Freitag, 13. September 2013

Luxus

Fast ein halbes Jahr ist es nun schon her, dass wir den südamerikanischen Kontinent verlassen haben und seitdem sind wir in der Inselwelt der Südsee unterwegs. Palmen, Strand, türkisblaues Wasser und sehr, sehr viel Zeit… das gibt es für uns seitdem im Überfluss. Und weil das zuhause als der Inbegriff von Luxus gilt, scheinen viele zu denken viele wir leben hier in Saus und Braus. Emails an uns beginnen mit den Worten „ihr sitzt sicher gerade am Strand und schlürft einen Fruchtcocktail…“ – Ja ja, schön wär’s!

Viele scheinen nicht zu wissen, dass auf den flachen Inseln der Südsee außer Kokosnuss praktisch  nichts angebaut werden kann. Auf den höheren Vulkaninseln ist Ackerbau zwar theoretisch möglich. Aber die Plätze sind rar, wo der Boden eben genug ist. Außerdem fehlt dann oft das nötige Wasser. Das Obst und Gemüse was unter diesen schwierigen Bedingungen hier in der Südsee wächst, ist für den Eigenbedarf bestimmt und selbst wenn die Insulaner davon etwas verkaufen, dann wissen sie wie rar ihr Produkt ist und rufen entsprechende Preise auf.

Im Prinzip ist also alles, wirklich ALLES, was man hier in der Südsee konsumiert, per Schiff und/oder Flugzeug importiert. Je nachdem wie abgelegen man unterwegs, steigt die Anzahl der Schiffe und Flugzeuge, die für den Transport der Güter notwendig waren und damit auch die Zeit, die die Ware unterwegs ist. Eine ununterbrochene Kühlkette ist jenseits der ganz großen Inseln nicht mehr möglich, bzw. unbezahlbar. Das schränkt die Auswahl der Waren in den Läden weiter ein und der Preis… ja der Preis!

Reden wir mal bitte nicht von frischen Früchten - das ist ohnehin völlig illusorisch! Bleiben wir bei den Grundnahrungsmitteln. Ein kleines Glas Nutella hat auf den Tuamotus €7,- gekostet, eine Dose Bier €2,50. Eine Packung Corn Flakes kostet auf Samoa €10,-. Nur mal so als Hausnummer. Das ist der Grund, warum die Einheimischen praktisch ausschließlich von Fisch und Kokosnuss leben - die einzigen Lebensmittel, die hier günstig sind. Aber auch Fisch ist nicht mehr unproblematisch, weil dank der Perlenzuchten viele Atolle mit der Ciguatera-Alge belastet sind, welche die einfach zu fangenden Rifffische für den Menschen giftig macht. Der Hochseefischbestand ist jedoch von den asiatischen Fangflotten so stark dezimiert, dass es den Insulanern bereits schwer fällt Thunfische oder Makrelen zu fangen.

Ich bin sicher, dass die Gäste in den Vielsterne-Luxus-Hotels von diesen Problemen im Paradies  keinen blassen Dunst haben und gern jeden Abend ihren Fruchtcocktail am Strand schlürfen. Natürlich kostet so ein Tag in einer kleinen palmenblattgedeckte Standardreihenbambushütte auf türkisblauem Wasser mal eben $2.000,- aufwärts. Die geräumigere und privat gelegenere Honeymoon-Hütte schlägt mit schlappen $10.000,- pro Tag zu. Bei diesen Preisen fallen natürlich zwanzig Dollar für ein kühles Glas importierten Fruchtsaftcocktail auf der Zimmerrechnung nicht weiter auf. Wir Segler trinken stattdessen unser selbstgemachtes Wasser was wir mithilfe von Solarstrom in der Meerwasserentsalzungsanlage gewinnen und reichern dieses mit Mineralstoffen in Pillenform und Bier in homöopathischer Dosis an.

Tatsächlich haben sich fast alle unsere Besucher nach ein paar Wochen in der Südsee sehr auf ihren Supermarkt zuhause gefreut und auch auf Ali, den freundlichen Dönermann an der Ecke. Diese beide im Verbund scheinen die Gelüste unserer Freunde effizienter befriedigen zu können, als wir das hier auf Alita in der wunderschönen Fototapeten Landschaft der Südsee vermögen.

