschte Christkind

„El Nino“ - das Kind - ist wieder im Anmarsch. Rein wissenschaftlich gesehen, ist "El Nino" ein periodisch wiederkehrendes, natürliches Phänomen in dem sich warmes Wasser aus dem südwestlichen Pazifik nach Osten verschiebt und an der südamerikanischen Küste Meeresbereiche erwärmt, die normalerweise Kaltwasser führen. In Ecuador führt das regelmäßig  zur Weihnachtszeit dazu, dass die Fischschwärme plötzlich aus den Gewässern abwandern und die Fischer monatelang mit leeren Händen nach Hause kommen. Sie beobachteten diesen Effekt zuerst und  gaben ihm den Namen.

Aber das ist nicht das einzige Problem, welches dieses unerwünschte Christkind mit sich bringt. Es verursacht im ganzen Pazifikraum extreme Wetterkapriolen. Während an manchen Stellen so viel Regen niedergeht, dass es zu katastrophalen Erdrutschen, Überschwemmungen, Epidemien und letztlich Hungersnöten führt, sorgt es an anderen Stellen für Trockenheit, Wasserknappheit  und damit zu Ernteausfällen und ebenfalls zu Hungersnöten.


Dazu kommt, dass in „El Nino“ Jahren die Anzahl der tropischen Wirbelstürme deutlich erhöht ist und auch ihre Zerstörungskraft zunimmt.  Es werden Bereiche betroffen, die normalerweise von Wirbelstürmen verschont bleiben, wie z.B. die östlichen Inseln von Französisch Polynesien. Außerdem führt "El Nino" zu massenhaftem Korallensterben, der sogenannten Korallenbleiche; überall dort, wo das Wasser zu warm für die empfindlichen Lebewesen wird.


Ende des letzten Jahrtausends, als man wegen einer besonders starken Episode von El Nino begann den Ursprüngen und Auswirkungen  dieses Phänomens auf den Grund zu gehen, wusste man noch sehr wenig darüber. Auch heute ist man nicht viel schlauer.
„El Nino“ ist wohl kein Produkt der menschlichen Umweltverschmutzung, sondern ein zyklischer und natürlicher Prozess, der dem Temperaturausgleich dieses riesigen Ozeans dient. Die Häufigkeit und Stärke des unerwünschten Christkindes ist aber sehr wohl von der globalen Erwärmung beeinflusst.

Zumindest gibt es inzwischen ein Vorhersagesystem, damit die Bevölkerung in den betroffenen Regionen sich schon ein paar Monate im voraus darüber klar sein kann, dass sie wieder mal tief in der Scheiße stecken. Die Wissenschaftler und ihre Computermodelle schlugen zu Beginn des Jahres Großalarm. Ende des Jahres  sollte uns ein extremer "El Nino" heimsuchen, weil in den letzten Jahren sehr viel Wärme und damit überschüssige Energie in den Tiefen des Pazifiks gespeichert wurde, die nun nach einer Entladung sucht.


Inzwischen gibt es teilweise Entwarnung, denn viele der Alarmwerte scheinen sich beruhigt zu haben. Der offizielle Bericht sagt derzeit, mit einer Wahrscheinlichkeit von Zweidrittel voraus, dass uns ein mittelmäßig starkes El Ninjo Jahr bevorsteht.


Hier in Tonga führt das Phänomen normalerweise zu Trockenheit und kalten Wintern und das ist bereits deutlich der Fall. Mit teilweise bis zu 14 Grad niedrigen Nachttemperaturen im zurückliegenden Winter, hatten die Menschen für hiesiges Empfinden nahezu sibirische Verhältnisse. Viel Schlimmer ist, dass es seit Monaten in großen Teilen des Landes  nicht mehr richtig geregnet hat. Wir befinden uns derzeit zwar in der örtlichen Trockenzeit, aber so trocken war es schon lange nicht mehr.


