Dienstag, 26. Februar 2013

Ein neues Zuhause

Heute abend haben wir das Ende der Messierstrasse erreicht und sind in den "Golfo de Penas" eingefahren. Damit sind wir zum ersten Mal seit über einem Monat wieder auf "offener" See. Ich habe ich mich selbst dabei ertappt, dass ich ohne ersichtlichen Grund etwas angespannt war. Zwar ist die große Bucht bei Seefahrern berüchtigt, weil hier hohe Wellen aus den "Roaring Forties" auf die Kontinentalplatte treffen und dadurch steiler werden. Der Effekt wird durch eine dumme Strömung noch verstärkt, die einen zu allem Überfluss auch noch Richtung Land drückt - also ein gefährliches Loch, dass selbst bei der Großschifffahrt gefürchtet ist. Aber da es schon seit Tagen kaum Wind hat und auch heute nur ein laues Lüftchen über das Wasser haucht, brauchte ich mir um schwierige Bedingungen keine Sorgen zu machen. Tatsächlich liegt der Golfo de Penas heute Nacht bei absoluter Windstillte ruhig wie ein Ententeich und dazu lacht Vollmond.
Ich glaube inzwischen, dass die Unruhe in mir einfach daran liegt, dass wir nun die geschützten Kanäle verlassen, die uns seit über einen Monat ständig umgeben. Seit Ushuaia haben wir immer Land um uns und alle paar Meter einen schönen Ankerplatz, an dem man selbst bei Sturm ruhig schlafen kann. Ich habe sie liebgewonnen, die verfluchten Kanäle, in denen Segeln praktisch unmöglich ist, weil einem Wind und Strömung ständig entgegen kommen und wenn das tatsächlich einmal nicht der Fall ist, dann ist der Wind so böig und dreht alle paar Meter wild um die komplette Kompassrose, dass man sehr bald Mitleid mit den Winschen, den Segeln und der Mannschaft hat und den Motor doch wieder anwirft.
Es ist schon komisch, wie schnell man sich an Dinge gewöhnt. Bevor wir im Januar in die chilenischen "Binnengewässer" eingefahren sind, waren wir fast ein Jahr ständig auf See und haben uns nichts dabei gedacht. Ein paar Wochen später verursacht eine offene Bucht von 60 Meilen Durchmesser einen Gedankensturm.
Die Kanäle sind in den letzten Wochen unser bezauberndes "Zuhause" geworden. Nicht nur wegen der großartigen Highlights, wie z.B. der "Gletscher Pio XI" vor dem wir gestern mit Alita fast in Ehrfurcht erstarrt wären, dessen Eiskante unseren Mast um mehr als das Doppelte überragt hat. Auch die kleinen Einblicke, die uns hier fast minütlich erfreut haben, wie z.B. windgeglättete Felsen, die vom letzten Regen noch nass, wolkenverhangen in der Sonne glitzern. Diese Schönheit lässt mich die negativen Seiten, das ständige Motoren, dass mir so tierisch auf die Nerven geht, sicher bald verdrängen, weil der glückliche Reisende alles vergisst, was im großen schönen Bild nicht so perfekt war und so von der Entdeckerlust getrieben, ständig die Liste der Dinge erweitert, die er in der Zukunft vermissen wird. Es ist wieder an der Zeit ein schönes Zuhause zu verlassen... und ich freue mich schon sehr auf das Nächste!

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Freitag, 15. Februar 2013

Die Zivilisiation hat uns zurück

Nach zwei Wochen Fahrt durch die atemberaubende Inselwelt der
chilenischen Seite Feuerlands, auf den Spuren der berühmte Beagle und so
großer Namen wie Magellan, Darwin, Drake und Fitzroy sind wir vor drei
Tagen in Puerto Natales eingelaufen – und wir sind immer noch dabei die
Eindrücke der vergangenen Wochen zu verarbeiten.

Jeder unserer Ankerplätze auf dem Weg war einzigartig schön. So schön,
dass man sich an erreichbareren Orten der Welt mit hunderten anderer
Boote um die Plätze streiten müsste. Jeder Kanal den wir befahren haben
war so malerisch, dass man eigentlich überall abbiegen müsste, um einen
Blick in jede Bucht, jeden Seitenarm und hinter jeden Hügel zu werfen -
nur wären wir dann in einigen Leben noch nicht fertig mit dem Staunen.

Bei so viel Schönheit merkt man irgendwann gar nicht mehr, was einem da
vor den Augen vorüberzieht. Jede Biegung eröffnet neue einzigartige
Eindrücke, die praktisch nahtlos ineinander übergehen und man beginnt
diese atemberaubende Natur fast selbstverständlich hin zu nehmen –
zumindest bis man ein paar Stunden Zeit hat darüber nachzudenken, was
einem da eigentlich so alles begegnet ist.

Wir hatten großes Glück auf der ganzen Fahrt. Zum einen war das Wetter
gnädig zu uns und hat uns an den kritischen Stellen nicht tagelang
warten lassen. Bis auf einen Tag ganz zu Anfang, den wir in einer Bucht
ausharren mussten, bis der Sturm über uns hinweggeblasen war, sind wir
überall schnell und problemlos durchgekommen. Auch hatten wir immer
wieder längere Phasen, wo die Sonne die ganze feuerländische Pracht
gebührend ausgeleuchtet hat – was in der regen(bogen)reichsten Gegend
der Welt bei Weitem nicht selbstverständlich ist.