Da sieht man mal wieder, wie relativ das Leben ist. In Deutschland ist der polynesische Palmenstrand Luxus. Bei uns, an eben diesem Strand, wäre ein ganz normaler Aldi fast wie das Paradies. Warum ist es nur so, dass der Rasen beim verdammten Nachbarn immer so viel grüner ist!
Fruchtcocktail hin oder her - wir sind in den letzten Wochen recht luxuriös durch die Cook Inseln gesegelt, haben es uns auch ohne Aldi im himmlischen Aitutaki und im sagenumwobenen Suwarrow gut gehen lassen. Gestern sind wir dann in Apia auf West Samoa angekommen, was früher mal deutsche Kolonie war. Die germanischen Wurzeln kann man immer noch deutlich spüren, an der außerordentlich aufwändigen Bürokratie bei der Einreise. Hier müssen fünf Behörden an Bord kommen und solange nicht alle da waren und mit allem glücklich sind, darf eigentlich keiner der Besatzung von Bord gehen. Ich sage eigentlich, weil die Samoaner, obwohl sie sehr bürokratisch sind, auch sehr menschlich sind. Und so bekommt man als Kapitän eben eine kleine Rüge, wenn sie dich dreißig Stunden nach der Ankunft alleine an Bord antreffen, weil die Crew, die in wenigen Tagen nach Deutschland zurückfliegt, natürlich längst die Insel besichtigt, weil sie keine Zeit für die lästigen Buchstaben des Gesetztes hat. Man muss sie einfach gern haben!

Dienstag, 13. August 2013

Au Revoir Baguette

Wir sind am äußersten westlichen Rand von Französisch Polynesien, auf Maupihaa (Maupelia) angekommen und fühlen uns auf mehr als eine Art wieder auf die Tuamotus zurück versetzt. Hier fehlt erneut die vulkanisch, grünschwarze Insel in der Mitte des Atolls. Es gibt nur den Kranz von palmengekrönten Sandinseln außen herum. Und es fehlt zum Glück auch völlig der touristische Trubel, der die Society Inseln so gequält hat, und damit auch die einhergehenden vielen gestressten Menschen.

Zuletzt hat es uns ja doch noch erwischt. Ausgerechnet mitten im Inbegriff der paradiesischen Südsee, dort wo man es am wenigsten erwartet, auf der endlosen türkisblauen Badewanne im östlichen Bora Bora, hat man mir meine Hochseeangel aus der Halterung am Heckkorb geklaut, woraufhin ich die örtliche Wirtschaft mit einer Spende von knapp €400,- für entsprechenden Ersatz unterstützen musste.

Auf unseren Besuch in Maupiti mussten wir leider verzichten, da uns der Wetterbericht in die Irre geführt hat. Statt einer lauen Brise aus Ost, wie vorhergesagt, blies ein Starkwind aus Südost und damit war die berüchtigt schwierige Einfahrt voll auf der Wetterseite und völlig unbefahrbar. Während wir uns die Durchfahrt aus scheinbar sicherer Entfernung von gut 300 Metern genau ansahen und die schicken Surferkäme bewundert haben, die sich genau dort bildeten, wo wir hätten durchfahren sollen, überraschte uns eine besonders große Welle von hinten und brach sich bis in unser sonst so trockenes Mittelcockpit. Spätestens jetzt war klar, dass wir eine Einfahrt nicht wagen werden. Also haben wir die Segel wieder gesetzt und sind weiter nach Maupihaa gefahren.

Diese Atoll gibt zwar optisch nicht ganz so viel her wie Bora Bora, aber es gefällt mir- nicht nur wegen des ärgerlichen Ereignisses dort - trotzdem sehr viel besser. Die Ruhe hier ist eine Wohltat nach dem Trubel, den die permanente Flut von Flitterwöchlern auf Bora Bora verursacht. Auf den letzten hundert Seemeilen haben wir die Zivilisation, die Supermärkte, Restaurants, Veranstaltungen und den Großteil der anderen Segler zurück gelassen. Dafür haben wir Ruhe und Ursprünglichkeit wieder.

Was wir außerdem zurückgelassen haben ist das Baguette - wohl für eine lange Zeit. Wir werden es vermissen, das leckere, knusprige Stangenweißbrot, das es selbst auf den abgelegenen französischen Inseln zu kaufen gibt. Nun kommen wir nach Cook Island, die unter neuseeländischem und damit englischem Einfluss stehen - also lukullisches und bäckerisches Entwicklungsgebiet.