Landesweit  wird die Bevölkerung bereits dringend dazu aufgerufen, Wasser zu sparen. In den Niuas,  in Haapais und in Teilen von Tongatapu herrscht bereits akuter Notstand. Einige Urlaubsresorts haben geschlossen, weil die Gäste nicht mehr duschen können. Das mag sich lächerlich anhören, aber für die Menschen hier, deren Wirtschaft zu einem sehr großen Teil von den Touristen in den zwei Monaten der Walsaison abhängig sind, ist das eine kleine Katastrophe.


Die großen Katastrophen jedoch, massive Ernteausfälle und schwere Wirbelstürme diesen Sommer, die drohen noch. Auch im Paradies machen sich die Menschen Sorgen!

Sonntag, 14. September 2014

Kalender 2015 sind da!

Michaela hat ihre berühmten Fotokalender für das kommende Jahr schon fertig!

Eine Vorschau der einzelnen Kalender gibt es in der Fotogalerie. Klickt einfach auf die Links neben den Bildern. Viel Spaß!

Freitag, 5. September 2014

Sehtest für Buckelwale

In den letzten paar Tagen war das Wetter perfekt für eine entspannte Segelreise in den Süden von Tonga. 4 Tage lang nur Sonnenschein und zwischen 10 und 15 Knoten Wind von querab - das sind traumhafte Bedingungen, die man nicht ungenutzt verstreichen lassen kann. Alita und ich wollten von Neiafu im Norden bis ganz unten nach Tongatapu in vier Tageslichtdistanzen - also mit drei lauschigen Nächten vor Anker.

Das Ganze hätte so schön relaxed sein können, wären da nicht die Buckelwale, die hier gerade die Macht übernommen haben. Man kann keine Minute entspannt segeln, ohne dass irgendwo ein brunftiges Männchen seine zig Tonnen Lebendgewicht aus dem Wasser katapultiert - Guck mal wie schön ich fliegen kann! - bevor er mit einem gewaltigen Platscher wieder ins Wasser donnert. Diese Arschbomben sind echt vom anderen Stern! Man kann die Fontäne über Meilen sehen. Oft halten die liebestollen Männchen das Boot für eine potentielle Walfreundin und kommen bedenklich Nahe, um die Lage abzuchecken, so dass man ständig Ausschau halten muss, ob sich nicht einer in den Weg wirft. Also wirklich liebe Walmänner! Alita ist ein hübsches Mädchen, aber so leicht ist sie nicht zu haben. Und man muss wirklich nicht so nah ran schwimmen, um seinen Fehler zu bemerken... ich sag nur Fielmann!

In der ersten Nacht vor Anker wurde ich dann tatsächlich nach Mitternacht unsanft geweckt, weil ein besonders gestörter Walmann mit dem Vorspiel begonnen hatte. Nur wenige Meter von Alita entfernt, schlug er unentwegt mit seiner langen Brustflosse aufs Wasser und atmete laut. Dass der Typ bei den Damen nicht so erfolgreich war und sich bei Dunkelheit an Segelboote ran schleichen muss, das wundert mich allerdings nicht. Der sollte mal seinen eigenen Atem riechen! Mit etwas Seetang regelmäßig in den Zahnzwischenräumen putzen, dann klappt's vielleicht auch mit den Artgenossinnen! Ich war jedenfalls echt besorgt, dass der richtig zur Sache geht. Da gerade kein Kondom in Walgröße bereit lag und bevor er mir noch was kaputt macht, beschloss ich ihn mit der Taschenlampe auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen. Bei Licht betrachtet wirkte Alita wohl nicht mehr so sexy, also hat er sich verzogen.

Ich kann den Frust der Männchen schon verstehen, weil so ziemlich alle weiblichen Wale mit Nachwuchs beschäftigt sind und sich nicht die Bohne für die Männchen und ihre Kapriolen interessieren. Die Mütter liegen die meiste Zeit bewegungslos im Wasser, damit ihr Kinder in Ruhe Walmilch säugen können und das ist das nächste Problem beim Segeln. Ganz anders als die Männchen, machen die Weibchen nämlich überhaupt keinen Rabatz und sind nur ganz schwer zu sehen: Schwarzer Wal treibt in dunkelblauem Wasser. Wenn da die Sonne etwas dumm steht und die Wellenkämme überall Walbuckel machen, kann man selbst so eine vollschlanke Dame leicht mal übersehen.