Außerdem hatten wir sehr großes Glück mit unserer Crew. Alita war mit
drei Gästen – und damit insgesamt fünf Besatzungsmitgliedern – voller
denn je. Und das auf einer Strecke, in der man selten das Boot verlässt,
weil es in der dichten Vegetation der unbewohnten Inseln praktisch keine
Möglichkeit mehr als einen Schritt zu gehen, bevor man auf Hindernisse
stößt.

Unser bunter Mix aus Deutschen, Österreichern und Schweizern im Alter
zwischen Ende Zwanzig und Ende Fünfzig hat den Trip aber noch um ein
wesentliches Element bereichert. Selbst wenn das Wetter draußen sich von
seiner schlechtesten Seite zeigte, haben wir uns im warmen Inneren von
Alita prächtig vergnügt. Danke Iris, Alex und Willi – es ist auch euer
Verdienst, dass die zurückliegenden Wochen eine der schönsten Etappen
auf Alitas Reise waren.

Mittwoch, 6. Februar 2013

Der große Süden

So nennt der Chilene den südlichen Teil seines Landes, geprägt von tausenden, grünen Inseln, verbunden durch zahllose einsame Kanäle, gekrönt von majestätischen Bergen und atemberaubenden Gletschern. Eine faszinierend, rauhe Landschaft, die ihrem legendären Reiz mehr als gerecht wird - zumindest dann, wenn die Sonne scheint.
Wir sind nun seit über einer Woche im chilenischen Feuerland unterwegs und haben uns von Puerto Williams, der südlichsten Ansiedlung der Welt (die antarktischen Forschungsstationen nicht eingerechnet), bis in die Caleta Cluedo vorgearbeitet, die mitten im Inselwirrwarr liegt, etwa 150 Kilometer südsüdwestlich von Punta Arenas.
Auf dem Weg haben wir tausende Pinguine und Seevögel gesehen, dutzende von Seelöwen, die hier wie Delfine springend durchs Wasser toben, außerdem einen kleinen Wal und sogar einen großen Condor, der über einer Bergspitze kreiste. Was wir nicht viel gesehen haben, sind Menschen. Über große Strecken bekommt man noch nicht einmal eine klare UKW-Funkverbindung mit den wenigen chilenischen Küstenwachstationen, die hier fernab der Zivilisation nach dem Rechten sehen.
Einmal durften wir mit Alita zwischen treibenden Eisstücken fahren, die in der Nacht davor in einem Sturm vom Gletscher abgebrochen waren. Ein echter Highlight. Natürlich haben wir ein kleines Stück Eis geborgen und aufgetaut. Am Abend gab es dann Tortellini a la Glaciar - in tausend Jahre altem Gletscherwasser gekocht. Lecker!
Alles in Allem gefällt uns die Gegend wirklich gut. Die Kälte ist nicht so schlimm, wie wir das erwartet hatten. Entsprechend gut eingepackt, kann man es draußen den ganzen Tag gut aushalten - und abends in der Bucht wärmt sowieso die vielgeliebte Heizung. Auch der berüchtigte Wind, der hier alle paar Tage sein Unwesen treibt, ist kein großes Problem - entsprechende Planung vorausgesetzt. Dank Sailmail, sind wir auch am Ende der Welt über Grenzwellenfunk und ein Pactormodem bestens mit aktuellen Wetterinfos versorgt. Also ist es kein großes Problem immer dann in einer gut geschützten Bucht zu liegen, wenn es mal wieder pfeift.
Das einzige Problem mit der Gegend ist der häufige Regen. Egal ob Hochdruckgebiet oder Sturmtief, westlich der langen, hohen Bergkette der Anden und Cordilieren, wirft die feuchte pazifische Luft unablässig ihre nasse Last ab - auf gut deutsch gesagt: Es pisst fast andauernd. Und das ist dann auch der Grund, warum diese Gegend, trotz seiner atemberaubenden Schönheit wahrscheinlich nicht unser Lieblingsrevier wird. Was uns aber keinesfalls davon abhalten würde hier noch einmal durchzufahren - nur diesmal mit dem vorherrschenden Winden in die andere Richtung, so dass wir unseren Motor weniger strapazieren müssen.

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Donnerstag, 31. Januar 2013

Auf Darwins Spuren

Es war ein schöner Aufenthalt in Ushuaia. Die Stadt selbst ist zwar nicht gerade hübsch, aber das umgebende Feuerland ist einfach einzigartig mit seinen roten Wiesen und dem rotem Moos, den weiten, bunten Blumenwiesen die sich in den von Gletschern eingebetteten Moortälern erstrecken. Die Landschaft hier hat etwas zauberhaft mystisches, nicht zuletzt durch die dichten Flechtenweben, die überall von den Bäumen hängen und auch durch die Lichtungen voller weißer Baumstümpfe, die von Biberschäden hervorrühren.