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Montag, 5. August 2013

Die Gesellschaftsinseln

Sie sind sehr schön, die Gesellschaftsinseln. Nicht umsonst sind Tahiti und Bora Bora fast weltweit jedem ein Begriff. Aber auch die unbekannteren, wie Moorea, Huahine und Raiatea haben ihre Reize. Anders als die Tuamotus, haben die Atolle auf den Gesellschaftsinseln nicht nur viele, kleine Korallensand- und Plameninseln am Riff außen herum, sondern zusätzlich in der Mitte noch mindestens einen großen, grünen Vulkanberg. Das sieht nicht nur auf Fotos gut aus. Man kann hier auch ein bisschen mehr unternehmen, wie z.B. Radeln und Wandern.

Und weil die Inseln so schön und vielfältig sind, trifft man hier auch wesentlich mehr Menschen. Hier lebt die große Mehrheit der Bevölkerung von Französisch Polynesien und natürlich sind hier auch die meisten Besucher - und damit hat man hier auch das größte touristische Angebot. Angefangen von jeder Form von Surfen, über Jetski, Helikopter, U-Boot, bis hin zu riesigen Meerwasseraquarien in denen man Schnorcheln kann und eingesperrten Delphinen mit denen man schwimmen kann, ist hier alles und noch viel mehr möglich. In dem bunten Zirkus wundert es dann auch nicht weiter, dass sich Herr Abramovish in der Gegend mit seiner ungewöhnlichen Yacht "A" herumtreibt.

Wir haben uns noch immer nicht ganz an den "Trubel" gewöhnt, obwohl Tahiti und damit das dichteste Gewühl bereits hinter uns liegen. Nachdem wir von dort aus der Marina Taina geflohen waren, haben wir Moorea besucht, die wahrscheinlich schönste Insel der Gegend. Wir waren auf Huahine, der freundlichsten und in Raiatea, der vielfältigsten Insel. Nun sind wir auf der berühmtesten Insel eingetroffen: Bora Bora.

Natürlich war jede atemberaubend schön, wie ihr auf den Fotos sicher schon gesehen habt - wobei ich zugeben muss, dass nach drei Monaten Palmen, Strand und türkisblauem Wasser bei mir ein gewisser Gewöhnungseffekt eingetreten ist und ich das Paradies gar nicht mehr gebührend bestaunen kann.

Und da wir gerade vom Sündenfall sprechen: Hier auf den bevölkerungsreicheren Inseln des Paradieses ist deutlich zu beobachten, wie die globale Krise und stark zurückgegangene Besucherzahlen bei den freundlichsten und entspanntesten Menschen der Welt, schnöden westlichen Stress auslösen kann. Vereinzelt kommt es wohl bereits zu Diebstählen auf Yachten, was in einer Kultur, wo der eigene Status davon abhängt, wie reichlich man seine Gäste beschenkt, durchaus bemerkenswert ist. Noch Erstaunlicheres ist Freunden von uns widerfahren, die von fünf stämmigen Insulanern genötigt wurden Fotos von brechenden Wellen aus ihrer Kamera zu löschen, weil die Einheimischen die Existenz "ihres" Surferspots geheim halten wollten.

Uns ist zum Glück nichts Negatives wiederfahren und unser größtes Problem war, dass die letzten Wochen überraschend windig daher kamen. Im südlichen Pazifik hatte sich ein großes und kräftiges Hochdruckgebiet breit gemacht und das hat hier oben in den tropischen Breiten zu zwei Wochen kräftigem Wind aus Ost und damit auch zu ordentlichen Wellen geführt. Die meisten Yachten haben sich in dieser Zeit kaum aus dem Schutz der Atolle bewegt. Wir mussten raus, um unseren Zeitplan einzuhalten. Zum Glück sind die Distanzen zwischen den Gesellschaftsinseln nicht sehr groß, so dass wir nicht allzu lange durch geschaukelt wurden.

Nun freuen wir uns auf eine Woche mit lauem Wind und auf unseren nächsten Gast, der mit uns zu den Cook Inseln segeln wird. Endlich mal wieder eine längere Etappe. Ich hoffe, ich weiß noch wie das geht!

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Donnerstag, 18. Juli 2013

Abschied auf Tahiti


Es war eine schöne, geruhsame Reise durch die Tuamotus von Französisch Polynesien. Nach meinem letzten Eintrag aus dem wunderschön einsamen Atoll Tahanea, wo wir mit diversen befreundeten Yachten insgesamt elf Tage verbrachten,  waren wir anschließend noch im Atoll Fakarava.