Also kontrolliert man voraus ständig nach Blas - das ist die Wasserdampfwolke, die mehrere Meter aus dem Wasser schießt, wenn ein Wal ausatmet. Die kleinen Wale können oder wollen die Luft noch nicht so lange anhalten, deswegen atmen sie auch immer wieder zwischendurch, während sie Walmilch trinken. So kann man sie rechtzeitig sehen und ausweichen - normalerweise. Aber manchmal sieht man sie erst recht spät und oft sind Walmutter und Kind so beschäftigt, dass auch sie das Segelboot nicht kommen hören. Einmal konnte ich erst recht spät reagieren und bin trotz Ausweichmanöver relativ nah (in dreißig Meter Entfernung) vorbeigesegelt. Das Kleine ist wohl erschrocken und statt weg von Alita zu schwimmen, kam es direkt auf uns zu - und was noch viel schlimmer war: die Mutter hinterher! Da hilft alles Ausweichen nicht, wenn die Biester Gas geben, dann sind sie innerhalb von wenigen Sekunden viel schneller als ein Segelboot. Der Tiefenmesser zeigte zwei Meter und achtzig an, also schwamm Mama-Wal zirka dreißig Zentimeter unter meinem ausgefahrenen Schwert durch - zum Glück gab es keine Berührung.

Dafür gab es vor Anker in der nächsten Nacht einen kleinen Rumms, als ich gerade schlafen gehen wollte. So als ob eine große Welle das Boot bewegt und die Ankerkette lautstark ruckt. Aber wir lagen ganz ruhig, keine Wellen und auch kaum Wind. Irgend so ein Blindfisch von Wal muss also gedankenverloren in die Ankerkette geschwommen sein. Als ich an Deck nach dem Rechten sah, hatte der Rabauke schon Fersengeld gegeben.

Für eine entspannte Fahrt bei wunderbaren Wetter, war es also ein klein wenig aufregend - aber Alita ist heil in Nuku Alofa angekommen und ich hab nur ein paar Nerven gelassen. Es war trotzdem eine wunderschöne Fahrt, die ich jederzeit wieder machen würde. Es freut mich, dass die Wale hier so zahlreich versammelt sind und es ist eindrucksvoll, wie sie ihren Urlaub hier verbringen. In der Antarktis beginnt wieder der Ernst des Lebens für sie - besonders jetzt, wo die Japaner wieder 'forschen' wollen.

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Dienstag, 2. September 2014

Reisepräsentation in München am 14.9.2014, 16 Uhr im 089

Es ist amtlich. Am 14.9.2014 zeige ich Fotos auf Grossleinwand und erzähle dabei von unserer wunderbaren Seereise von Gran Canaria bis Neuseeland. Ihr seid alle eingeladen in unsere Reisewelt mit den Geschichten einzutauchen. Kommt um 16 Uhr ins 089 (http://www.089-bar.de/) am Maximiliansplatz 5 in München. Beginn Vortrag ist 16.15. Dauer. Ca 2h. Spätestens um 18.10 müssen wir die Räumlichkeiten verlassen. Wer Lust hat, kann im Anschluss mit mir wa essen gehen. Getränke gibt es vor und während der Veranstaltung an der Bar zu kaufen. Ich hoffe, ihr kommt zahlreich und bringt Freunde mit. Ich freue mich!

Michaela

Freitag, 22. August 2014

Vollversammlung der Buckelwale

Victor ist wieder zuhause, träumt aber noch von seinen Segelerlebnissen  in Tonga. Demnächst kommt  Michaela von ihrem langen Arbeitsaufenthalt in Deutschland zurück  an Bord und ich freue mich schon sehr auf sie.