Neben dem Sightseeing gab es auf Alitanien wieder viel zu tun auf. Die Toilettenpumpe war auf der Reise hierher kaputt gegangen und nach gefühlten hundert provisorischen Reparaturen unterwegs, war es mein dringlichster Wunsch dieses Problem aus der Welt zu schaffen. Wir haben ein paar neue Teile Drehen lassen und nun ist die Pumpe besser als zuvor.

Außerdem machten die Spanner des Zahnriemens in meinem Volvo Motor ein komisches Geräusch, das nun wieder weg ist - dank eines teueren Mechanikers und neu gefetteten Kugellagern.

Was wir leider nicht reparieren konnten, war das Getriebe unseres teuren VIP150 Bugstrahlruders. Die Firma wurde erst vor Kurzem aus der Konkursmasse des Dachkonzerns gerettet und kann derzeit noch keine Ersatzteile liefern. Mist! Ich hoffe, dass sich dieses Problem bis zum Erreichen des Trockendock in Valparaiso löst.

Ansonsten muss ich mich mal wieder über die Falschmeldungen aufregen, die auf den einschlägigen Chatsites der Weltumsegler kursieren. Ich weiß nicht was jemanden dazu bewegt seine Mitsegler mit Beiträgen zu "beraten", die schlichtweg falsch sind. So kann man dort z.B. lesen, dass Argentinien sehr teuer ist - ganz besonders Ushuaia, wo die Löhne angeblich viermal so hoch sind, wie im Rest der Welt.

Wir haben in Ushuaia nur Argentinier getroffen, die dort hingezogen sind, weil das Leben dort billiger ist. Ich weiß auch nicht, wo dieser Segler bisher unterwegs war, aber verglichen mit Europa, Cap Verden und Brasilien und auch Chile sind die Preise in ganz Argentinien inklusive Ushuaia recht günstig. Unsere Bordkasse war noch nie schmaler. Ferner empfiehlt der nette Mann in Pto. Williams einzukaufen (wo es drei Tante Emma Läden gibt, die empfindlich teurer sind) und nicht in Ushuaia (wo die großen, gut sortierte und günstigen Supermärkte sind).

Zum Glück geben wir inzwischen keinen grünen Pfifferling mehr auf das Gewäsch, was auf dieser "Mittags-Klatsch-Seite" zu lesen ist und haben bereits in Argentinien vollgebunkert. Das war eine weise Entscheidung.

Ferner konnten wir in einem anderen Beitrag auf der gleichen Website lesen, dass die Prefectura Naval in Ushuaia besonders zickig wäre und vielen Yachten ungerechtfertigt hohe Strafen aufbrummen, weil sie angeblich illegales Charterbusiness betreiben.

Nun bin ich nicht gerade ein Freund der Prefectura, die meines Erachtens hauptsächlich dafür existiert die hohe Arbeitslosenquote in Argentinien zu reduzieren. Aber so nervig und sinnlos die Auflagen dieser Behörde auch sein mögen und so sehr jeder vernünftige Mensch, der an seinem Leben hängt, inständig hofft, dass er im Seenotfall niemals auf diese Chaostruppe angewiesen ist, so muss man trotzdem sagen, dass die Beamten der Prefectura überall höflich und korrekt zu uns waren - oft sogar freundlich und überaus hilfsbereit.

Entgegen anderer Gerüchte im Seglerweb ist es auch kein Problem seine Position einmal täglich an die Behörden durchzugeben, denn alle Wege (VHF, HF, Email) funktionieren einwandfrei. Wenn man natürlich außerhalb der UKW-Reichweite der Küste fährt und es nur auf Kanal 16 probiert, oder die Emailadresse falsch abschreibt, dann muss man sich nicht wundern, dass man später Ärger bekommt. Auch in Ushuaia hatten wir nicht das geringste Problem, weder beim Ein- noch beim Ausklarieren, obwohl wir dort einen Crewwechsel hatten.

Natürlich darf es keinen Skipper wundern, dass der Staat in dem man segelt eine Art "Steuer" erhebt, wenn man mit wechselnder Crew dort ständig aus- und einfährt. Irgendwann glaubt keiner mehr, dass man das rein zum Vergnügen betreibt. Ganz ehrlich gesagt, ich auch nicht!

Wo wir dann leichte Probleme hatten war in Puerto Williams, wo laut Seglerweb die Behörden schnell und effektiv sind. Aber die Chilenen übertreiben es mit dem Papierkram und den Auflagen für Segler noch viel mehr als die Argentinier und außerdem ist der kleine Hafen hoffnungslos mit Charter-yachten überlaufen. Die paar Mitarbeiter des Hafenkapitäns waren bei unserer Ankunft mit dem Andrang etwas überfordert, weil fünf Charterachten mit bis zu neuen Crewmitgliedern zusammen mit uns am selben Vormittag ein, oder ausklarieren wollten bzw. ein Fahrtgenehmigung brauchten.

Der zuständige Mann wollte uns tatsächlich noch einen Tag warten lassen, aber zum Glück haben wir Commandante Rejes getroffen, einen ehemaligen Offizier der chilenischen Navy, der nun den Yachthafen Micalvi betreibt. Ein Anruf von ihm bei seinem Freund dem Hafenkapitän und fünf Minuten später hatten wir unsere "Zarpe", die Genehmigung in den chilenischen Gewässern in einer gewissen Zeit von A nach B zu fahren.