Fakarava ist sowohl touristisch erschlossen als auch Teil der internationalen Barfußroute und des amerikanischen Puddle Jumps (so etwas wie die ARC, nur für den Pazifik). Kein Wunder also, dass dort mehr Menschen und vor Allem viel mehr Segelboote anzutreffen sind. Eine gute Gelegenheit sich wieder an den Trubel zu gewöhnen, was uns nach ein paar Monaten Abgeschiedenheit relativ schwer fällt.

Ungünstige Wetterbedingungen zwangen uns dann fast eine Woche dort auszuharren, obwohl wir dort nur ein paar Tage bleiben wollten. Aber eine heftige Front machte uns einen Strich durch die Rechnung und führte erst zu Starkwind aus Nord und dann zu einer steifen Brise aus Süd, was wohl einige der  Barfußsegler völlig überrascht hat. Sie fühlten sich innerhalb des Atolls offenbar so sicher, dass sie die Wettervorhersage nicht verfolgten. Dummerweise erstreckt sich Fakarava über dreißig Meilen von Nord nach Süd, was bei stärkeren Winden entlang der Achse selbst innerhalb des Riffs auf der windabgewandten Seite zu hohen Wellen führt.

Während wir uns bei Nordwind im Schutz des nördlichen Riffs befanden und mit der Winddrehung nach Süden umzogen, um dort wieder optimal geschützt zu sein, fuhren einige Boote andersherum, bzw. bewegten sich gar nicht. Bei den Meisten führte das zum Glück nur zu einigen rauhen Stunden und intensiver Ankerwache. Bei zwei Booten jedoch, deren Kette sich in den Korallen verhängt hat, hat es die Ankerwinch herausgerissen und ein weiterer Unglücksrabe hat seinen Anker sogar ganz verloren und wurde auf das Riff gespült. Ein Loch mit einem halben Meter Durchmesser und diverse Risse in der Außenhülle waren die Folge. Zum Glück wurde niemand verletzt.

Während jeweils am anderen Ende des Atolls das Drama tobte, verbrachten wir ein paar entspannte Tage zu zweit, nachdem unser Besuch nun wieder nach Deutschland abgereist ist, wo er nach acht Wochen Fisch gerade einen deftigen Schweinebraten geniest – wir sind hier nur ein bisschen neidisch, ein ganz klein bisschen!

Ich habe in dem Skipper einer befreundeten Yacht einen erfahrenen Tauchpartner gefunden, mit dem ich gemeinsam den Drifttauchgang in berühmten Süddurchfahrt von Fakarava wagen konnte, wo man in glasklarem Wasser die bunte Korallenvielfalt, viele große Fische und natürlich jede Menge der allgegenwärtigen Haie bewundern kann.

Als sich das Wetter endlich beruhigt hatte, sind wir weiter nach Tahiti, wo uns der „Stress“ nun gänzlich zurück hat. Hier auf der großen Insel ist das Leben fast europäisch hektisch, die Behörden wollen ihren Papierkram erledigt wissen, unsere leeren Proviantkammern wollen mit „erschwinglichen“ Lebensmitteln gefüllt werden und außerdem findet man in Papeete die einzigen Bootsbedarfsläden in mehr als eintausend Seemeilen Umkreis. Die Kombination dieser Umstände und die Tatsache, dass man die schöne Insel auch ein wenig besichtigen will, führt zu langen Tagen und wenig Schlaf.

Dabei hatten wir uns mit Port Phaeton, am abgelegenen Südende von Tahiti Nui noch die ruhigste Ankerbucht ausgesucht, weil wir dort mit allen unseren neuen Segelfreunden, denen wir auf den Gambier Inseln begegnet waren und die uns auf dem gemeinsamen Weg durch die Tuamotus immer wieder begleitet haben, auf ein letztes Treffen verabredet waren. Es waren tolle Wochen mit tollen Leuten und wir waren ein bisschen traurig, als wir uns gestern bei einer letzten abendlichen Zusammenkunft verabschieden mussten. Wir werden uns mit Alita in den nächsten Wochen wieder wesentlich schneller durch die Inselwelt bewegen, als unsere dümpelnden Freunde, so dass wir diese erst wieder kurz vor Neuseeland treffen werden.

Nun liegen wir am Ankerplatz vor der Marina Taina, in der Nähe von Papeete, zusammen mit über einhundert anderen Yachten, die sich auf engstem Raum quasi stapeln. Der Funkverkehr auf Kanal 16 ist ununterbrochen und jede Minute fährt ein Motorboot vorbei. Hilfe! Nur gut, dass wir morgen schon weiterfahren nach Moorea, wo es hoffentlich ein klein wenig ruhiger ist.