Ich habe wieder angefangen zu Schreiben und verbringe ein paar Stunden jeden Tag damit. Nach fünf Jahren Abstinenz ist die Lust wieder da mit Wörtern zu spielen und Geschichten auf Papier zu bannen. Außerdem wollen wir versuchen mit Michaelas Bildern und meinen Texten ein paar Artikel zu veröffentlichen.  Das kleine Zubrot wäre nett, weil unsere Reisekasse durch die gründliche 10-Jahres-Wartung und die kleinen Umbauten von Alita ein großes Loch aufweist.

Wir haben außerdem gemeinsam  an der Reiseplanung für das nächste Jahr gearbeitet und die Ergebnisse sind inzwischen auf der Website veröffentlicht. Die Termine bekommen eventuell noch winzige Feinabstimmungen im Detail, aber im Großen und Ganzen stehen die Törns. Wenn ihr also wissen wollt, was wir in den nächsten Monaten so treiben bzw. schon mal Interesse an gewissen Strecken anmelden wollt, dann schaut doch rein.

Die Wale haben zur Zeit hier ihre Vollversammlung. An den richtigen Ankerplätzen kann man jeden Tag große Gruppen beobachten und ein paar sind immer dabei, die wild springen und mit den Flossen schlagen. Der Nachwuchs wächst von Tag zu Tag und in wenigen Wochen werden die ersten schon den langen Rückweg in die Antarktis antreten. Die letzten Walmütter mit ihren Kindern sind aber normalerweise noch bis Oktober hier. Es ist also nicht zu spät, wenn ihr uns und die Wale noch besuchen wollt.

Sonntag, 3. August 2014

Besuch in Tonga

Seit zwei Wochen ist Victor nun zu Besuch und wir kreuzen fleißig durch
die wunderbare Inselwelt Tongas. Die erst Woche hatten wir Südwinde und
waren deshalb auf die Vava'u Gruppe beschränkt. Wir haben fast alle
Ankerplätze im Osten der Gruppe besucht, waren einige Male draußen im
Blauwasser um Fisch zum Abendessen zu fangen, sind zwischen den Inseln
gesegelt, haben Wale beobachtet und Höhlen betaucht.Den Rest der Zeit
haben wir uns mit Wandern, Schnorcheln und Schwimmen vertrieben. Victor
ist ganz fasziniert von der Klarheit des türkisblauem Wassers und dass
man selbst in 20 Meter Wassertiefe den Grund noch prima sehen kann – ein
Anblick, an den ich mich schon so gewöhnt habe, dass ich es als normal
betrachte. Ich bin schon wieder zu lange hier, wenn ich die Augen eines
Besuchers brauche, um die faszinierende Schönheit dieses Landes zu
entdecken.

In der zweiten Woche kam dann der erhoffte Windwechsel und damit die
richtigen Bedingungen für einen Ausflug in die Ha'apai Gruppe. Die
Überfahrt kann man bei Tageslicht schaffen, wenn man ein zeitig
losfährt. Wir haben die erste Chance genutzt und es war ein wenig rauh,
da sich der Wind mal wieder nicht an die Voraussage hielt und nicht ganz
so östlich blies, wie er laut dem Wettervorhersage-Computermodel
eigentlich sollte – aber dank der neuen Sprayhood blieb es im Cockpit
trocken und komfortabel.

Eine ganze Zeit lang wurden wir in den höchsten Wellen von drei
adoleszenten Walen verfolgt. Die Jungs waren so interessiert an uns,
dass ich die Fischköder einholen musste, weil ich befürchtete sie zu
verletzten. Tatsächlich kamen sie so nahe ans Heck von Alita, dass wir
sie fast hätten streicheln können.

Überhaupt muss man inzwischen ständig auf der Hut sein, dass man nicht
aus Versehen einen Wal überfährt. Die ersten Walkühe haben inzwischen
Babies bekommen und dümpeln tagelang stationär im Wasser, während der
Nachwuchs um sie herum tobt, wenn er nicht gerade gesäugt wird. Die drei
Meter großen „Kleinen" müssen in den nächsten paar Wochen viel von der
nahrhaften Muttermilch trinken, damit sie noch größer und noch stärker
werden und für den langen Rückweg in die Antarktis im October gewappnet
sind.