Mit dem Papier in der Hand hatten wir den Anker eine halbe Stunde später gelichtet und liegen nun in der Ferraribucht an den östlichen Ausläufern der Darwin-Cordilieren. Ja, der berühmte Evolutionsforscher war hier auch unterwegs, Ende des 19. Jahrhunderts auf der Beagle - dem Schiff, das dem Kanal den Namen gab.

Wir freuen uns schon sehr auf die nächste Etappe, auf der wir in dem nach Darwin benannten höchsten Gebirgszug Feuerlands, die einzigartigen Gletscher besuchen dürfen. Leider müssen wir noch bis übermorgen warten, weil es vor unserer Bucht grad mal wieder mit Windstärke 9 bläst. Aber das sind wir ja inzwischen gewöhnt.

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Sonntag, 20. Januar 2013

Im Kanal

Um es gleich vorweg zu nehmen, wir sind gut angekommen im berühmten Beagle Kanal und liegen in der Bahia Cambaceres vor Anker, einer Bucht gut 30 Meilen östlich von Ushuaia. Nein, wir frieren nicht und es weht auch nicht so, dass wir alles anbinden müssen. Ganz im Gegenteil: Der Lufthauch ist so schwach, dass mein Windmesser ihn kaum mehr beziffern kann und die Sonne brennt so herunter, dass man eine dicke Schicht Sunblock braucht, bevor man zur Abkühlung einen Fuß an Deck zu setzen wagt, denn im Inneren von Alita herrscht T-Shirt-Wetter mit 22 Grad - ohne Heizung.
So ähnlich wie es jetzt gerade ist, war auch der Trip hierher - völlig anders als erwartet. Statt der häufigen starken Winde, auf die wir uns eingestellt hatten, war fast nur Flaute angesagt. Von Puerto Desado nach Staten Island hatten wir sogar einmal den Spinaker oben, den wir dann schließlich runternehmen mussten, weil er mangels Brise zusammenfiel.
Kurz gesagt, gab es in den letzten 7 Tagen so gut wie gar überhaupt keinen Wind. Zu verdanken haben wir diese "Rossbreiten" in den Screaming Fifties zwei satten Hochdrucksystemen, die sich zu beiden Seiten von Patagonien breit gemacht haben, also sowohl im Pazifik als auch im Atlantik. Alle Tiefs, die versuchten von Westen gegen dieses Bollwerk anzulaufen, wurden schon weit draußen auf dem Pazifik abgeschmettert, bzw. südlicher als 60 Grad an uns vorbeigelenkt. Statt zur härtesten Etappe unserer Reise, wurde der Trip nach Ushuaia also zur Kaffeefahrt. Sollte Rassmus das lesen, dann soll das beileibe keine Beschwerde sein. So war es mir - und sicher auch allen anderen an Bord - allemal lieber, als bei 65 Knoten Wind ums eigene Leben bangen zu müssen.
Immerhin durften wir einmal ein bisschen daran Schnuppern, wie es hier unten auch sein kann. Auf dem letzten halben Tag vor der Einfahrt nach Puerto Hoppner auf Staten Island hatten wir die typischen 30 Knoten Wind aus West, in Böen bis 40. Da wir entsprechend vorgebaut hatten, waren wir zu dieser Zeit schon auf Raumwindkurs zum Ziel unterwegs, auf dem normalerweise Wind und Welle in der dieser Stärke kein Problem ist. Doch in der Nähe der Mairestrasse muss man mit allem rechnen und so hatten auch wir einen Schreckmoment, als eine ungünstige Strömung die ohnehin steilen und hohen Wellen zu kleinen Monstern machte.
Wie immer hat Alita auch dieses kleine Abenteuer ausgezeichnet gemeistert und uns unbeschadet zur Einfahrt unserer Ankerbucht gebracht, in der der Spuk dann gleich vorüber war. Puerto Hoppner ist ein tiefer Einschnitt in die Berglandschaft auf Staten Island, den man durch eine superschmale Einfahrt erreicht, die nur eine halbe Stunde bei Hochwasser befahrbar ist. Anschließend wird die Strömung in der Passage zu stark, bzw. mit fallendem Wasser wird die Durchfahrt zu schmal. Für den Nervenkitzel wird man dann mit einem der schönsten Ankerplätze der Welt belohnt. Es fühlt sich an, als hätte man in einem Bergsee auf 2000 Höhenmeter festgemacht. Einmalig! Bilder gibt es wie immer demnächst in der Fotogalerie.
Morgen fahren wir weiter nach Ushuaia, wo wir neben den üblichen Putz- und Servicearbeiten an Alita auch ein paar Landausflüge vorhaben. Hoffentlich bleibt das Wetter so schön…

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Samstag, 12. Januar 2013

Nächster Halt: Feuerland. Bitte anschnallen!

Nach drei Tagen in der Caletta Horno war der Wetterbericht für die Weiterfahrt sehr gut. Also sind wir zu der nächsten kurzen Etappe – nur 160 Meilen - nach Puerto Deseado aufgebrochen. Zunächst war auch alles so, wie unsere Wetterdaten versprachen. Doch je näher wir unserem Ziel kamen, desto mehr nahm der Wind zu – statt wie erwartet abzunehmen.