Samstag, 22. Juni 2013

Ein Paradies im Paradies

Vor einer etwa zwei Wochen haben wir das traumhafte Amanu verlassen und einen kleinen Abstecher ins Nachbaratoll Hao gemacht, um dort Proviant aufzustocken. Hao war früher eine Nachschubasis des französischen Militärs, als die großen Jungs noch mit Atombomben in Murorora und Fangataufa gespielt haben. Die Basis wurde schon vor vielen Jahren aufgegeben, aber leider finden derzeit die Abrissarbeiten statt und es empfing uns eine große Wolke Betonstaub, die uns nach kurzer Zeit wieder von dort vertrieb.

In der Folge steuerten wir das Atoll Makemo an, wo uns ein blitzsauberes Städtchen mit einem bemerkenswert großen Leuchtturm und einem schicken Pier erwartete. Dort haben wir auch bisher das schnellste Internet und die bestsortiertesten Supermärkte in Französisch Polynesien gefunden. Eigentlich wollten wir ein paar Tage länger bleiben, aber aus unerklärlichen Gründen, die wohl mit kalten Meeresströmungen zusammenhängen, hält sich der Wind in Makemo selten an die Wettervorhersage und bläst viel stärker, als im Rest der Tuamotus. In der extremsten Nacht, in der ein laues Lüftchen mit 10 Knoten aus nördlichen Richtungen vorhergesagt war, hatten wir stattdessen eine steife Brise aus Südost mit Böen bis zu 40 Knoten. Obwohl uns das Atoll und seine Ankerplätze wirklich gut gefallen hätten, trieben uns die widrigen Windverhältnisse weiter und so landeten wir im Atoll Tahanea - und damit direkt in einem weiteren Highlight der Reise.

Hier liegen wir mal wieder im Schutz einer sandgesäumten Palmeninsel in türkisblauem Wasser, was an sich nichts Besonderes mehr ist. Aber hier sind die Inseln noch schöner, das Wasser noch kristallklarer und die Aussicht noch postkartiger. Es gibt hier (wie fast überall außer Hao) keine Mücken, noch nicht einmal Fliegen und selbst die allgegenwärtigen Riffhaie machen sich in Tahanea so rar, dass man sogar in Ruhe ein paar Fische fangen kann, ohne dass sie einem den Fang streitig machen. Außerdem kann man hier Langusten und Muscheln finden, so dass regelmäßigen Diners mit köstlich frischen Meeresfrüchten nichts im Wege steht.

Ich denke es ist keine Überraschung, wenn ich Euch sage, dass wir hier noch ein bisschen bleiben werden.