Wenn man ganz vorsichtig ist und gebührend Abstand hält, kann man die
Mütter mit ihren Kindern beobachten, ohne sie zu stören – zumindest
lassen sie sich hier in Tonga nicht stören, denn sie sind menschliche
Schwimmer gewöhnt. Die Haupteinahmequelle der örtlichen Tourunternehmer
ist das Schnorcheln mit den Walen, wobei die Schnorchelführer sehr drauf
bedacht sind, dass die Touristen den Walen nicht zu dicht auf den Pelz
rücken. Anbei ein Bild von Victor bei einem seiner Walschnorchelgänge.

Inzwischen sind wir wieder zurück in Vava'u, wo Victor seine letzten
Tage in Tonga verbringen wird. Immer wenn er sich darin erinnert, dass
er in wenigen Tagen in seinen Flieger zurück nach Neuseeland und dann
Deutschland steigt, wird er fast ein wenig wehmütig. Damit das nicht
passiert gibt es jede Menge Ablenkungsprogramm. Er hat gelernt zu
Skurfen – also auf einen Surfbrett hinter dem Dinghy Wasserski zu fahren
und auf Palmen zu klettern. Außerdem werden wir noch ein paar
Ankerplätze besuchen, die wir bisher ausgelassen haben, damit zu Zeit
zum Flug wie im Flug vergeht.

Dienstag, 15. Juli 2014

Die verpasste Meisterschaft

Ich bin weiterhin in Vavau, der nördlichsten Inselgruppe von Tonga und
inzwischen ganz alleine mit Alita. Letzte Woche ist der Rest der Crew
ausgestiegen, die mich von Neuseeland aus begleitet hat. Vielen Dank
nochmal auf diesem Wege anMarius und seine Kochkünste und an Matt für
seineFischkünste. Ich hab noch nie so gut und ausgiebig Fisch gegessen,
wie in den letzen Wochen!

Eigentlich wollte ich ja in der Nähe des Hauptdorfes Neiafu bleiben,
damit ich die Finalspiele der WM sehen kann. Doch da haben mir die
Tonganer bzw. die Fijianer einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die
Fernsehgesellschaft aus Fiji, die den Norden von Tonga mit
Satellitenfernsehen versorgt, hat die Vermarktungsrechte nur für ihr
Land erworben – also keine WM im Tonganischen Fernsehen! Für
Livestreaming ist das Internet hier viel zu langsam und da sich in
Ozeanien sowieso niemand genug für Fußball interessiert, um zum
Frühstück schon so viel Aufwand zu betreiben, ist die WM in Vavau
kurzerhand ausgefallen. Umso ärgerlicher für mich, dass die Bundeself
ausgerechnet dieses Jahr den Pokal holt! Aber auch wenn ich nicht dabei
sein konnte und mich sehr darüber ärgere, gratulatiere ich Allen die
durchs Mitfiebern zum Titel helfen konnten.

Statt mich über Schiedsrichterfehlentscheidungen und stolpernde Stürmer
ärgern zu müssen, hing ich also auf den gut geschützten, friedlichen
Ankerplätzen der Inselgruppe herum, genieße die erzwungene Ruhe und
schreibe. Vom gestrigen Ankerplatz aus konnte man die große südliche
Lagune einsehen, wo sich einige Male die Wale tummelten. Inzwischen sind
sie in größeren Zahlen hier. Vorgestern wurde eine Gruppe von 9 Walen
gesichtet und es werden immer mehr.

Am Wochenende kommt Victor zu Besuch, der in Neuseeland schon mal auf
Alita war. Er bringt seinen brasilianischen Freund Bruno mit, falls die
beiden nach dem Halbfinale noch miteinander sprechen! Die
Wettervorhersage sieht gut aus und wenn die Bedingungen mitspielen,
werden wir ein paar Ausflüge zu den abgelegenen Inseln machen. Ich freu
mich schon.

Anbei – falls der Upload klappt - noch ein Bild von Kalefisia, wo wir
vor ein paar Wochen waren.