Auf den letzten 40 Meilen Richtung Süden wurden aus dem zahmen 15 Knoten Westwind allmählich anstrengende 35 Knoten. Zum Glück waren wir so nah unter Land, dass uns zumindest keine nennenswerte Welle zu schaffen machte. Allerdings war da das Problem der Einfahrt in den Hafen, denn die war natürlich Richtung Wind und führte außerdem durch eine Engstelle mit richtig viel Tidenströmung.

Als wir pünktlich vor Ende der Flut an der Einfahrt ankamen, blies es uns schließlich mit 40 Knoten entgegen. Die einlaufende Strömung verbesserte die Lage in keinster Weise, da starker Wind gegen starke Strömung eine fiese Welle aufwirft. Alitas 80 Pferde hatten gegen soviel Gegenwehr keine Chance. An eine Einfahrt war nicht zu denken.

Zum Glück fanden wir im „Schutz“ einer felsigen Untiefe in der Nähe der Einfahrt einen mäßigen Ankerplatz, an dem wir notfalls auch die Nacht verbracht hätten – als  plötzlich der Wind für einen ganz kurzen Zeitraum schwächer wurde. Wir nutzen diese glückliche Fügung. Da nun Wind mit der auslaufenden Strömung blies, waren die Wellen zahmer und so schafften wir es gerade eben so - trotz erneut zunehmendem Wind - bis zu unserem geplanten Ankerplatz.

Und dann ging es richtig los. Der Wind frischte letztlich bis auf 50 Knoten auf und da der Ankergrund nicht gerade optimal war ging unser Hauptanker auf Wanderschaft. Also wieder rein ins Ölzeug, raus ins Gebläse und nochmals neu Ankern; diesmal mit einem zweiten Anker, die dann mit vereinten Kräften den Naturgewalten trotzen konnten.

Am nächsten Morgen war der Spuk vorbei und in den folgenden Tagen stellte sich Puerto Deseado als kleines Juwel heraus, wie ihr in der Fotogalerie sehen könnt. Wir hatten hier ein paar wunderschöne Tage mit Temperaturen bis zu 30 Grad. Michaela war sogar im Badeanzug am Strand!

Darüber hinaus gab es hier einen schicken, nagelneuen „La Anonima“ Supermarkt, in dem wir unsere Vorräte aufstocken konnten. Nun sind die Schapps und Bilgen wieder voll mit Lebensmitteln und wir sind bereit für die nächste lange Etappe, die uns direkt nach Feuerland bringen soll – besser gesagt zur Ilha des Estados (Staten Island).

Der Wetterbericht für die nächsten fünf Tage könnte nicht besser sein, aber wir wissen ja, dass sich das Wetter hier in den Roaring Forties nicht immer an den Bericht hält. Wir sind auf (fast) Alles vorbereitet und hoffen das Beste. Drückt uns die Daumen!

Donnerstag, 3. Januar 2013

Helden 2012

Es war eine ziemlich lange Zeit in Puerto Madryn. Vom 21.12. bis 1.1. lagen Alita und ich vor diesem Touristenörtchen - fast zwei Wochen. Klar, die letzte Crew wollte Weihnachten wieder zuhause sein, die neue Crew erst nach Weihnachten anreisen.

Der Name Puerto Madryn ist ein wenig irreführend, denn der Ort hat den Namen "Hafen" nicht wirklich verdient. Bis auf zwei große Molen, die für die Großschifffahrt reserviert sind, liegt man dort einfach am Rande der riesigen Bucht vor dem Städtchen vor Anker. Wind aus allen Richtungen außer West und Südwest wirft eine ungemütliche Welle am Ankerplatz auf, was den Transfer mit dem Dinghy zum Strand zu einem Abenteur macht. Mehrmals ist das Beiboot beim Ablegen von Land von brechenden Wellen überspült worden, ich und alles Bord platschnaß geworden. Gut, dass das Wasser dort mit 15 Grad noch relativ warm ist.

Einmal konnten wir gar nicht mehr an Bord zurück. Zu hoch war die Welle am Strand. Also mußten wir die Nacht im Hotel an Land verbringen - die erste Nacht auf Festland seit Juni für mich!

Auf jeden Fall sind wir nun wieder komplett. Michaela ist von ihrem Ausflug nach L.A. zurück und unser neues Crewmitglied, Hanno, ist auch da. Mit den beiden kam ein ganzer Haufen Ersatzteile. Micha hat 65 Kilo Zeug aus USA angeschleppt und Hanno hat aus Deutschland eine neue Heizung mitgebracht.

Das war auch so eine Aktion: Ich habe in Buenos Aires festgestellt, dass meine Webasto Heizung nicht mehr funktioniert. Was tun? In Argentinien gibt es keinen Webasto Service. Eigenreparatur ausgeschlossen, da sonst Garantie verwirkt. Das Ding kurz vor Weihnachten durch die Weltgeschichte schicken, um es woanders repariert zu bekommen... aussichtslos. Ihr könnt Euch ja vorstellen wie besorgt ich war. Da stand ich nun am Tor zu Patagonien - ohne Heizung!