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Mittwoch, 5. Juni 2013

Tuamotus

Fast habe ich ein schlechtes Gewissen, dass ich so lange nichts geblogt habe. Anderseits genieße ich den Urlaub am Ende der Welt vom Rest der eben selben viel zu intensiv. Dazu kommt, dass es nicht wahnsinnig viel zu erzählen gibt.
Wir treiben uns immer noch in Französisch Polynesien herum, genauer gesagt im Atoll Amanu, mitten in den Tuamotus. Hier gibt es keinen Flughafen und deswegen ist man ganz weit weg von Allem und Jedem, ausgenommen von ein paar Einheimischen und wenigen Seglern. Ich genieße die Abgeschiedenheit und die Ruhe sehr. Es tut gut, dass wir ausnahmsweise mal keine Pläne haben und keine Seemeilen zurücklegen müssen. Ich stehe morgens auf und finde mich vor der schweren Entscheidung, ob ich nun im kristallklaren, türkisblauen Wasser bade, fische oder schnorchle. Alternativ könnte ich auch zu Fuß eine Palmeninsel oder das Außenriff erkunden, Strandgut sammeln und frische Kokosnüsse schlürfen. Und wenn ich an einem Ankerplatz alles das gemacht habe, dann fahren wir einfach ein paar Meilen weiter, wo es genauso, oder sogar noch schöner ist. Es ist fast paradiesisch und wenn ihr Euch einfach die Fotos in der Bildergalerie anseht, dann wisst ihr was ich meine.
Ein besonderes Highlight der letzten Wochen war mit Sicherheit die Hochzeit in dem kleinen Dorf in Amanu, zu der wir eingeladen waren. Die Festivitäten zogen sich über einen ganzen Tag, mit Stadesamt, Kirche, Taufe und gemeinsamen musizieren. Abends wurde dann feierlich der Erdofen geöffnet und es gab Schwein und Fisch für das ganze Dorf und auch für uns paar Segler.
Wie überall in Polynesien sind die Menschen auf Amanu unglaublich freundlich und freigiebig. Sie schenken uns Muschelketten, laden uns zum Feiern und Trinken ein und es fällt uns mit unseren bescheidenen Bordmitteln wirklich schwer uns entsprechend zu revanchieren.
Auch erwähnenswert ist das sogenannte Sternriff, ein ganz besonderer Ankerplatz hier in Amanu. Fast direkt in der Mitte des Atolls ist eine Korallenformation die von ihrem Zentrum drei Arme fast symetrisch nach außen streckt, wie Lichtstrahlen eines Sterns. Auf der einen Seite des Sterns kann man in seichtem Wasser auf weißem Sand ankern. Versteht sich von selbst, dass dieser Platz ein erstklassiges Schnorchelrevier ist und es fühlt sich irre an, ganz allein so weit draußen in nur drei Meter Wassertiefe zu liegen, umgeben nur von Fisch und Korallen.
Der einzige Wermutstropfen im Paradies von Amanu sind die vielen Riffhaie, die sich überall herum treiben. Eigentlich bin ich ja ein Freund dieser hübschen Fische und sehe sie mir beim Schnorcheln gerne an, wie sie majestätisch durchs Wasser gleiten. In der Größe in denen sie uns hier begegnen, bis maximal eineinhalb Meter, muss man vor den Tieren auch keine Angst haben, wenn man gewisse Spielregeln befolgt.
Leider haben sich die lieben Haie aber seit Neuestem darauf verlegt mir immer dann, wenn ich einen besonders schönen Fisch an der Angel habe, diesen direkt vom Hacken zu fressen, bevor ich ihn an Land bzw. ins Boot bringen kann. Das ist in den letzten Tagen bereits zweimal passiert und hat einerseits dazu geführt, dass wir keinen frischen Fisch zum Abendessen genießen durften haben und anderseits dass meine freundschaftlichen Gefühle gegenüber dem Kollegen Hai wesentlich abgekühlt sind.
Wir werden sehen, wie diese (Liebes-)Geschichte weiter geht und natürlich werde ich hier darüber berichten, genau wie über alles andere Interessante, das uns so wiederfährt. Ihr verpasst ganz bestimmt nichts Wichtiges, auch wenn zu befürchten ist, dass sich die Frequenz meiner Blogbeiträge in nächster Zeit nicht wesentlich erhöhen wird - schaut Euch einfach nochmal die Bilder an und verzeiht mir.

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Sonntag, 5. Mai 2013

Aloha Südsee

Vor ein paar Tagen sind wir angekommen, in der Südsee. Dort wo die palmengesäumten Strände und das türkisfarbene Wasser zuhause sind, wo die Menschen überaus freundlich sind und alle ganz viel Zeit haben. Hier lassen wir die nächsten 6 Monate die Seele mit uns in der Hängematte baumeln und fünf gerade sein.
Unser Einklarierungshafen im Paradies sind die Gambier Inseln in Französisch Polynesien, genauer gesagt die Polizeistation im Örtchen Rikitea auf Mangareva. Bevor wir aber dort hingelangen, jagt uns Alita nochmal einen kleinen Schreck ein.
Als wir nämlich vor dem Riff den Motor anwerfen, ertönt plötzlich der Öldruckalarm. Also Motor schnell wieder aus und erst mal Lage checken. Öl ist drin und auch sonst scheint alles normal. Höchstwahrscheinlich ein elektrisches Problem, aber hier am Arsch der Welt will ich kein Risiko eingehen. Der Wind ist günstig, also segeln wir an unseren Ankerplatz, durch teilweise sehr enge Riffpassagen. Das ist nur möglich, weil sowohl die Seekarte als auch die Betonnung hier ganz ausgezeichnet sind, dank der Franzosen und ihren Atomtests (hier war die Beobachtungszentrale). Jeder Korallenkopf innerhalb des Riffs ist einzeln kartographiert. Ganz erstaunlich! Vor allem wenn man aus Chile kommt, wo das wahre Leben um bis zu drei Kilometer von der Seekarte abweichen kann.
Am Ankerplatz angekommen feiern wir erst einmal die geglückte Pazifiküberquerung. Das Einklarieren ist ganz problemlos (nur einen Zettel ausfüllen und dann selbst zu Post bringen). Genauso ist die "Motorreparatur" letztlich ein Kinderspiel. Obwohl ich erst vor 10 Motorstunden in Puerto Montt das Öl gewechselt habe, mache ich das nochmal. Das Öl ist recht schnell, sehr schwarz geworden und ich befürchte die chilenische Ölqualität ist schlecht. Zum Glück habe ich noch 10 Liter gutes Öl und diverse Ölfilter an Bord. Dann noch schnell den Öldruckschalter aus- und wieder einbauen, diverse Kontakte und Stecker mit Kontaktspray benebeln… und Alita ist wieder glücklich. Und wir erst!
Seither erforschen wir Land und Leute. Erst sind wir etwas verwundert, dass es hier nirgendwo frisches Obst oder Gemüse einzukaufen gibt, bis wir feststellen, dass man lediglich bei den netten Polynesiern zuhause nachfragen muss. In deren Paradiesgärten wachsen zuckersüße, riesige Grapefruit, Brotfrüchte, Papayas, Goyabas, Bananen, Kokosnuss und wenn man höflich bittet, geben sie einem gern und reichlich - so viel, dass man es kaum tragen kann.
Natürlich gib es hier auch eine Bäckerei in der man täglich frisches, knackiges Baguette bekommt. Sonst nichts. Klar, wir sind schließlich in Frankreich.
Nach ein paar Tagen Erholung in Rikitea haben wir dann wieder den Anker gelichtet und sind ein bisschen im Atoll herumgesegelt, haben kleine, menschenleere Paradiesinseln mit weißen Stränden für uns erobert und schnorchelnd und spazierend ein wenig die Natur erforscht. Das werden wir die nächsten Tage weiter machen, bis in einer Woche der Sebastian ankommt, der mit uns auf der nächsten Etappe zwei Monate lang die gesamten Tuamotus unsicher machen wird.
Unser anderer Dauergast, der eigentlich noch bis nach Neuseeland mitfahren wollte, hat uns hier verlassen. Das Leben auf dem Segelboot war ihm wohl letztlich doch zu langweilig und man muss auch ganz ehrlich sagen, dass wir nicht so gut zusammen gepasst haben. Obwohl er wirklich ein sehr netter Mann ist und sehr gut deutsch gesprochen hat, gab es immer wieder kulturelle und kommunikative Missverständnisse und eine locker flockiger Umgang miteinander ist nur schwer möglich, wenn bei der Übersetzung ein Großteil der Message verloren geht.
Aber wir haben von Anfang an gewusst, dass so lange miteinander zu segeln durchaus schwierig sein kann und bereits zu Beginn ausgemacht, dass unsere Vereinbarung von beiden Seiten jederzeit kündbar ist. Nun gehen wir rechtzeitig und in Frieden auseinander, bevor es zum Streit kommt. Wenn man bedenkt, dass sich andere Crews innerhalb von drei Wochen auf einer Atlantiküberquerung so sehr zerfleischen, dass es zu Mord und Totschlag kommt, dann sind wir in den letzten 7 Wochen über den Pazifik ganz ausgezeichnet miteinander ausgekommen.