Also hab ich mich an die Jungs gewandt, die mir die Heizung eingebaut haben. Und was soll ich sagen: Die sind einfach der Hammer! Im Eiltempo haben sie es geschafft von Webasto eine komplette Ersatzheizung zu besorgen und diese kurz vor den Weihnachtsfeiertagen komplett mit Zollpapieren zu Hanno zu bringen. Während der ganzen Zeit waren sie super informativ, immer freundlich und in einigen Emails sogar echt witzig. Sie haben mich echt beruhigt und mir das Gefühl, dass sie das schon hinbringen werden. Und das haben sie auch. Also wenn ihr mal was komplizierteres an Bord einbauen müsst (Heizung, Klima usw.), kann ich diese Jungs nur empfehlen. Andreas Meyer von Rock`nRoll-Shipping (andreas@rr-shipping.de) und Falk und Andreas von Yacht-Comfort-Systems (falk@y-c-s.eu). Vielen, vielen Dank nochmal. Ihr seid meine Helden 2012!!

Die Ersatzteile sind bereits alle verbaut und die erste Etappe haben wir auch schon zurück gelegt. Wir liegen nun 140 Semeilen südlich von Puerto Madryn in der Caletta Horno. Das ist eine gut geschützte kleine Bucht am Ende eines versteckten Einschnittes. Die Einfahrt zwischen schroffen Felsen ist so eng, dass man kaum umdrehen könnte und auch der Ankerplatz selbst ist nicht viel größer. Ein wunderschöner Platz, mitten in der wilden Steppe Patagoniens. Bilder gibt es bei nächster Gelegenheit.

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Montag, 24. Dezember 2012

Frohe Weihnachten aus Puerto Madryn

Es war ein langer Trip von Buenos Aires hierher, nach Puerto Madryn. Dank diverser Tiefdruckgebiete, die in schneller Folge über uns hinweg, oder in unserer Nähe vorbei zogen, hatten wir teilweise etwas ungünstige und recht starke Winde. So wurden aus den geplanten 770 Seemeilen letztlich knapp 1000, bis wir wohlbehalten und etwas müde vor der kleinen Stadt am Tor zu Patagonien vor Anker gehen konnten.

Da Michaela über Weihnachten zu Ihrer Familie geflogen ist, war mein einziger Mitsegler auf dieser Etappe der Christian. Er ist netterweise ganz kurzfristig eingesprungen, als sich der ursprüngliche Törnteilnehmer plötzlich nicht mehr gemeldet hat. Allerdings konnte Christian sich gerade nur so viel Zeit vor Weihnachten frei machen, dass aus dem geplanten 14-tägigen Törn, ein Zehntagesritt wurde.

Von Argentinien hat er dabei leider nicht viel gesehen. Jeweils einen Tag Buenos Aires, San Blas und Puerto Madryn und dazwischen natürlich sehr viel Südatlantik. Es hat ihm trotzdem sehr gut gefallen, sagt er. Mir tat es aber sehr leid, dass das alles war, was ich ihm für seine Mühen bieten konnte – und dazu natürlich das Versprechen, dass er jederzeit auf Alita willkommen ist, wenn wir weniger flott unterwegs sind.

Zeitdruck ist im Südatlantik eigentlich kein guter Wegbegleiter, denn hier ziehen regelmäßig üppige Tiefdruckgebiete durch. Deswegen bietet es sich an, die Strecke in zwei bis drei Tagesritte einzuteilen und die Tiefdruckgebiete im Hafen, bzw. in Buchten abzuwettern. Die Zeit hatten wir leider nicht, aber zum Glück sah der Wetterbericht sehr gut aus.

Die ersten zwei Tage hatten wir sogar traumhafte Segelbedingungen und sind mit durchschnittlich sieben Knoten von Buenos Aires, durch den Rio de la Plata bis etwa 50 Seemeilen südlich von Mar del Plata gerauscht. Dann suchte uns allerdings eine kleine Kaltfront heim, mit starkem Gegenwind und Böen bis über 50 Knoten. Da hat uns etwas eingebremst. 

Zu zweit ist so ein mieses Wetter eine Strapaze, weil man schlecht, oder gar nicht schläft. Also haben wir uns, hinter der Kaltfront einen Tag Pause in der Bahia San Blas gegönnt, wo wir erst eine Nacht lang bei bis zu 35 Knoten Wind vor Anker lagen. Am nächsten Tag war der Wind vorüber und wir konnten den kleinen Ort besuchen, der vor Allem ein Zentrum für Sportfischer ist.

Wir wurden mit offenen Armen empfangen. In nur wenigen Stunden haben wir dort ganz erstaunliche Menschen kennengelernt. Allen voran den deutschstämmigen Apotheker Manfred und Martin, den supernetten Besitzer des Hotels San Blas (www.hotelsanblas.com.ar), der uns zunächst mit dem Auto zur Prefectura Naval gefahren und anschließend bei sich zum Essen eingeladen hat. Nettere Menschen kann man sich kaum vorstellen und wenn ihr mal in der Gegend seid, dann schaut mal bitte bei Ihnen rein und grüßt sie nett von uns.