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Freitag, 26. April 2013

Pitcairn

Seit wir die Osterinsel verlassen haben, sind wir gut 8 Tage und über 1100 Seemeilen unterwegs. Am Anfang ging es zügig voran, dann kurz vor Ducie Island (die ebenfalls zu den Pitcairn Islands gehört) hatten wir einen Tag lang Flaute.
Eigentlich wollten wir versuchen auf Ducie anzuhalten, aber trotz der Windstille war es unmöglich sich der Inseln zu nähern. Riesiger Schwell aus Süd stand auf der einzigen Stelle, die auf der Karte wie eine Einfahrt ins Riff aussieht und wunderschöne vier Meter hohe brechende Surferwellen waren dort. Keine Chance auf Einfahrt und wahrscheinlich wäre das Wasser auch ohnehin zu seicht gewesen.
Es gibt schon einen Grund, dass auf der Seekarte von Ducie keine Tiefenangaben sind. Wahrscheinlich war da noch nie einer drin, weil die Bedingungen nur an wenigen Tagen im Jahr geeignet dort mit einem kleinen Boot hinein zu kommen. Und sollte man wirklich mal drin sein, muss man Angst haben bei aufkommenden Südschwell mehrere Monate warten zu müssen, bis man wieder rauskommt.
Vor dem Riff wollte ich nicht Ankern, denn das hätte bedeutet viele Korallen zu zerstören. Also ging es ohne Stopp weiter mitten in eine sich auflösende Occlussions-Front hinein, Richtung Pitcairn Island. Mit 35 Knoten achterlich ging es bei gänzlich bedecktem Himmel recht flott voran. Leider hatten wir dazu eine blöde Kreuzsee und ordentliches Geschauckel.
Nach einer sehr ungemütlichen Nacht wurde das Wetter und die Wellenbedingungen immer besser, der Wind hielt aber an und so kam bereits heute Morgen zum Frühstück Pitcairn Island in Sicht. Wie sich aus der Nähe heraus stellte, ist es eine wirklich schöne kleine Insel und die Bewohner in Adamstown scheinen ebenfalls sehr nett zu sein. Zumindest konnten wir das vom Funkverkehr erahnen, auf dem eine Inselparty für ein französisches Navyschiff organisiert wurde.
Leider hatten wir wieder Pech, denn wegen des starken Ostwindes, gepaart mit Schwell aus SW und SO war Ankern vor der Insel so gut wie unmöglich. Außerdem konnte das örtliche Wassertaxi bei den Bedingungen nicht fahren, und damit war uns die einzige Chance verbaut dort an Land zu kommen.
Wir wollten wirklich sehr, sehr gerne Pitcairn Island sehen, denn so oft kommt man im Leben dort nicht vorbei. Aber ohne Aussicht auf Wetterbesserung die nächsten vier Tage an einem extrem ungemütlichen Ankerplatz ausharren? Nein. Das wollten wir auch nicht.
Also sind wir schweren Herzens weitergefahren. Noch zwei Tage, dann sind wir auf Mangareva und dürfen endlich mal wieder an Land. Dort ist die Einfahrt auf jeden Fall möglich.

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Dienstag, 16. April 2013

Moai! Überall Moai!!!

Die Osterinsel erfüllt eigentlich alle Erwartungen, die man an sie stellt. Sie ist wahnsinnig grün, fast neongrün, was sich schön mit den roten Felsen beißt. Und sie ist total weit ab vom Schuss. Bis auf die Pitcairn Inseln, wo wir als nächstes hinfahren, ist keine weiter weg vom Festland. Dementsprechend ruhig und beschaulich geht es hier zu.
Ach ja, und dann stehen und liegen noch gefühlte tausend Moais in der Landschaft herum und glotzen von erschreckt bis schmollend, wahrscheinlich weil sie ihren roten Hut verloren haben. Naja eigentlich hatten vor hundert Jahren alle am Ufer den Kopf schon in den Sand gesteckt, wegen diverser Stürme und Tsunamis. Von 1964 bis 1996 wurden dann viele wieder aufgestellt, um die Touristen anzulocken. Ganz ehrlich: Ohne die Figuren würde heute niemand auf diese karge Insel fahren - außer uns verrückten Seglern natürlich, da sie so praktisch in der Mitte des Pazifik liegt.
Versteht mich bitte nicht falsch. Es ist hier schon sehr schön und die Leistung der Insulaner, die Figuren mit der Hand aus dem Felsen zu hauen und dann einige Kilometer bis ans Ufer zu schaffen, das ist schon eindrucksvoll. Aber während man noch staunt, fragt man sich unwillkürlich nach dem Warum. Immerhin sind sie heute die Einkommensgrundlage der Insulaner, auch wenn sie damals fast zu Ausrottung der selbigen geführt hätten.
Wir haben jedenfalls ein paar schöne Tage hier verbracht. Von unserem ersten Ankerplatz im Süden der Insel, sind wir vor ein paar Tagen in den Norden umgezogen, an den schönsten Strand der Insel, der natürlich auch von 7 Moai bewacht wird - naja, eigentlich drehen sie uns und dem Strand den Rücken zu, aber schön sind sie trotzdem.
Gestern haben wir für die nächste Etappe zu den Pitcairn und Gambier Inseln eingekauft und dann mussten wir wieder umziehen, weil gerade ein Sturmtief ungemütlich nah im Süden vorbei zieht. Es wird echt langsam Zeit, dass wir weiter in den Norden kommen, bevor hier der Winter Einzug hält.
Morgen wird es wieder ruhiger und wir genießen nochmal den Strand, bevor es dann übermorgen weiter geht, auf die zweite große Etappe der Pazifiküberquerung - diesmal nur noch 1000 Seemeilen, also praktisch ein Katzensprung.

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