Am Abend habe wir dann schon wieder Anker gelichtet, um prophezeiten guten Wind zu nutzen, der uns die letzten 270 Seemeilen nach Puerto Madryn tragen sollte. Leider war der Wind nicht ganz so gut, wie vorausgesagt und wir brauchten etwas länger. Was dann freilich dazu führte, dass wir kurz vor der Einfahrt in den Golfo Nuevo, die Randgebiete des nächsten Tiefs zu spüren bekamen – wieder mit Gegenwind und Gekachel, zum Glück diesmal nur 6 Stunden lang.

Als wir uns glücklich in die Einfahrt zum Golfo Nuevo gekämpft hatten, wurden wir dort von einer ganz erstaunlichen Kreuzsee empfangen, verstärkt durch die örtliche Tidenströmung, die an dieser Stelle bis zu 3 Knoten haben kann. So schön ausgeprägte und vor allem so viele Wellentürme habe ich noch nirgendwo gesehen. Es war fast als würden wir uns auf kochendem Wasser bewegen. Aber wie ich dann bei einer überkommenden Welle an den eigenen Füßen erfahren durfte, was das Wasser nach wie vor sehr kalt.

Kurz hinter der Einfahrt war der Spuk vorbei und vor uns öffnete sich der Golf vor Puerto Madryn mit Sonne, spiegelglattem Wasser und perfektem Segelwind. Alita war nicht mehr zu halten. Mit über zehn Knoten Fahrt durchs Wasser, schwebte sie durch die blaue See, ihrer wohlverdienten Pause entgegen - eingerahmt von den steilen Klippen der Halbinsel Valdez, Weltkulturerbe und Naturschutzgebiet. Nicht mal fliegen ist schöner!

Leider sind die Wale, die sich hier im Frühjahr hier aufhalten, schon weg. Es ist auch kein weiterer Seelöwe zu Besuch gekommen. Dafür haben wir schon einen Seehund, Pinguine und fast jeden Tag Delphine gesehen.

Christian ist inzwischen abgereist und ich bin die nächsten Tagen allein mit Alita. Wir beide feiern gemeinsam Weihnachten, ruhen uns etwas aus und ich hab wieder ein paar kleine Wartungsarbeiten zu erledigen. Ende der Woche kommen dann Michaela und Hanno. Wir drei fahren dann mit Alita in den Süden nach Ushuaia, in die südlichste Stadt der Welt!

Ihr hört dann wieder von mir, wenn es weiter geht. Bis dahin wünsche ich Euch allen, die meinen Blog verfolgen, ein wunderschönes, friedliches und glückliches Weihnachtsfest.
 







 

Samstag, 15. Dezember 2012

Das lachende und das weinende Auge

Gestern Nachmittag haben wir den Hafen von Buenos Aires verlassen. Das Wetter war abartig schön. Stahlblauer Himmel, erstklassiger Segelwind und kaum Welle. So sind wir schon am ersten Tag über 180 Seemeilen weiter in den Süden geglitten und bereits fast vor Mar del Plata.
Trotz des guten Wetters sind Alita und ich ein wenig traurig, weil wir auf dieser Etappe auf unsere geliebte Michaela verzichten müssen, die für zwei Wochen nach L.A. geflogen ist, um mal wieder so richtig zu Tanzen und Weihnachten mit ihrer Familie zu feiern. Es fühlt sich komisch an, nach so langer Zeit gemeinsam an Bord, nun ein Stück ohne sie zu fahren - auch wenn es zum Glück nur ein Kurzes ist.
Damit Alita und ich nicht ganz so allein sind, haben wir bis nach Puerto Madryn den Christian an Bord, der sich kurzfristig entschlossen hat zu uns zu stoßen. Nach zwei Tagen Buenos Aires und diesem wunderschönen Etappenstart ist die lange Anreise für ihn schon ganz vergessen und er fühlt er sich bereits fast wie zu Hause bei uns.
Wenn wir gerade von zuhause reden. Komischerweise bin ich auch ziemlich traurig Buenos Aires zu verlassen. Irgendwie ist diese Stadt für mich so etwas wie ein zuhause geworden, obwohl ich dort insgesamt nur etwa 6 Wochen meines Lebens verbracht habe. Schon bei meinem ersten Besuch, vor drei Jahren, hatte ich dieses vertraute Gefühl, das einem nur wenige Orte im Leben geben. Diesmal war es sogar noch stärker. Als Weltenbummler und jemand, der kein richtiges Zuhause mehr hat - außer dem schönsten Segelboot der Welt - ist man da vielleicht ein wenig empfindlicher, oder besser gesagt "empfänglicher". Es gibt nur sehr wenige Orte auf dieser Welt, an denen ich mich daheim fühle und komischerweise ist Buenos Aires näher an meinem Herzen, als meine Geburtsstadt München , wo ich ein paar Jahrzehnte verbracht habe.
Sollte ich einmal alles in der Welt gesehen zu haben, was ich noch sehen will und bereit sein mein geliebtes Nomadenleben aufgeben, dann gehört Buenos Aires sicherlich zu den Plätzen, an denen ich vielleicht länger Wurzeln schlagen könnte… vielleicht.
Da es aber noch lange nicht soweit ist, vertreibe ich nun einfach die komischen Heimatgefühle mit der Vorfreude auf Patagonien, Feuerland, Chile, die Südsee, Neuseeland und alles was danach noch kommt. Speziell auf die nächste Etappe, das wilde und bildhübsche Patagonien, freue ich mich schon wahninnig. Es ist einer meiner größten Träume im Leben diesen Landstrich mit dem eigenen Boot zu bereisen und einer der Hauptgründe dafür, dass ich heute mit Alita unterwegs bin. Die nächsten zwei Monate werden mit Sicherheit einer der größten Highlights meiner Reise… meines Lebens. Es wird sicher kein Spaziergang, aber das ist Teil der Faszination, die mich und viele andere Segler hierher treibt. Ich kann es kaum erwarten!

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Sonntag, 2. Dezember 2012

In meiner Stadt

Da sind wir nun – direkt im schicken Zentrum der besten Stadt der Welt. Alita liegt im Yacht Club Porto Madero,  mitten zwischen Wolkenkratzern direkt im Zentrum von Buenos Aires. Was für ein Gefühl! Ich liebe diese Stadt. Mit der eigenen Yacht hier zu liegen, das wird sicherlich eines der strahlendsten Highlights meines Lebens bleiben.  

Die Fahrt hierher war… abwechslungsreich. Nach einem guten Start aus Rio Grande mit ein paar Stunden schönem Wind, hatten wir die nächsten 30 Stunden fast nichts. Trotzdem kam keine große Langweile auf, denn wir hatten mit jeder Menge blinder Passagiere zu kämpfen, die sich in Rio Grande an Bord geschlichen hatten.

Dort lag die Yacht ja direkt an einer kleinen parkähnlichen Anlage und wurde von den dortigen Anwohnern scheinbar eingemeindet. Eine Spinne hat ein 30qm großes Netz zwischen den beiden Achterstagen gespannt, ein paar Ameisen haben sich im Beiboot versteckt und irgendwo hat eine Fliege ihre Eier hinterlassen, so dass unsere Antifliegenkanone fast im Dauereinsatz war.
 
Kaum waren die Insekten entsorgt, hieß uns die erste Argentiniern willkommen – eine einzelne Seelöwin, die Alita eine Weile begleitete, sich um uns herum im Wasser räkelte und uns zwischendurch freundlich anschnaubte.

Kaum hatten wir uns von all diesen Abenteuern erholt, kamen in der Abenddämmerung die ersten Gewitterwolken in Sicht. Wunderschöne, majestätische Wolkenkunst im roten Abendlicht. Micha hat wieder tolle Bilder in der Bildergalerie.

Aber es fiel uns schwer diese Schönheit zu genießen, da wir schon wussten, dass wir das Schauspiel mit einer anstrengenden Nacht bezahlen werden. Alita besteht zwar gänzlich aus Aluminium und Blitze können ihr keinen echten Schaden zufügen – wohl aber der Elektronik an Bord, der durch Überspannungen und elektromagnetische Impulse bei einem Volltreffer der Totalschaden droht. Deswegen ist so ein Gewitter auf See immer ein wenig Nervenkrieg und psychologisch anstrengend.

Dazu kommt die körperliche Anstrengung, da alle 5 Minuten die Windrichtung und die Windstärke drastisch wechselt. Auf Wache muss man also andauernd mit den Segeln „arbeiten“. Wenn man dann auf Freiwache müde in die Koje fällt, kann man trotzdem schwer schlafen, weil sich laufend die Lage im Bett ändert und die Wache an Deck bei der Bedienung der Winchen auch nicht gerade leise ist.

Als dann am späten Vormittag des nächsten Tages die Gewitter vorüber und wir so richtig übermüdet waren, begann dann die seemännisch anspruchsvolle Einfahrt in die Mündung des Rio Plata, wo es nicht nur unangenehme Wellen hat, sondern auch richtig, richtig viel Schiffsverkehr. Hier sind die größten Häfen von Argentinien und Paraguay und hunderte von Frachtern und Tankern fahren über ein Netz von Schifffahrtsstraßen aus und ein.

Im Morgengrauen des nächsten Tages waren wir dann endlich auf dem Canal Norte, der Zielgeraden in den Hafen - die eindrucksvolle Silhouette der Stadt und der untergehende Vollmond vor uns, die aufgehende Sonne hinter uns – da erwischte uns noch ein weiteres, heftiges Gewitter, das sich erst kurz zuvor, nördlich der Stadt, gebildet hatte. Blitze, Böen und Starkregen, der uns die Sicht nahm, waren nicht gerade das optimale Wetter in einen unbekannten Hafen einzulaufen.

Aber was für ein tolles Gefühl, als wir nach all diesen Anstrengungen dann im Hafen waren, die Wellen aufhören, der Wind den Atem anhielt, der Regen seinen Schleier von dem eindrucksvollen Panorama lüftete und die erwachende Stadt fast lautlos vor uns lag. Ein einzigartiger Moment!

Wir werden jetzt zwei Wochen das Stadtleben genießen und sowohl uns als auch Alita auf die harten Etappen vorbereiten, die in den kommenden Monaten vor uns liegen. Von mir hört ihr also erst wieder, wenn wir auf dem Weg nach Puerto Madryn sind. Ich bin beschäftigt!